Once in a Lifetime: THE MAVERICKS in Hamburg

Hamburg-Altona: Grandioses Musik Fest in der FABRIK in Ottensen

Sie waren tatsächlich nach Deutschland gekommen, am 8. nach Köln und am 12. März hier in die FABRIK nach Hamburg. Dann noch schnell ein Abstecher nach Dänemark und ab über’n Teich zurück auf den amerikanischen Kontinent, wo sie mit ihrer MONO MUNDO TOUR 2015 bis Ende Juli weiter touren werden. Wer sie hier und heute nicht erlebt hat, der hat ein wahnsinniges Konzert, ein Fest nach dem Motto ‚dance all night long‘ verpasst. Obwohl, so schwunghaft ging es nicht gleich von Anfang an los.
Ich hatte mir fest vorgenommen, hier nimmst du dir ein T-Shirt mit, eines von der diesjährigen Live-Tour. Um 20 Uhr öffneten sich die Tore. Davor hatte sich bis dahin schon eine Menschenschlange gebildet, die bis zur Ampelkreuzung reichte, in Dreierreihen. Gundula und ich nahmen vorsichtshalber unsere Presseausweise in die Hand, als wir uns ein wenig an der Schlange vorbei bis kurz vor den Eingang ‚mogelten‘. Die hätten wir dann vorzeigen können, falls uns jemand ansprechen sollte. Tat aber niemand. Alle warteten geduldig. Kurz vor dem Eingang kleine Gespräche mit anderen Besuchern, einer kam extra aus Berlin. Dann, husch, hinein Richtung Kasse. Ja, wir standen auf der Gästeliste für COUNTRY MAG. Wir bekamen unser Ticket, allerdings ohne Foto-Pass. Ob man mir den jetzt noch ausstellen könne, fragte ich. Leider, nein, zu spät, hieß es freundlich aber bestimmt. Okay, musste auch so gehen. Drinnen, gleich links, ein kleiner Merchandising Stand der Mavericks. Aha, also T-Shirt kaufen. Es sah toll aus. Aber, so erklärte mir der freundliche Verkäufer aus den USA indem er mich genau anschaute, er habe nur noch welche in L und M. Also, zu kleine. Sorry. Und die Tour CD? Leider schon ausverkauft. Hm, damned. Es war gerade mal 20:10 Uhr, also zehn Minuten nach Einlassbeginn. Aber, ich könne ja alles ganz einfach übers Internet kaufen. Okay, ich bedankte mich und wir erkundeten erstmal die Räumlichkeit des Kulturzentrums FABRIK.
Und da staunten wir nicht schlecht: das erste Kultur- und Kommunikationszentren in Deutschland, hier im Ortsteil Ottensen des Bezirks Altona, bereits 1971 in einer ehemaligen Maschinenfabrik eröffnet. Mit einer ganz besonderen Architektur: ein recht hoher Raum in der Art eines Kirchenschiffes mit einer Holzträgerkonstruktion und zwei umlaufenden Galerien. So konnte man z. B. der Band direkt von oben auf die Köpfe schauen. Heute, unbestuhlt, waren rund 800 Gäste gekommen. Die Halle war also nicht ganz ausverkauft. Aber das war gut so, wie sich später herausstellte, man stand nicht so beengt, konnte sich überall bewegen und später sogar hier und dort tanzen!
Es hätte mich ja gewundert, wenn ich hier in Hamburg nicht den einen oder anderen Country-Freund getroffen hätte. Der erste, der uns in die Arme lief, war Kollege Peter-Uwe Wien. Immerhin hatte er einen Fotopass und natürlich seine richtig große Kamera dabei. War, was ich sonst gar nicht an ihm kenne, ein wenig nervös. Es stellte sich heraus, dass er einige Freunde der Country Music zu sich nach Hause eingeladen hatte, die eigens zum Besuch dieses Auftritts von THE MAVERICKS gekommen waren. Später trafen wir dann weitere Freunde u. a. aus Berlin und dem Harz, die wir lange nicht gesehen hatten. Also, wir waren mal wieder ‚angekommen‘! Ein richtig gutes Gefühl.
Auf allen Etagen gab es kleine, zum Teil richtig schmucke Stände bzw. Verkaufstheken, wo es etwas zu Essen und zu Trinken gab. Weiter oben sogar richtig ausladende Bartresen mit aufmerksamer Bedienung. In einer großen Garderobe konnte man für 1 Euro seine Wintersachen abgeben und Toiletten gab es mit Zugang vom Hauptraum im Erdgeschoss aus. Überall hingen Plakate vergangener Konzerte bzw. solche, die bevorstehende Veranstaltungen ankündigten. Alles ein wenig urig, dabei überschaubar und anheimelnd. Am Ende des Erdgeschosses im Hintergrund als Abschluss dann eben die mit stahlblauem Licht ausgeleuchtete Bühne; die mir zunächst nicht gerade sehr groß erschien (zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass sie im Verlaufe des Konzerts bis zu neun engagierten, fantastischen Musikern durchaus genügend Platz für ihre Wahnsinns-Performance bieten würde)! Zu all dem gab es zunächst leise, später allmählich immer lauter werdende Musik, darunter meinte ich Patsy Cline und auch Melodien von Roy Orbison, Dean Martin und anderen vernommen zu haben. Wenige Minuten vor Konzertbeginn dann änderten sich Sound und Lautstärke noch einmal, fast hörte es sich schon wie Live Music an und dann folgte, sehr gekonnt, tatsächlich der erste Originalton der Band, während einer nach dem anderen von rechts oder von links oder hinten die Bühne betrat. Brausender Applaus, die aufgestaute Spannung der letzten Stunde hatte sich gelöst.

