ELVIS FOR EVER

Hessen 2013:

12. EUROPEAN ELVIS FESTIVAL BAD NAUHEIM
und 6. ELVIS WEEKEND FRIEDBERG

ELVIS FOR EVER

Kein Zweifel: ELVIS, der KING OF ROCK’N’ROLL, lebt, zumindest in den Herzen von Tausenden Fans und Besuchern, die anlässlich der beiden oben genannten zeitgleich und gemeinsam angebotenen Veranstaltungen vom 15. – 18. August 2013 dabei sein konnten und zum Teil von weither angereist waren, wie z. B. aus Australien, der Schweiz, Irland, Belgien und natürlich aus allen Teilen Deutschlands.
 
Wie alles begann:
Mit Recht bezeichnet sich Bad Nauheim als ‚European Home of Elvis‘. Seit dem Jahre 2002 veranstaltet diese hessische Perle einer wunderbar erhaltenen Bäder- und Jugendstil-Architektur Jahr für Jahr um Elvis‘ Todestag herum ein mehrtägiges Festival, das dem ganzen Ort das Lebensgefühl der goldenen Fünfziger zurück bringt. Einer, der das gut beurteilen kann, schreibt gerade diese Zeilen; habe ich doch gegen Ende meiner Schulzeit, in genau der Zeit von Herbst 1958 bis zum Frühjahr 1960, die Elvis als GI in Friedberg und Bad Nauheim verbrachte, meine wohl schönsten Jugendjahre mit seiner Musik erleben dürfen. Und - um noch eins drauf zu setzen: Elvis verlies Germany am 2. März 1960, an genau dem Tag, an dem ich mein mündliches Abitur bestand und damit mein ‚Zeugnis der Reife‘ ausgehändigt bekam...
Es ist also sicherlich gut zu verstehen, dass ich mit lebhaften Erinnerungen und großen Erwartungen hierher fuhr. Und ich kann es gleich vorweg nehmen: sie wurden noch übertroffen!
So tauchte ich also ein in das umfassende Festivalprogramm mit der Welt von Mode und Tanz, Automobil- und Filmkultur der 1950er bis 70er Jahre, die als Organisator und Veranstalter der Fachbereich Kultur der Stadt Bad Nauheim in Kooperation mit der Elvis-Presley-Gesellschaft wieder hat aufleben lassen. Tatkräftige Unterstützung lieferte der Elvis-Presley Verein Bad Nauheim/Friedberg, der sogar einen kostenlosen Shuttle Service zwischen den beiden Städten eingerichtet hatte. Beide hatten hervorragende Elvis-Interpreten, Bands und Zeitzeugen verpflichten können. Kein Wunder also, dass Bad Nauheim/Friedberg mit diesem Top Event für Elvis Fans aus aller Welt inzwischen so etwas wie das wahre European Home des King geworden sind!
 
Das neue Festival-Zentrum:
Das 4*Hotel Dolce, ein Mitte des 19. Jahrhunderts zunächst als Kurhaus errichtetes, stattliches Gebäude im weitläufigen Kurpark der Stadt Bad Nauheim, war in diesem Jahr das Festivalzentrum und bot mit Konzertmuschel, Spiegel-, Theater- und Park-Saal, den Arkaden und einem Platanenhof (dort waren z. B. rund 30 Oldtimer stationiert), dazu einer wunderschönen Terrasse mit Blick ins weite Grün des im englischen Landschaftsstil gestalteten Kurparks und einem Pub sowie weiteren Sälen und Räumen die allerbesten Voraussetzungen für die mannigfaltigen Veranstaltungen und Ausstellungen des Festivals. Innerhalb der Räumlichkeiten gab es auf einem Fan-Markt alles, was Sammler interessiert: von uralt Platten bis zu bunten Petticoats und Souvenirstände der unterschiedlichsten Art. Auch hoch spezialisierte Elvis-Reiseveranstalter wie z. B. der Elvis Shop aus der Schweiz oder AAR-Reisen aus Westerkappeln fehlten nicht. Daneben fanden einige Events außerhalb des Kurparks statt, wie z. B. im Theater am Park von Ulrich Rhein. Dort lernte ich MARC CHARRO aus Bayern mit großer Fangemeinde als überzeugenden Elvis Sänger vor seinem Konzert ‚A Tribute to the King‘ kennen; zu meiner Freude sang er auch meinen absoluten Lieblingssong von Elvis, nämlich ‚One Night‘. Im Konzertsaal der historischen Trinkkuranlage erlebte ich mit OLIVER STEINHOFF und PETE STORM aus Großbritannien die für mich persönlich wohl beste ELVIS ABEND SHOW des Weekends. Im fünf Kilometer entfernten Friedberg war RIO THE VOICE OF ELVIS bereits am Freitagabend vor ausverkauftem Haus mit seinem Konzert ‚ALOHA FROM HAWAII‘ ein großer Erfolg beschieden.

