OPEN AIR AM WALDESRAND MIT SCHAFSCHUR UND SCOTTISH & IRISH FOLK

Wie auf der GRÜNEN INSEL: Immensen bei Lehrte 

Es war HIMMELFAHRT, der Tag nach den heißen erstenTagen des Monats Mai (sie erinnern sich auch noch an den April-Sommer?) Und für heute hatten die Wetterberichte für Ost- und Mittel-Niedersachsen heftige Gewitter angesagt: Man merkte, dass sich da etwas tat am Himmel, jedoch noch war es ruhig . . .Und blieb es auch, zumindest während der Veranstaltung, die von 11 bis 17 Uhr dauern würde . . .
Es gab vieles, was man heute auch hätte unternehmen können, wie z. B. Jazz auf dem Trammplatz vor Hannovers Neuem Rathaus. Okay, aber das hatten wir fast 25 Jahre lang regelmäßig besucht gehabt. Das reichte nun. Gundula und ich haben es seit einiger Zeit vorgezogen, die kleineren Feste zu besuchen, wo man sich Zeit nimmt, sich kennt oder kennenlernen kann. Dieses hier und heute brachte noch dazu etwas, was wir beide bisher noch nicht erlebt hatten: hautnah konnten wir dabei sein, als Schafscherer Detlef Rostin, eines nach dem anderen, die insgesamt acht wolligen, großen, dunkelbraun-sonnig leuchtenden Schafe aus dem halboffenen Stall holte und in drei ‚Sitzungen‘ im Laufe des Nachmittags die Schafe jetzt zu Beginn der warmen Jahreszeit von ihrer Wolle befreite. Beim Herausholen und richtigen Platzieren zwischen den Beinen half ihm sein Assistent. Ja, und dann ging es ratz-fatz. Ich staunte nicht schlecht, als ich die riesige Menge Wolle, die an der Unterseite übrigens total schwarz war, wie übrigens die frisch geschorenen Tiere hinterher auch. Fast alles andere spielte sich rund um das alte, schmucke Haus ab; überall waren kleine Stände aufgebaut – mit Getränken, Kaffee und Kuchen, Bratwürstchen verschiedenster Art (natürlich auch vom Lamm – hmmm), Köstlichkeiten wie mit Käse usw. gefüllte Teigtaschen; dazwischen konnten Alt und Jung erleben, wie die Wolle an verschiedenen Spinnrädern vor Ort versponnen wurde – und was das für ein Aufwand war.
Wer keinen Platz an den vielen Tischen gefunden hatte, der breitete sich eine Decke aus – es waren viele Familien mit Babys, kleineren und etwas größeren Kindern gekommen – und lagerte urgemütlich am Boden im Gras. Und das auch in großem Halbkreis um die windgeschcützte Bühne herum, wo seit geraumer Zeit die vier Künstler der Scottish & Irish Folk Band NORTHBOUND aus dem Raum Ilsede/Peine die vielen, vielen Gäste mit dieser so ganz besonderen Musik in ihren Bann zogen. Überwiegend ins Ohr gehende Traditionals, aber auch Eigenkompositionen aus dem Kreis der Bandmitglieder. Nicht nur das: Mitsingen war angesagt! Und: das klappte vorzüglich. ASTRID HELDMAIER (Bodhran – und das hörte sich ganz besonders gut an, aber auch am Gesang oder der Whistle), ihre Kollegin EDDA MESSER (einschmeichelnd an der Fiddle – das Instrument, welches auf keiner Reise bei den zig-tausend Auswanderern aus Europa und deren zum großen Teil echt beschwerlichen und gefährlichen ‚Reisen‘ quer durch den amerikanischen Kontinent auf der Flucht vor Unterdrückung oder Verfolgung fehlen durfte, jedoch beherrscht sie auch die Mandoline), daneben REINER KÖHLER, Banjo (endlich mal wieder ein Banjo!) & Bass – die Bouzouki hätte ich natürlich auch gerne gehört, aber dann hätte ich wohl noch etwas länger bleiben müssen – smile, und last but not least, der Band-Boss RALF HAUER, Guitars & Vocals; der starke Pollenflug von Erle & Co. machte ihm während unseres Gespräches stimmlich schon ein wenig zu schaffen – aber auch das meisterte er mit Bravour – auch in einem kurzen, lockeren und informativen Gespräch in einer der Pausen. In dieser Unterredung stellten wir viele Gemein-samkeiten fest, wobei Namen aus der Szene, Country oder auch Skiffle-Bands und Gruppen, Locations im Raum Peine und Hildesheim auftauchten, und bei Bandnamen, die heute schon fast vergessen scheinen, leuchteten unser beider Augen – Memories are made of this; schließlich sind wir beide seit weit mehr als einem Jahrzehnt in dieser Szene zuhause! Alle vier Künstler übrigens herzlich, offen, kommunikativ – was ich ganz besonders zu schätzen weiß.
Kleine Gegebenheit am Rande: als eine befreundete Musikerin im Publikum auftauchte, wurde sie von Astrid spontan gefragt, ob sie nicht einen Part von ihr übernehmen wolle. Diese Lady, Claudia Dodt von der Gruppe Strum and Drum, wohl aus der Nähe von Helmstedt kommend, willigte umgehend ein, übernahm den Part an der Bodhran und war so richtig happy. Die vielen Gäste applaudierten spontan. LIFE IS LIVE!
Alles in allem eine echte Bereicherung in der aus meiner Sicht so weitumspannenden Szene der Country Music, wie ich sie liebe, inklusive unserer gemeinsamen Ausflüge in Richtung Rock’n’Roll, Rockabilly, Zydeco, R&B, New Country, Americana, Blues usw. usw. Ab heute hat sich Scottish & Irish Folk da wieder mit hinein geschlichen, wenn Sie verstehen, was ich meine.
Also, verehrte Familie Angelika und Michael Dors: da ich ja nun weiß, dass Sie dieses wunderbare, kleine Fest Jahr für Jahr durchführen: Gundula und mir hat es sehr gut bei Ihnen gefallen. Und wenn Sie mögen, dann geben Sie uns im kommenden Jahr gerne frühzeitig einen kleinen Hinweis; und wenn irgend möglich, werden wir dann gerne wieder dabei sein – selber Ort, selbe Szene, selbe Band, okay?!

Fotos & Bericht: Wolfgang J. S. Weiher