Die alten, traditionellen Countryfeste leben: RADBRUCH PFINGSTEN 2018 LET THE GOOD TIMES ROLL

Seit Jahren will ich mit Gundula nach Radbruch, nahe Lüneburg, zum traditionellen dortigen Countryfest auf dem Hof Eggers fahren; nur, nie hatte es bis dato geklappt. Selbst das 20. haben wir verpasst. Jetzt aber, hier und heute, im Jahre 2018, ist es uns gelungen, dort wenigstens einmal ‚vorbeizuschauen‘!
Gerade ging (mal wieder) eine Art Sommer-Welle mit Temperaturen um die 25 Grad über das Land, nun wohl schon die dritte in diesen beiden Monaten April und Mai. Noch dazu, es war Pfingsten. Und Niedersachsen hatte Schulferien. Und: die, neben der Ost-West Verbindung der A 2 berüchtigte Nord-Süd Achse A 7 wurde seit Monaten ‚runderneuert‘, mit Baustellen und Einschränkungen und einer Länge bis zu jeweils 20 km. Und da wollten wir uns hinein wagen? Mutig gingen wir die Sache an. Aus den geplanten maximal rund zwei Stunden Fahrzeit wurden dann doch gut zweieinhalb. Und leicht stressig war es auch. Jedenfalls empfand Gundula es so. Ich war die Ruhe selbst – macht wohl die Gelassenheit des Alters – schmunzel. Immerhin hatten wir die Sonne im Rücken. Aber eines habe ich dabei festgestellt: Staus und Stopps wurden nicht unbedingt durch die etwas engeren Baustellen verursacht: nein, wir, die Autofahrer, waren meistens die Ursache, wenn es dann mal wieder stockte. Mehr gegenseitige Rücksichtnahme hätte ich mir und uns allen da schon gewünscht.
Nun war es HIGH NOON. Wir stellten unseren SUV in wohlgeordneter Reihe (alles bestens durch Flatterbänder markiert) in dritter Reihe ab. Mitten auf dem offenen Feld. Bestens. Von dort ging es auf einem kurzen Fußmarsch Richtung schon von weitem erkennbaren Festgelände. Dachten wir. An der ersten Absperrung sehr freundliche Begrüßung durch einen großen, stattlichen Country Man. Mit uns waren einige Dutzend weiterer Besucher auf dem Weg in Richtung Hofgelände. Das, was wir von weitem gesehen hatten, entpuppte sich jedoch als Camping- und Abstellplatz für Zelte und Wohnmobile. Nicht weiter schlimm: das eigentliche Festgelände auf dem weitläufigen HOF EGGERS, wo das Fest nun schon seit Jahren stattfindet, lag genau gegenüber, keine dreißig Meter zur Rechten. Markant am Eingang positioniert: Motorräder in mehreren Reihen, sauber aufgestellt, darunter auch zwei knallgelbe Maschinen aus dem fernen deutschen Osten!
Nun noch ein paar Schritte und wir waren am Eingang: links eine Kasse und rechts eine Kasse; die nahmen wir. Und dort begrüßten uns zwei ältere Clubmitglieder derart freundlich (siehe Foto), dass wir doch überrascht waren. Als wir dann noch sagten, dass wir von der Presse seien, kam die prompte Einladung seitens der Lady:‚Dann habt ihr aber freien Eintritt!‘ Wann hatten wir so etwas das letzte Mal erlebt ???
Ja, und dann waren wir schon mittendrin im Trubel mit Markt- und Verkaufsständen (sogar aus Wernigerode am Harz war einer dabei, mit ganz wunderbaren Angeboten für Countryfreunde wie mich, und ein US Plate aus Illinois wechselte beim Abschied den Besitzer. Dazwischen, also Ankunft und Abschied, lagen allerdings dann rund vier Stunden. Erstmal mussten wir etwas trinken: ein Bier, ein Alster!
