Hello, TRUCK STOP – Bye, bye, CISCO!

CCH Hamburg: 1500 begeisterte Fans beim Weihnachtskonzert

 

Der Boss feiert ‚40 Jahre TRUCK STOP‘ mit seiner Cowboy Band . . .

Rund 1500 Fans und Gäste hatten sich schließlich im riesigen Festsaal 2 in der 2. Etage mit mehreren Rängen des CONGRESS CENTRUM HAMBURG direkt am Dammtor-Bahnhof eingefunden. Schon seit Mittag andauernde Proteste und Tumulte rund um die Rote Flora bis ganz nah an die weihnachtlich geschmückte Promenade der Binnenalster gegenüber der Hamburger Innenstadt mit großem Polizeiaufgebot konnten den Beginn dieser Traditions-Veranstaltung nur kurzzeitig beinträchtigen. KNUT BEWERSDORFF war pünktlich um 20 Uhr auf die Bühne getreten und hatte um Verständnis für die Entscheidung geworben, den Beginn des diesjährigen Weihnachts- und Abschiedskonzerts für CISCO BERNDT um einige Minuten zu verschieben, um auch den aus o. g. Gründen nicht ganz pünktlich erschienenen Besuchern noch etwas Zeit einzuräumen. Die bereits Anwesenden akzeptierten das und zollten der Band TRUCK STOP und ihm für diese Geste der Höflichkeit spontan Beifall. Beim tatsächlichen Beginn kaum 20 Minuten danach dann waren fast alle 1500 Plätze besetzt!
Im Mittelpunkt des heutigen Abends stand natürlich der Mann, der 40 Jahre lang verantwortlich zeichnete für alles, was Truck Stop betraf. Und: er hatte sich besonders fein gemacht. Klasse sah er aus in seinem schwarz mit weißen Ornamenten bestickten Anzug, darunter weißes Hemd mit gefälliger Krawatte, dazu tiefrote Boots. Und auch: er war äußerst gut drauf – von der ersten bis zur letzten Minute, sprich also über volle vier Stunden dieses grandiosen Truck Stop Abschiedsabends. Kein Wunder, dass die Auswahl der Songs genau auf ihn zugeschnitten war. Songs aus einer Zeit von vor 10, 20, 30, ja und gar 40 Jahren – unglaublich, was da alles zu Gehör gebracht wurde. Und immer wieder wurde natürlich mitgesungen, manchmal einige wenige, mal auch der ganze Saal: Die TRUCK STOP FAMILIY war quasi ‚unter sich‘, konnte man meinen. Und wir, Gundula und ich, die wir die ‚Jungs‘ erst seit ca. 12 Jahren näher kennen, staunten nicht schlecht. Zwischendurch Zurufe wie ‚Cisco, danke, danke für alles, für viele, viele Jahre‘. Manchmal war nur er alleine zu sehen, das Licht auf die übrigen Mitstreiter abgedunkelt, nur in ganz schwaches Rot oder Orange getaucht. Und da war er ganz allein der ganz große Star. Er, der immer recht bescheiden ist, zugänglich, stets freundlich, vor allem gegenüber seinen treuen Fans.
Zwischendurch gab‘s dann auch schon mal kleine Aufmerksamkeiten, Geschenke; vorsichtig auf dem Bühnenrand abgelegt, eine bunte Weihnachtstüte hingestellt. Nach einem Set dann auch mal persönlich überreicht, erst eins, dann mehr, von langjährigen Fans, gestandenen Männern und auch von Ladies, ja, auch jungen Mädchen, Kindern, die von ihren Eltern mitgenommen worden waren zu diesem wirklich grandiosen Ereignis der Country Szene. Cisco, mit Gitarre und Tüten, Geschenken beladen (Foto), konnte sich nur ganz langsam zurückziehen; leise, fast ein wenig beschwichtigend in Richtung der 
Schenkenden sprechend: ‚ich komm‘ doch wieder!‘ Er meinte damit ’nachher‘
, später an diesem Abend, im nächsten Set. Rührend, solche Worte aus dem Mund dieses Mannes während seines immer wieder verzögerten ‚Rückzugs‘ Richtung Hinterbühne zu hören.
Zum Trost gab es ja dann noch zwei weitere Sets. Und da stand er natürlich wieder auf der Bühne – mit all seinen Mannen: hinter ihm (aus der Sicht der Zuschauer oben links): TEDDY IBING, der Mann aus Lüchow-Dannenberg, einer, der nicht nur die Drums beherrscht wie kein Zweiter, sondern der natürlich an einem Abend wie diesem auch (irgendwann im letzten Set) seine Slapsticks vorführen musste und natürlich auch singen konnte. Das klang dann ungefähr so: „(I Was Born Under a) Wand’rin’ Star“. Also so tief singend habe ich diesen Song in vielen Jahren noch nicht gehört. Überhaupt ein lebendiger, aufgeräumter Typ. Oben rechts, den Wortführer und Zeremonienmeister der Band: KNUT BEWERSDORFF an der Pedalsteel. Immer zu Späßen aufgelegt, mit heller, klarer Stimme, manchmal ein wenig ‚vorlaut‘, wenn es um die Ankündigung des nächsten Programmpunktes ging und Cisco ihn ‚zurückpfeifen‘ musste. Rechts vorne außen als Vertreter für Dirk Schlag (Knut: der hat jetzt auch öfter was anderes zu tun, mit anderen Projekten, Santiano und so) ein