Karl-May-Filmfotoromane – aus „Micky Maus“ und „Mickyvision“

Mitte der sechziger Jahre stand die Karl-May-Welle auf ihrem absoluten Höhepunkt. Die Erfolge der auch heutzutage noch gerngesehenen Kinostreifen schrieben nicht nur in Deutschland Filmgeschichte. Parallel dazu versuchte man natürlich, diese Popularität auch anderweitig zu nutzen. Geschickt bündelte man die erfolgreichen Spielfilme mit der gleichfalls erfolgreichen, wöchentlich erscheinenden Jugendzeitschrift „Micky Maus“. Walt Disney’s deutscher Printableger war damals der Favorit der Jugendlichen, und bot natürlich überwiegend Comics. Und genau hier plazierte man die inzwischen schon legendären Filmromane, anfangs in „Micky Maus“, später in „Mickyvision“. Dies geschah ja bekanntlich auch in anderen Zeitschriften, wie „Bild und Funk“, doch genau hier wurde gezielt das jugendliche Lesepublikum angesprochen. Comic und Karl May – ganz offensichtlich eine gelungene Kombination. In diesem Band stellt der Herausgeber alle fünf Bildserien vor, wie sie dort in den Jahren 1964-1967 erschienen sind. Die Titelseiten der jeweiligen Hefte wiesen werbewirksam auf diese Inhalte hin, wie den Abbildungen zu entnehmen ist.  Man startete in Heft 42/1964 mit „Der Schut“, und diese Serie endete in Heft 12/1965. Dann folgten „Winnetou III“, „Old Surehand“, „Winnetou und das Halbblut Apanatschi“ und schließlich schloss diese Reihe mit dem letzten Kapitel von „Winnetou und sein Freund Old Firehand“ in der „Mickyvision“ Nr. 20/1967 ab. In jedem Heft fand der Leser über mehrere Seiten hinweg ein Abenteuer aus dem betreffenden Kinofilm vor, d. h. farbige Szenenfotos mit den entsprechenden Texten unterlegt. Der Reiz lag in der ständigen Verfügbarkeit der Motive (Videokassetten oder gar DVDs gab es ja noch nicht), und auch in den Fotos selbst, die ja immer eine leicht abgewandelte Perspektive boten, als dieselben Szenen im Film. Zusätzlich – wie der Herausgeber ausdrücklich vermerkt -  finden sich zu den zeitgleich in „Bild und Funk“ veröffentlichten Bildern keinerlei Überschneidungen. Das großformatige Buch erlaubt einen nostalgischen Rückblick auf eine damals erfolgreiche, doch inzwischen längst überholte Art und Weise, jugendliche Leser an sich zu fesseln.

Ulrich K. Baues