Schon bald lockte die große Bühne, auf der gerade eine unserer absoluten Traditions-Lieblingsbands aus dem Raum Gifhorn eine kleine Pause eingelegt hatte. Ich war so erfreut, dass ich, soweit das mein nun doch schon ein gutes Stück weit fortgeschrittener Gesundheitszustand zuließ. Er ließ es zu: ich erklomm also spontan die kleine wackelige Treppe zur Bühne und ging direkt auf den Boss zu, und Willi – wir kennen uns wie auch die ganze Band nun bestimmt schon seit rund 15 Jahren – nahm ihn wie alle anderen nacheinander in die Arme und er, sichtlich erfreut, tat das gleiche. So ging es dann Reih‘ um. All diese liebgewordenen Protagonisten freuten sich wie ich über ein Wiedersehen nach nun fast schon zwei Jahren. Alles nicht von ungefähr, war ein Auftritt von ihnen im Schützenhaus zu Gifhorn doch tatsächlich die allererste offizielle Begegnung mit der Country-Szene zu Beginn meiner ‚Karriere‘ gewesen. Und diese Szene, vom ersten Moment an, möchte ich nicht mehr missen: nicht die Begeisterung für die Country Music, nicht die Offenheit und Herzlichkeit im Umgang miteinander und natürlich all die Festivitäten, die Gundula und ich im Laufe der Jahre mit all diesen liebenswerten Menschen haben erleben dürfen. Ach, so, hatte ich schon gesagt, um welche Traditionsband es hier geht? Nein? Na, klar doch: hier und heute: das ist die WESTBROOK BAND! Seit nunmehr schon rund 35 Jahren auf den Bühnen unserer COUNTRY WORLD zuhause – und nicht mehr wegzudenken. Ich hoffe, dass wir sie hin und wieder noch erleben dürfen . . .
Vier Stunden lang, mit nur kurzen Pausen, spielten sie fast bis zum  Umfallen: immer begeistert unterstützt vom Publikum und von einer großen Anzahl Linedancer auf dem extra in Bühnenbreite davor ausgerolltem (Scherz) ausgelegtem Holzfußboden natürlich. Frontmann MANNI war voll in seinem Element und wie nun schon seit Jahren unterstützt und begleitet von ROLF an der Fiddle, BOGDAN am Schlagzeug, BERND am Bass, MARTIN an der Gitarre und Bandboss Willi an der Pedal Steel Guitar. Wo waren sie im Laufe der Jahrzehnte nicht schon überall aufgetreten – in der Aktuellen Schaubude, bei SAT 1 und RTL sowieso! Mann, waren das noch Zeiten, als die Country Music derart präsent war!
Aber hier und heute war durchaus etwas zu verspüren vom alten Glanz!



So, nun mussten wir unbedingt etwas essen. Aha, dort gab es Brat- und Currywurst. Heute für mich genau das Richtige. Gundula entschied sich für eine Salami-Pizza. Auch sehr lecker und wieder: ein Bier und . . . diesmal eine Lemon-Brause – für mich also. Diese kleine Stärkung tat gut. Alles direkt in Nähe der (wirklich) großen Bühne. Nun ging es erstmal ins ‚Kinder-Wonder-Land gleich nebenan: mit RIESEN-Rutsche, mehreren Tipis und andern Zelten, wo die Kids sich schminken (lassen) konnten, Geschicklichkeitsspiele spielen konnten, mit oder ohne die Eltern, dann weiter Richtung grüne Wiese, wo gerade Natural Horsemanship-Trainer FRANK MIERWALD die im großen Rund weilenden Zuschauer – groß wie klein - begeisterte, gefolgt von den Ladies der Indianer-Stunt-Show COMANCHES. Anschließend führte mich mein Weg zum Allerheiligsten, der Ranch mit mehreren Saloons, hier und heute der Relaxplatz auch für die überall im Einsatz befindlichen rund 50 Mitglieder des Vereins ‚COUNTRY CLUB WILD WEST‘, die hier ihr zweites Zuhause hatten, bei gekühlten Getränken, Kaffee und Kuchen und auch manchem Spirit. Ohne viele tatkräftige Helfer beim Aufbau, den Diensten am Tresen der Organisation, wäre die Durchführung eines solchen Festes gar nicht realisierbar gewesen. Dazu kommen Werbepartner, Schausteller und – wie in diesem Falle –Oldtimer-Trecker-Liebhaber und natürlich jedes Jahr aufs Neue eine Auswahl an unterschiedlichsten Bands. Am Vorabend, als wir nun ja noch nicht dabei waren, soll 2018 die Band MUSIC ROAD PILOTS aus den Niederlanden besonders gut angekommen sein. Hier auf dem Platz, diesem weitreichenden Areal von Gebäuden erwartete man als nächste Band die SENTIMENTAL FALLS, fünf junge Leute, aus (meiner zweiten Country Heimat) Schweden. Bei ihnen erlebten wir gerade noch den Soundcheck und die ersten Songs, weil, ja, weil wir im Halbschatten ein Plätzchen gefunden hatten, wo wir uns auch einmal hinsetzen konnten.
