21.Festival der Klesmer & Weltmusik in Salzgitter

EIN HAUCH VON LOUISIANA - FEELING ERFÜLLT DIE STADT

Es war schon – so oder so – ein Tag mit einem besonderen Gefühl, einer Atmosphäre, einer sommerlichen Hitze, die jetzt am Abend des 26. Mai in eine angenehme Wärme übergegangen war; das Thermometer zeigte nun wunderbare 26 Grad, der Klesmerplatz im Herzen von Salzgitter gleich gegenüber vom (versteckt gelegenen) Bahnhof mit seinen schicken Gastro-Betrieben (Cafes, Kneipen sowie Streetfood) Bad, tausende von Besuchern, vor den Kneipen, drinnen, vor allem aber auf dem freien Platz dazwischen. Hatte gar nicht gewusst, das Salzgitter solch ein Flair hat. Und das I-Tüpfelchen dazu – aus meiner Sicht und meinem Erleben – diese so ganz besondere Musik, diese Leichtigkeit des Seins, die Beschwingtheit: überall, flanierend, stehend, auf bequemen Stühlen im Freien sitzend, vor der Bühne, vor den Lokalitäten, überall munteres Parlieren, Treffen und Begrüßen bei Wein und Bier oder, wie in meinem Fall, Brause: man hätte also tatsächlich auch gar nicht in den Süden fliehen müssen, der Süden, dieses Feeling war hierher zu uns in den Norden gekommen. Mitgebracht und verbreitet hat es diese Band, die ich durchaus zu unseren Freunden zählen darf, persönlich und musikalisch. Sie schaffen es immer wieder binnen Sekunden, vom ersten Wort eines Songs an, der freundlichen Einladung ans Publikum, mitzukommen auf diese unglaubliche Reise in den Tiefen Süden des nordamerikanischen Kontinents, hinein mitten in die Swamps, die berühmt berüchtigten Sümpfe, die einst der letzte Zufluchtsort für Verfolgte und Gejagte waren und deren eingängige Musik uns heute dieses wunderbare Lebensgefühl vermitteln kann. Dafür steht (auf der Bühne von links aus Sicht der Zuhörer) diese sagenhafte Truppe: ZYDECO ANNIE & SWAMP CATS! Hier und heute mit SASCHA LOSS, fiddle & harp (charmant mit Hut & locker, er liebt es, barfuß zu spielen!), MARCO PILUDU, Gitarren & Bass, ANJA BALDAUF alias ZYDECO ANNIE (Akkordeon, One-Row, Piano, Melodion, Gesang (öfter auch mal spontan ganz fix von einem zum anderen Instrument wechselnd), etwas im Hintergrund, aber immer (meist lächelnd) voll dabei; rhythmusgebend und am Gesang STEFAN BALDAUF, dann JAN HIRTE, guit. und last not least ROLF BERGER, Tänzer, Animateur & Charmeur, Sänger & Schauspieler (mit seiner urpersönlichen Art, das kreolisch-Französische und die Lebensfreude der Menschen aus den Swamps ‚herüberzubringen‘), Percussion & Washboard und alles Mögliche und neuerdings auch großartiger Texter. A propos: natürlich haben sie heute auch ihre aktuelle CD mitgebracht, die sie am 7./8. August 2017 im schönen Goldbach, wo es einem ‚on dit‘ zufolge ein Traumhaus mit großer Terrasse und urigen Schaukelstühlen und weitem Blick über das Tal geben soll – so richtig zum Relaxen nach getaner Arbeit aufgenommen: A LA MAISON, mit exakt 13 brandneuen, eigenen Titeln, Musik jeweils von Anja und Texte (ebenso wahr und lebensnah wie ‚verrückt‘) eben von Rolf.
Einem weiteren ‚on dit‘ zufolge soll Anja die besten musikalischen Einfälle meist dann haben, wenn sie draußen bei der Gartenarbeit entspannt und Rolf? Ja, da heißt es, er habe die besten Einfälle in  bezug auf den Text, den er dann zu Anjas Musik kreiert, wenn er –ebenfalls total entspannt – beim Bügeln ist. Schon kurios, jedoch absolut nachvollziehbar . . .Und da er, Rolf, des Französischen, wie er selbst meint, noch nicht so ganz mächtig sei, habe er ja seine Frau, die dann nochmals ‚drüberschaut‘, immerhin, sie ist Französin. So, nun genug aus dem Nähkästchen geplaudert!



Hier und heute im Herzen von Salzgitter im Norden unserer Republik (wo sie leider nicht mehr so häufig hinkommen) haben sie die Menschen im großen Rund im warmen Licht der Abendsonne von Anfang an bis zum letzten Ton begeistert. So viele freundliche, aufgeschlossene, ja, begeisterte und gutgelaunte und fröhliche Menschen wie an diesem Abend habe ich bei einem Open Air Konzert lange nicht mehr erlebt.
BRAVO! Es war eben ein ‚soir extraordinaire à la Klesmer‘, so in der Art eines SAMEDIE SOIR À LAFAYETTE.

Fotos & Bericht: Wolfgang J. S. Weiher