Bad Nauheim im Elvis Fieber:
Gleich vorweg: das Programm an den verschiedenen Spielorten war umfangreich und vielfältig. Man musste sich entscheiden und auch mal auf einen Auftritt verzichten, um eine ganz bestimmte, gleichzeitig stattfindende andere Performance erleben zu können, was nicht immer leicht fiel.
Mit DER Partynacht am Freitagabend begann das Warming-Up des Festivals. D.W. KING & THE COSMIC CROONERS, die an den Folgetagen auch noch an anderer Stelle Open Air zu erleben waren, heizten mächtig ein, hielten das Andenken an den King ganz hoch und boten gleichzeitig den Tanzwilligen genau die richtigen Songs und Rhythmen an. Ein wenig Country MUSIC war auch dabei! ANDY KING & MEMPHIS RIDERS standen da nicht nach. Dazu eine Modenschau mit Peggy Sue aus Frankfurt sowie Rock’n’Roll des Tanzzentrums Bad Homburg e.V. Am Schluss dieses ersten Abends stand dann noch eine Fackelführung ‚Elvis und der Johannisberg‘ auf dem Programm.
Weiter ging‘s am Samstag mit verschiedenen Veranstaltungen wie einer weiteren Führung, Gospel Songs und einer, wie ich meine, ganz besonderen ‚ELVIS MEETS CHOIR – ROCK AROUND THE CLOCK‘, die mit einem stimmgewaltigen Chor von bis zu achtzig Sängerinnen und Sängern sowohl Elvis Titel aus den späten 50er, wie auch frühen 60er Jahren, als er auch Gospel Songs brachte, die Elvis, die Fans wissen das, ja über alles liebte und nach manchem Konzert noch ‚stundenlang‘ weiter sang.
Ein anderes Special mit ANDY KING und auch eine Talkshow mit JOE ESPOSITO standen im Programm: Joe lernte Elvis in den Ray Baracks in Friedberg kennen, wo er zusammen mit diesem stationiert war, weil man gerade einen weiteren Football Player unter den GIs suchte, und blieb dann ein Leben lang einer der engsten Freunde und Vertrauten von Elvis. Zwischendurch startete die ‚CADILLAC PARADE‘ von Bad Nauheim Richtung Wetterau - Museum in Friedberg, während tausende gut gelaunter, sommerlich leicht und bunt gekleideter Menschen an den Straßenrändern standen und mit Beifall nicht sparten! Ich hatte die Gelegenheit, bei YVES & TINE aus Memmingen in deren rosa-metallic Cadillac-Coupé de Ville, Bj. 1960, mitzufahren und das Ganze aus einer anderen Sicht miterleben zu können (Foto) – es war, im wahrsten Sinne des Wortes, atemberaubend!
Weitere Bands spielten und es gab ein MEET & GREET mit den ‚älteren Herren‘ der TCB Band, in diesem Fall allerdings nur für die Inhaber des Festival-Passes ‚Platin‘, ja, so etwas gab es, auch in Gold oder Silber: etwas für absolute Kenner und Fans. Am Abend dann die TCB Band, u. a. mit JAMES BURTON (Leadguitar), GLEN D. HARDIN (Piano) oder auch RONNIE TUTT (Drums); da schienen alle wieder ganz jung! Für nicht so Eingeweihte: die TCB (‚Taking care of business‘) spielte acht Jahre lang von 1969 bis 1977 live on stage mit dem KING OF ROCK’N’ROLL!!!