Und dann kam die allergrößte Überraschung: dort, in einer Art Halb-Dunkel, wenn man aus der hellen Sonne trat, fand sich, nach und nach, eine Art Fähnchen der letzten Aufrechten, Ur-Alt-Country-Freunde, die wir in dieser großen Anzahl wohl zuletzt beim Countryfest in DÜSHORN gesehen hatten. Hier waren es nun zunächst WERNER LARWS, vielen besser bekannt als HOUWY, jener HOUWY, der über ein Jahrzehnt lang mit seinem Club-Team das legendäre COUNTRY FESTIVAL DANNDORF gemanagt hatte, natürlich mit seiner KAROLA an der Seite (sie hatte sogar die letzten zwei Feste dort geleitet, als Houwy sich so langsam aufs Altenteil gesetzt hatte. Als sich unsere Augen an das Halbdunkel unter dem weit überragenden Dach gewöhnt hatten ‚tauchten‘ da weitere bekannte Gesichter auf. Zunächst DETLEF, Boss des TCCM (TRUCKER- & COUNTRY CLUB MUNSTER), der Jahr für Jahr das DÜSHORNER COUNTRY FEST bewerkstelligt – bei jeweils freiem Eintritt – und so soll es auch in wenigen Wochen in diesem Jahr sein, wenn dort beim Gasthaus am Walde das 20. über die Bühne gehen wird (Weekend 27.-29. Juli). Jetzt sah ich auch DIETER & MARIA aus Bremerhaven (Dieter hatte mich schon vorher kurz im Vorbeigehen gegrüßt); er ein Mann, der sich bestens in Sachen Country Music auskennt und von dem ich in den vergangenen Jahren schon manchen Szene-Tipp erhalten hatte!). Ach, und wer kam da gerade auch mich zu? Ein Mann, ein Vielgereister, der hier im Herzen der Lüneburger Heide lebt, VOLKER, besser bekannt unter dem Namen TEX (hat auch schon mal in Danndorf die Moderation übernommen), Ja, und wo TEX ist, da ist BERND nicht weit - hier und heute zusammen mit seiner CLAUDIA. Und es hört noch nicht auf. Gundula zu mir. ‘Wolfgang, schau mal, sind das da drüben nicht, äh, hm, THEO & KARIN aus Hamburg?‘. Und, genau, sie waren es: immer total schick gekleidet, hanseatisch liebenswert und freundlich; wir hatten uns kennengelernt, als wir mehrere Jahre nacheinander beim Besuch in Danndorf im selben Hotel in Vorsfelde bei BRANCA genächtigt hatten – as time goes by! Unsere COUNTRY FAMILY hatte sich mal wieder (fast) vollständig) zusammen gefunden. SUPER!
Nicht zu vergessen, schon vorher waren uns GISI & MANNI aus Garbsen über den Weg gelaufen; mit ihnen haben wir immer viel zu ‚besprechen‘, sind wir alle vier doch recht ähnlich ‚gestrickt‘, in bezug auf die Musik sowieso, jedoch auch in Sachen Reisen und Verreisen. Und von ihnen hatten wir auch erfahren, dass nicht nur wir auf der A 7 Staus überstehen mussten, nein, auch bei ihnen auf dem Weg über Celle und Uelzen hatte es mehrfach Behinderungen gegeben, ja die 191 war sogar Kilometer weit voll gesperrt - also auch dort hatte es geheißen, viel Zeit mitbringen. Eine wichtige Info für uns, als wir ja auch wieder nach Hause mußten. Da entschieden wir uns dann also für die B 209, über Lüneburg mit seinen vielen Kreiseln, Richtung Amelinghausen bis zur BAB Auffahrt Soltau Ost und dann in Soltau Süd wieder runter; denn dort erwartete uns ein absoluter Geheim-Tipp: ein DINER, MISS PEPPER, halbrund mit ebensolcher Open Air Terrasse, wo wir uns so richtig bei Burgern, leckeren Pommes, verschiedenen Dips, Lemo, exquisitem, aufmerksamen (america-like) Service niederlassen konnten, auch deshalb, weil drinnen in typischem american Flair mit Wurlitzter, Zeitungsauschnitten zum Tod von J.F. Kennedy 1963, Plates, Tanksäulen aus den roaring Fifties usw. und anderen Memorabilien) ohnehin jeder Platz besetzt war. Dort war neben gutem Essen Erholung pur angesagt, die wir jetzt dann zum Abendessen mit tiefstehender Sonne voll genießen konnten. Passte super zu diesem ereignisreichen Tag. Und auch: unser Automobil konnten wir direkt vor der Tür parken. Auf der ROUTE 66 wäre es kaum anders gewesen.
Also: rundherum dann doch noch ein richtig gelungener Tag mit viel Country Music, american Flair, einem Wetter wie im amerikanischen Süden, vielen netten Menschen (wie auch gleich beim Eintritt in Radbruch, s.o.). Countryherz, was willst Du mehr ??? Wie soll ich es ausdrücken? Die Country Szene hat uns wieder . . .

Fotos: Gundula Weiher, Bericht: Wolfgang J. S. Weiher