Vorne in der Mitte stand mit Gitarre Leadsänger RAUL FRANCISO MARTINEZ MALO Jr., dieser begnadete, äußerst sympathische kubanisch-amerikanische Sänger in schwarzem Cowboyoutfit, zu seiner Rechten am Keyboard der spielverrückte JERRY DALE Mc FADDEN (der zum Abschluss sogar, total ausgeflippt, kreuz und quer über die Bühne und um einen Eckpfeiler der Bühne herum sang und tanzte – grandios!), hinten am Schlagzeug absolut souverän der routinierte PAUL DEAKIN, kurzärmelig im schicken weißen Hemd elegant und exakt unermüdlich die Taktstöcke schwingend und trommelnd sowie der geniale EDDIE PEREZ an der Leadguitar. Sie alle spielten mit einer unvorstellbaren Präzision, nein, nicht nur Country, sondern sagen wir besser American Music, TEX MEX, POP, ROCK’N’ROLL, ROCKABILLY usw., auch tränenrührende Balladen und harten Rock oder Reggea-Rhythmen, auch kubanische Klänge‚ ‚Music for all Occasions‘ also, und alles tanzbar, ja, gerade zu mitreißend tanzbar. Und da machten auch die ‚kühlen‘ Norddeutschen - uns eingeschlossen - zunehmend mit, nachdem sie sich/wir uns die Hände fast wund geklatscht und bei Ansage eines jeden neuen Titels vor Begeisterung gepfiffen und gejohlt hatten; und da waren alle Altersgruppen dabei, von 25 bis 75!
Ach, ja, die oben namentlich genannten Musiker waren nicht alle, die mitmachten; zeitweilig standen bis zu neun Mann auf der Bühne, der eine spielte den Upright Bass, ein anderer Trompete, der nächste ein Rhythmusinstrument, ein weiterer mitreißend auf dem Akkordeon (das ja nach Meinung vieler drüben in den USA von den Deutschen dorthin gebracht worden sei).
Man kann mit Fug und Recht behaupten, THE MAVERICKS zogen hier und heute alle Register. Immerhin waren sie (damals im Grünspan) 1998 zuletzt in der Hansestadt.
Zu den Songs, die besonders ans Herz (oder auch in die Beine) gingen, zählten für mich ‚Here Comes The Rain‘ (Grammy 1996 für die ‚Best Country Performance‘), All You Ever Do Is Bring Me Down‘ und natürlich ‚Dance The Night Away‘, aber auch ‚Out The Door‘! Gundulas Favorit war ‚Pardon Me‘! Da schließ ich mich auch noch gerne an.
Rund zweieinhalb Stunden Live-Music der Spitzenklasse, also ganz im Sinne des Openers ‚All Night Long‘ ihres aktuellen Albums ‚MONO‘ und nur eine klitze-kleine Pause von noch nicht einmal fünf Minuten dazwischen: zum Schluss tobte der Saal, nein, das Publikum, nach einer ultimativen, sensationellen Schlussrunde. Beim Hinausgehen dann herrschte eine erstaunlich ruhige, gelassene, total entspannte, Stimmung, so, als ob jeder Einzelne das alles erst einmal verdauen müsste, sacken lassen müsste; vielleicht war man auch einfach nur ‚geschafft‘; auf jeden Fall super begeistert und total zufrieden.
Nun hatten also auch wir es geschafft, wenigstens ‚einmal im Leben‘, once in a lifetime, diese Band der Superlative hier in Deutschland live zu erleben, manch ein anderer hatte vielleicht ein Wiedersehen gefeiert nach eineinhalb Jahrzehnten Abstinenz. Jetzt sind sie wahrscheinlich auf dem Rückweg in ihre Heimat, wo sie schon in den nächsten Tagen weiter touren werden bis in den Sommer 2015 hinein.
Wir wünschen ihnen und dort überall, egal, ob in Dallas, Santa Fe, Chicago oder Houston, Toronto oder Vancouver weiterhin großen Erfolg.
Good luck to all of you, boys – it was really the best we have ever seen! Congratulation!

© Wolfgang J. S. Weiher for COUNTRY MAG