Das absolute Highlight:
Ich hatte mir für den Abend vorgenommen, die 2. Show an diesem Tag von ELVIS ON TOUR & ALOHA FROM HAWAII anzuhören - im Konzertsaal der Trinkkuranlage, jenseits der City gelegen, jedoch alles im Grünen. Nicht so ganz im ‚grünen‘ Bereich waren dann die Temperaturen dort; draußen noch vielleicht 28 Grad, bekam man drinnen kaum noch Luft. Alle Plätze seit fast einer Stunde besetzt. Bereits zwei Stunden vor Konzertbeginn waren die ersten wartenden Gäste dort ‚ante portas‘! Außer mir als Pressevertreter und Mitarbeiter von COUNTRY MAG – der übrigens bei allen Veranstaltungen äußerst freundlich willkommen geheißen wurde – hatten noch einige andere es vorgezogen, an den seitlichen Gängen stehen zu bleiben, wo allerdings mit dem Gong dann auch die zum Foyer führenden Seitentüren automatisch geschlossen wurden, um dann jedoch wenige Minuten später wieder geöffnet zu werden. Gott sei Dank: so gab es vom Foyer her von draußen ein ganz klein wenig Kühlung.
Die hochkarätig besetzte Band (mit vierköpfiger Bläsergruppe) hatte gerade mächtig stark begonnen, da kam ER auf die Bühne; gemäßigten Schrittes, ein charmantes Lächeln im Gesicht, dunkle, schwarze Locken, so smart wie wohl einst Elvis Mitte der 50er, schlank wie dieser damals und – er schien auch nicht viel älter zu sein, ein junger Mann, ein Engländer aus Sidcup bei London, zum ersten Mal in Bad Nauheim: PETE STORM. An seinem Elvis-Repertoire hat er lang gearbeitet, ebenso, wie auf seinem gesamten Weg als Elvis Tribute Artist. Als er eigentlich schon ‚echt gut‘ war, hat er noch eins drauf gelegt und einige Jahre Gesangsunterricht genommen.
Hier stand er nun heute - im Jumpsuit, wie einst Elvis, war es der, den der King auch gerne trug, nämlich der POWDER BLUE JUMPSUIT? Ich war mir nicht ganz sicher, aber er stand ihm gut. Ja, und dann ging ‚die Post‘ ab.
Schon vom ersten Song an kreischen die vorderen Reihen, die ersten Leuchtstäbe werden geschwungen, in der einen Hand, in der anderen Hand das Smartphone, um das Ganze im Bild festzuhalten. Immer wieder stürmen junge wie ältere Ladies nach vorne mit einem Sträußchen oder einem Blütenkranz in den Händen, um sie ihrem neuen Star um den Hals zu legen und dabei natürlich ein Küsschen auf die Wange zu ergattern. Herrlich, die Zeit schien in solchen Momenten still zu stehen – in welcher Zeit befanden wir uns eigentlich? Waren das noch/wieder die Golden Fifties oder schrieben wir das Jahr 2013? Es gab Momente, da wusste ich es nicht mehr... und eigentlich war es mir auch egal; es war nämlich auch und genau ‚meine‘ Musik - und Bilder meiner eigenen Jugendzeit tauchten sehr lebendig wieder auf – noch nie so etwas seit dem so intensiv erlebt! ‚Thank you, thank you very much, Elvis!‘ Und überhaupt, Dank auch an alle anderen Elvis-Interpreten an diesem Weekend.
Ähnlich verlief der Part 2, in dem Gastgeber OLIVER STEINHOFF auftrat. Er hatte Pete ja nach Bad Nauheim eingeladen und dem Gast den Vortritt gelassen. Er, absolut souverän, ein ganzes Stück größer, im weißen, mit Strass besetzten Jumpsuit und mit weitem, mit einem in US-Farben weiß-rot-blauen Adler verzierten Umhang versehen, den er ganz zum Schluss völlig überraschend in die erste Reihe des Publikums wohl als Dank an dieses schleuderte. Für mich war auch dieser Auftritt eine Premiere. Viele Gäste hingegen schienen ihn schon gut zu kennen, sangen viele Songs mit und wieder ging der Run los mit Blümchen Küsschen, Blütenkränzen, und immer wieder bückte er sich von der Bühne weit nach unten, um sich genauso wie sein Gast zu bedanken. Sein Auftritt war mit vielerlei leisen Tönen verbunden, man merkte ihm den Schalk an, der ihm im Nacken sitzt; das ließ ebenfalls an Elvis denken, der ja immer ein Lächeln auf den Lippen hatte, dazu äußerst freundlich und höflich zu jedermann war, nicht nur im Umgang mit der Damenwelt. So auch Oliver hier und heute.
Zum guten Schluss holte er Pete noch einmal zu sich auf die Bühne; Band und Stars bedankten sich herzlich. Das Publikum applaudierte ein letztes Mal begeistert und war dann auch ein wenig erleichtert, nach fast zwei Stunden – eine Pause hatte es nämlich nicht gegeben – die milde Luft dieses herrlichen Spätsommerabends im weitläufigen Grün der Parkanlagen zu genießen. Insgesamt ein eindrucksvoller, ja, grandioser Elvis Abend hier in Bad Nauheim.