Klasse-Ersatz-Mann an der E-Gitarre, CHRIS KAUFMANN aus Bozen in Südtirol, Oberitalien! Aber auch andere werden namentlich erwähnt, die irgendwann einmal ‚ausgeholfen‘ hatten oder einfach dabei waren, wie z. B. einer, der heute vorne im Publikum sitzt (man kennt ihn u. a. von Silverwood), Nils Tuxen, diesen begnadeten Gitarristen. Links neben Cisco dann der nicht mehr ganz so neue, Cisi‘, äh, ANDREAS CISEK, an der Akustik-Gitarre und ‚am Gesang‘. Der Junge hat sich nach gut einem Jahr völlig integriert. Heute im knallroten Hemd, welches er über der Hose trägt. Ganz links außen (immer noch aus Publikumssicht), ein gestandener Mann wie seit Jahren schon, am Bass. Und als Teddy zum Schluss (siehe oben) mal sein Schlagzeug verlässt, dann sitzt genau dieser bereits dort oben und hält den Rhythmus – mit Bravour, UWE LOST, ansonsten eben an der Bassgitarre; mit perfektem Spiel; auch am Gesang und - komponieren kann er auch. Damit ist die Band in der aktuellen Besetzung mit den fantastischen Sechs komplett. Ich wüsste in ganz Deutschland keine bessere!
Natürlich spielten sie auch amerikanische Christmas Songs in liebevoll freier, deutscher Übersetzung, wie beim ‚Santa Claus‘, der durch den Kamin einfährt und dabei seinen Schlitten hoch oben auf dem Dach parkt, es war ja schließlich drei Tage vor Heiligabend. Sie überzeugen eben seit Jahren ihre Country Fans mit Titeln in ihrer und unserer Heimatsprache, deutsch nämlich. Nur einmal im Laufe des Abends macht Cisco davon eine Ausnahme, als er in einem Medley Lieder von seinem großen Vorbild Johnny Cash singt: die bringt er in einem wunderbar akzentfreien original-amerikanisch zu Gehör!
Ansonsten ist es eine Zeitreise durch vier Jahrzehnte Truck Stop. Begleitet nun schon zum x-ten Mal von vielen Mitgliedern des Fanclubs, die eine Polonäse nach der anderen hin und zurück durch den vollbesetzten Saal marschieren, Transparente schwingend, jubelnd animierend! Irgendwann zwischendurch werden dann auch noch jede Menge Packungen, große und kleine, Mon Chéri vor Cisco abgeladen, seine Lieblingspralinen (und da es diese immer nur zu dieser Jahreszeit gibt, liebt er, wie er erklärt, ja auch den Winter besonders)!
Ach, ja, da ist dann auch noch eine HSV Ikone, der Stadionsprecher, Lotto King Karl, der ein/zwei Titel zusammen mit Truck Stop bringt und natürlich den Song, bei dem spontan viele im Saal sofort mit einstimmen, ‚Hamburg, meine Perle‘, eine Hommage an den HSV und die Heimatstadt von Truck Stop. Ansonsten geht es musikalisch quer durch den Wilden Westen, wo wir wilde Pferde sehen und erleben, wie der Orange Blossom Special durch den Saal rauscht; in heimatlichen Gefilden hingegen fahren wir mit der Band über die Autobahn und erleben den A 7 Blues mit Staus im Elbtunnel ohne Ende, lassen uns ein weiteres Mal von Cash Songs wie ‚Jackson‘ faszinieren und lauschen Cisis wunderbarem Song ‚Söhnchen‘- zum Heulen schön und erinnern uns auf einem Abstecher ‚Von Arizona bis nach Texas Town‘ dabei auch an den viel zu früh verstorbenen LUCIUS B. Reichling!
Den Schlusspunkt bildet dann nach knapp vier Stunden im CCH natürlich Cisco mit seinem absoluten Lieblingssong ‚RING OF FIRE‘!
Danach eine kurze Ansprache von Teddy an Cisco vorne am Bühnenrand mit allen Protagonisten - im Halb-Dunkel, gewollt so inszeniert? Ein rührendes Dankeschön mit ein paar Tränen in den Augen von Cisco dafür und an die eineinhalbtausend Fans im Saal, die sich nun (wie schon wiederholt an diesem Abend) alle von ihren Plätzen erhoben haben.
Cisocs Lebenstraum ist in diesen 40 Jahren Country Live Music mit seiner Cowboyband, wie er sie nennt, in Erfüllung gegangen.
Wir wünschen ihm so viel Glück auch für die weitere Lebenszeit. Millionen Menschen und auch uns hat er während seiner musikalischen Laufbahn einfach nur glücklich gemacht! Wie hatte doch Teddy sich ein wenig tröstend ausgedrückt: er hat doch nur vom Galopp ein wenig zurückgeschaltet in eine langsamere Gangart, als Elder Statesman sozusagen...
Mit Truck Stop soll es nach dem Willen aller Beteiligten weitergehen. Schon in wenigen Wochen, am 19. Januar 2014 dann, beim traditionellen Sonntags-Frühschoppen in Drochtersen an der Elbe, und auch das Datum für das nächste Weihnachtskonzert steht schon, es ist der 20. Dezember 2014!
In diesem Sinne dann also noch einmal:
HELLO, TRUCK STOP – BYE, BYE, CISCO!
     Bericht & Fotos: Wolfgang J. S. Weiher