DVD: Das Geheimnis der drei Dschunken

Als nach dem erfolgreichen Western „Land der 1000 Abenteuer“ (1960) für Stewart Granger die lukrativen Angebote aus Hollywood seltener eintrudelten, orientierte sich der weltbekannte Star nach Europa. Mit Beginn der sechziger Jahre gab es für ihn ein paar Rollen in britischen Filmen, doch dann wandte sich Granger nach Italien, wo er im Monumentalfilm „Sodom & Gomorrha“ die Hauptrolle des Lot übernahm. Es kam dann, wie es wohl kommen musste – die Karl-May-Welle erfasste auch Granger, der ab August 1964 nach Erledigung von „Geheimauftrag Dubrovnik“ für den Western „Unter Geiern“ erstmalig als Old Surehand vor der Kamera stand. Der große Erfolg des Films wirkte sich nachhaltig aus, denn auch der Nachfolger „Ölprinz“ sorgte für ausverkaufte Lichtspielhäuser. Daher erhielt Grangers dritter Karl-May-Streifen sogar seine Figur „Old Surehand“ als Kinotitel, mit der vielversprechenden Ergänzung „1. Teil“; der geplante zweite Teil fiel allerdings dem dann dramatisch abebbenden Interesse an Verfilmungen von Karl-May-Romanen zum Opfer. In der Zwischenzeit nahm der Star noch weitere Rollen in Europa an. Zwar enthüllte er „Das Geheimnis der drei Dschunken“, jedoch ließ dessen Erfolg an den Kinokassen zu wünschen übrig. Granger spielt hier den FBI-Agenten Scott, der in Begleitung von Kollegin Eden (Schiaffino) den Mord an zwei Hongkonger Kollegen aufklären soll. Zu jener Zeit befand sich die Hafenstadt noch in britischer Hand. In Hongkong erhalten sie Unterstützung von Norman (Klinger) und Smoky (Juhnke). Der Hintergrund für den Mord an den beiden FBI-Agenten liegt in Schmuggelaktivitäten elektronischer Bauteile nach Rot-China. Und auch Scott und Smoky werden beinahe Opfer eines Mordanschlags, können sich jedoch im letzten Moment retten. Zuvor besuchten sie die Firma von Milot (Rupp), der durch ein Telefonat mit seinem Boss vor den beiden FBI-Agenten gewarnt wurde. Perreira (Frank) lässt Scott dann gefangen nehmen, der jedoch aus einem fahrenden Auto hechten kann. Eden wird beim versuchten Entwenden eines Codebuchs ebenfalls erwischt, und von Perreira und Blanche (Saad) zum Hafen gefahren. Scott informiert Norman über die Zusammenhänge, worauf dieser eine Pistole zückt. Damit steht Norman als Boss der Bande fest. Der Showdown findet auf einer der drei Dschunken statt, wobei Perreira über Bord geht, Norman von einem Mast erschlagen wird, und Scott im letzten Moment vor der Explosion einer durch Norman gezündeten Zeitbombe ins Wasser springt. Eden nimmt ihn ins Beiboot auf.
Unter den weiteren Darstellern gab es mehrere mit ausgiebiger Western-Erfahrung. Horst Frank war u. a. einer der „Flusspiraten vom Mississippi“, gehörte zu den „Letzten Zwei vom Rio Bravo“, und wirkte später in mehreren Django-Filmen mit. Sieghardt Rupp befand sich zuvor schon auf dem „Letzten Ritt nach Santa Cruz“, war an einer „Handvoll Dollars“ beteiligt, und stand zusammen mit Granger bei „Unter Geiern“ vor der Kamera. Paul Klinger dagegen besetzte zwar keine Rollen in Western, doch er trat immerhin in allen drei 50er-Jahre-Verfilmungen von „Immenhof“ als Reitlehrer auf, also in jenen berühmten Kinostreifen mit den vielen Ponys und Scharen von als Cowboys und Indianer verkleideten Kindern.
Als Extra enthält die DVD einen verkleinerten Nachdruck der zugehörigen Ausgabe des „Illustrierten Film-Kuriers“. Des Weiteren besteht das Bonusmaterial aus dem letzten Interview mit Horst Frank, einer s/w-Version des Original-Kinotrailers, und einer Bildergalerie.
Ulrich K. Baues