Der letzte Tag:
Den letzten Tag, meinen Abreisetag, nutzte ich noch, um an dem Talk mit JOE ESPOSITO (Elvis‘ langjährigem Tourmanager) teilzunehmen, in der er sich gleich vorab in Anwesenheit von Bürgermeister ARMIN HÄUSER und vor mehr als 200 interessierten Zuhörern ins Goldene Buch (Foto) der Stadt Bad Nauheim eintrug und dann bereitwillig, charmant und geradeheraus (Übersetzerin war Maria Hesterberg, die 1. Vorsitzende der Elvis-Presley-Gesellschaft mit Sitz in Bonn) auf die Fragen aus dem Publikum einging.

Was sich sonst noch - so ganz persönlich - tat:
Beim Empfang der Cadillac Parade in Friedberg gab es ein nettes Gespräch mit der Berliner Rock’n’Roll & Rockabilly Band namens Ike & the Capers (erste Sahne!) sowie manch anderem Rockabilly- und Elvis- Fan. Auf der Terrasse des Hotels Dolce lernte ich zwei Kollegen, Michael Kirchner und Partner, von den Lübecker Nachrichten kennen, die mir in ihrem eigenwilligen Outfit auffielen. Ein sehr informatives Gespräch ergab sich mit Jacqueline aus der Schweiz, die nicht nur einen Elvis-Shop betreibt, sondern auch spezielle Kleingruppenreisen in die USA anbietet. Gerne erinnere ich mich auch an den Talk mit Thorsten Freimuth von AAR-Reisen - ein ausgesprochener Country Music Fan! Dank an Marc Charro für die Erläuterungen und Hintergründe zu meinem o. g. Lieblingssong von Elvis und dessen ursprünglicher Fassung. Und zum Schluss: Dank an den Talk mit Peter & Anita Miley vor ihrem Oldtimer im Schatten der Platanen, wo wir nach einer halben Stunde feststellten, dass wir beide ausgesprochene Country-Fans sind und er bis vor zwei Jahren beim Country Festival in Hainburg mit seiner Band SIX GUNS aufgespielt hat, klein ist die Country Music World. Wie im übrigen auch dieser Elvis Weekender, bei dem man, wenn man so frei war, auf andere Menschen zuzugehen und seine Sinne offen hielt, immer wieder und überall ‚die gleichen Leute‘ traf und sich immer etwas zu erzählen wusste, Erfahrungen und Neuigkeiten austauschte.
Dieses 12. EUROPEAN ELVIS FESTIVAL hatte es absolut in sich, mehr geht wohl kaum – warum eigentlich bin ich nicht schon früher einmal hierher gekommen?
Fotos & Bericht: Wolfgang J. S. Weiher