Zu schade zum Spielen

Man dachte ja eine Zeitlang tatsächlich, die Sammler von Modellautos werden weniger. Aber offensichtlich kann dies nicht der Fall sein, jedenfalls, wenn man das wachsende Angebot neuer Modelle betrachtet. US-Firmen wie MacFarlane, Jada, Ertl, oder besonders GreenLight aus Indianapolis, bedienen mit ihren stetig wachsenden Kollektionen an Druckguss- und Plastikmodellen einen anscheinend riesigen Markt. Wichtigstes Qualitätsmerkmal bildet bei allen Modellen natürlich die präzise Nachbildung des jeweiligen Originals, möglichst bei jedem Detail, also Sitze, Motorblock, bewegliche Türen und Klappen, etc. Es gibt dabei Oldtimer und aktuelle Fahrzeugmodelle, es gibt neutrale Ausgaben, und es gibt Fahrzeuge, die als Merchandising-Produkte zu Filmen und Fernsehserien auf den Markt kommen. So ganz neu ist die letztere Variante nicht. Schon in den fünfziger und besonders in den sechziger Jahren gab es Modellautos in unterschiedlichen Maßstäben, die sich an bestimmten Motiven aus Kinofilmen oder TV-Serien orientierten. Stark gefragt waren damals beispielsweise die Modellversionen der Aston Martins aus den James Bond-Streifen, oder das damalige Batmobil aus der TV-Serie „Batman“. Im Idealfall verfügten diese als Spielzeuge vermarkteten Modelle sogar über Zusatzeinrichtungen wie Schleudersitz, Flammenwerfer oder Kettenschneider.
Auch die aktuell angebotenen Produkte können sich sehen lassen. Wer beispielsweise jeweils rund 30 cm lange Ausgaben des schwarzen 1955er Cadillac Fleetwood oder des 1941er Packard Super Eight aus den Verfilmungen von „Der Pate“ im Maßstab 1:18 im Wohnzimmerschrank stehen hat, wird mit Sicherheit sofort darauf angesprochen werden. Ähnliche Reaktionen dürften auch der 1968er Ford Mustang und der 1970er Porsche 917K hervorrufen, die aus Steve McQueens Kinostreifen „Bullitt“ und „Le Mans“ immer noch vertraut sind. Und das gilt zweifellos auch für den roten 1970er Dodge Challenger aus der aktuellen TV-Serie „Hawaii Five 0“, und den schwarzen 1978er Chevrolet Camaro der „Beverly Hills Cops“. Und so geht es weiter, denn bei zahlreichen Kinoerfolgen und TV-Serienhits spielten und spielen Autos eine große Rolle, wie bei den „Blues Brothers“, „Walking Dead“, „Nur noch 60 Sekunden“, „Zurück in die Zukunft“, etc. Daneben gibt es beispielsweise bei GreenLight ganze Serien zu bestimmten Themen, wie eine riesige Auswahl an US-Polizeifahrzeugen, darunter eben unterschiedliche Fahrzeugmodelle mit den jeweiligen Schriftzügen, so das Dienstfahrzeug des Sheriffs vom Miami-Dade County, der Arkansas State Police, des NYPD, der California Highway Patrol, der Honolulu Police, usw. Auch die mit Werbeemblemen bestimmter Firmen beklebten Modellfahrzeuge wie dem US Postal Service oder von Shell Oil stellen demnach ein gefragtes Sammelgebiet dar.
Und damit wären wir bei der für Country-Fans interessanten Ecke. Auch hier gibt es natürlich diverse Filme und TV-Serien, die inzwischen mitsamt den darin genutzten Fahrzeugen Kultstatus genießen. Drei Streifen mit den „Ausgekochten Schlitzohren“ („Smokey and the Bandit“) Burt Reynolds und Jerry Reed gab es, und ebenso viele unterschiedliche Versionen des schwarzen Pontiac Trans Am kamen zum Einsatz. Die 1977er Baureihe fand im ersten Streifen Verwendung, danach gab es die 1980er Version, und im dritten Teil griff man auf die 1983er Ausgabe zurück. Die Modelle sind daher ebenfalls unterschiedlich, wobei üblicherweise lediglich die ersten beiden Ausgaben erhältlich sind. Einen gleichfalls riesigen Bekanntheitsgrad genießt auch der orangefarbene 1969er Dodge Charger aus der Fernsehserie „Ein Duke kommt selten allein“, nur echt mit der Nummer „01“ auf den beiden Seitentüren, und der aufs Dach gemalten konföderierten Fahne.
Und ohne Zweifel weisen dann natürlich die Fahrzeuge von Elvis Presley Kultstatus aus. Da gibt es natürlich reichliche Auswahl, es beginnt mit dem in pink und in blau erhältlichen 1955er Cadillac Fleetwood, wechselt dann zu Willy’s Army Jeep aus dem Film „Café Europa“ („G. I. Blues“), und endet mit dem schwarzen 1971er Stutz Blackhawk und dem knallgelben De Tomaso Pantera, ebenfalls von 1971.
Wer im inzwischen riesigen Angebot stöbern möchte, dem sei die Website www.thediecastpub.com empfohlen: Wie der Name bereits einschränkend vorgibt, liegt hier der Schwerpunkt auf „die cast“, also Druckgusserzeugnisse. In Deutschland lassen sich solche Artikel bei www.modelcar-foerster.com anfragen. Falls der Aufbau einer eigenen Kollektion angestrebt wird, dann bitte auf die üblichen vier Maßstäbe achten, um nicht völlig unterschiedlich große Modelle im Regal auszustellen, also 1:18, 1:24, 1:43 und 1:64. Die Preise korrespondieren mit den Größen. Wer noch etwas in dieser Art für den Gabentisch unter dem Weihnachtsbaum benötigt, dürfte bei dieser gigantischen Auswahl sicherlich fündig werden.

Ulrich K. Baues