Mit KARL MAY UM DIE WELT

Hannover: Ausstellung im Wilhelm-Busch-Museum

Natürlich habe ich früher auch den einen oder anderen Band von Karl May (1842–1912) gelesen. Hätte ich gewusst, dass es zu meiner Jugendzeit auch schon Comics (Foto) von ihm gab, dann hätte ich wohl viel mehr davon verschlungen; denn Comics waren damals meine Leidenschaft.
Erfahren von deren Existenz (es gibt sie nur noch im Museum in Radebeul) habe ich anl. der o. g. Ausstellung im wunderbar idyllisch im weitläufigen Georgengarten gelegenen Wilhelm-Busch-Museum in Hannover vor einigen Tagen zusammen mit einer Seniorengruppe von zwanzig Personen. Es war die letzte derartige Führung in diesem Jahr.
Abenteuerromane und Karl May: das gehört einfach zusammen. Er war und ist bis heute der meistgelesene Schriftsteller deutscher Sprache. Von der weltweit auf 200 Millionen geschätzten Auflage seiner Bücher ist rund die Hälfte in Deutschland erschienen. Besondere Berühmtheit erwarb er sich mit der dreibändigen Geschichte von WINNETOU. Wie man sich damals das Bild eines Indianers vorzustellen hatte, das zeigt das Foto seiner Büste nebst folgender Beschreibung:
‘Den Kopf trug der Indianer unbedeckt. Sein langes, dichtes blau-schwarzes Haar war in einen hohen helmartigen Schopf geordnet und mit einer Klappenschlangenhaut durchflochten. Keine Adlerfeder, kein Unterscheidungszeichen schmückte diese Frisur und dennoch sagte man sich gleich beim ersten Blicke, dass dieser noch junge Mann ein Häuptling, ein berühmter Krieger sein müsste.‘
Obwohl KARL MAY zum Zeitpunkt des Schreibens keines der Länder besucht hatte, in dem seine Romane spielten, waren seine ‚Reisebeschreibungen‘ erstaunlich korrekt; oftmals hatte er sie aufgrund des intensiven Studiums von Landkarten des betreffenden Landes erstellt. Bis dahin war es für Karl May allerdings ein langer, holpriger Weg gewesen. Nach mehreren Gefängnis- und Zuchthausaufenthalten fand er Beschäftigung bei Lokalblättern, Wochenzeitungen und Zeitschriften. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts nach seinem Umzug in die Gegend von Radebeul brachte er es zu einer Festanstellung, einem gewissen Erfolg und erstem Ruhm. Dauerhafte Anerkennung und Würdigung seines Werkes wurden ihm recht spät zuteil.
All das tut jedoch dem Erfolg seiner Bücher keinen Abbruch. Seit Jahren werden seine Werke mit großem Erfolg auf den Freilichtbühnen in Elspe, Bad Segeberg, oder der Felsenbühne im sächsischen Rathen aufgeführt. Es gibt Feste und Filme im In- und Ausland, Festspiele sowie Festtage wie z. B. in Radebeul. In Vereinen, Clubs und Vereinigungen und Fördervereinen wird sein geistiges Erbe bewahrt. Der größte dieser Zusammenschlüsse ist die Karl-May-Gesellschaft. Außerdem sind da noch die Karl-May-Stiftung, der Karl-May-Verlag (Radebeul/Bamberg) sowie das Karl-May-Museum in Radebeul/Sachsen mit der ‚Villa Bärenfett‘ und der ‚Villa Shatterhand‘, seinem ehemaligen Wohnhaus.
Und wenn es dann demnächst wieder auf die Adventszeit zugeht mit ihren besinnlichen Abenden um Weihnachten herum, dann wird auch das Fernsehen sich verstärkt an diesen großen Reiseschriftsteller und ‚Vater von Winnetou‘ erinnern und den ein oder anderen Film dieser Legende zur Freude von Jung und Alt aus den Archiven holen und ins aktuelle Programm nehmen. Darauf freut sich dann mit Ihnen schon heute Ihr
Bericht: Wolfgang J.S. Weiher