Sebbo&Washboardbellies begeistern in Schloss Thurnau



Wenn auch im Vorfeld viele befürchteten, dass aufgrund der Insolvenz des Schloss-Hotel-Betreibers die Kultveranstaltung ausfallen könnte, so schafften es Thomas, Sebbo, Funky und Michel trotzdem, in Eigenregie sowohl im Vorfeld die Fans zu aktivieren als auch die Bewirtschaftung selbst zu betreiben. Hier dankte der Bandleader besonders seinem Drummer Michel und dessen Familie für ihren Einsatz, der sich, soviel schon im Voraus, in jeder Hinsicht gelohnt hatte. Für die Band, die sich vor vollem Haus präsentieren durfte und für die zahlreichen Fans aus den drei nördlichen Landkreisen Bayreuth, Kulmbach und Hof, die wiederum einen einzigartigen Musikabend erleben durften. Special Guest war einmal mehr der Ausnahme-Fiddler – das ist nicht despektierlich gemeint – Chris Herzberger. Ein Virtuose auf seinem Instrument, der von der Klassik her kommt, sich aber wohl in der leichten Muse absolut heimisch fühlt. Kein Song, dem er nicht sein besonderes Prädikat verlieh, sich hinein versetzte und so mit immensem Gefühl für die Charakteristik eben seine Akzente setzte, oder aber intuitiv sich zurück nahm und subtil und doch hörbar begleitend untermalte. Sphärische Klänge und Obertöne meinte man zu hören bei Space Cowboy, wo er galaktisch streicht und mitunter zupft.
Das soll nicht die Leistung der Washboardbellies schmälern, denn auch sie überzeugten auf der ganzen Linie, angefangen von Michel, der sich stimmlich stärker als sonst zeigte im Beatles-Song „I should have known better“, den er seinem Daddy widmete und auch bestens den rhythmischen Rahmen steckte, variantenreich und immer in der richtigen Lautstärke.
Funky ist meist zuständig für die deutschen Texte im Stile Fendrichs, die ihm, so meint man, aus der Seele sprechen, aber genauso toll sind seine Interpretationen Eric Claptons die seiner Stimmcharakteristik entgegen kommen und wo er zugleich seine blendenden Gitarrensoli zelebriert, mit Bottlenecking und allem was dazu gehört – statt Flaschenhals am Finger nimmt er die halbleere Bierflasche und …Prost … jetzt eben die leere .
Herrlich sind auch Thomas Schönheiters Bass-Variationen und schon allein der flotte Umgang mit dem unhandlichen Gerät, das er auch schon mal an einer Hand locker kreisen lässt, um es dann wieder einzufangen und irre Bassläufe zu kreieren. Ebenso fesselt sein Gesang beim Englishman in New York und weiteren Titeln und dann, als sein Akkordeon in A Soldier´s Heart zusammen mit der Fiddle irisches Folkfeeling in den Kutschersaal schüttet – immer dann tritt der sechste Mann in Aktion – Nobi schnappt sich den Bass. Er ist ansonsten für die, auch diesmal wieder perfekte Soundmischung, zuständig.
Zentrale Figur ist natürlich der Mann mit der markanten und vielseitigen Stimme, Bandleader Dirk „Sebbo“ Sebrowski, den ganz Countrydeutschland als Boss von Amarillo kennt, der mehrfach preisgekrönten Formation, die ihren Ursprung ja in der Bayreuther Ecke hatte. Hier allerdings zeigt Sebbo, dass er sich nicht beschränken lässt auf irgendein Musik-Genre, sondern in allen Sparten zuhause ist – so lässt er auch bewusst die von einigen sicher erwarteten Garth-Brooks-Songs einfach weg und begeistert eben mit dem, was Washboardbellies-Sache ist, von Rolling Stones und Beatles über Pink Floyd, Eagles und Dire Straits bis hin zu Bon Jovi oder Sportfreunde Stiller. Besonders lag ihm der „Blob“ am Herzen, ein eigener Song im Skiurlaub entstanden – das Publikumsecho war, wie auch bei anderen Titeln, stark und hundertfach, wie auch der Applaus und die Zugaberufe am Ende eines tollen Konzerts in Form einer musikalischen Reise um die Welt, begleitet von vielen Fotos, Fotomontagen die für Erheiterung sorgten und Videos die entsprechend die Schauplätze zeigten von denen die Songs handelten.
Wir Fans und Musikliebhaber aus Nordostoberfranken hoffen natürlich auf weitere mitreißende Konzertdarbietungen der Washboardbellies im Schloss von Thurnau mit seiner einzigartigen Akustik und ebensolchem Ambiente.
Hans-Jürgen Keuser