CD: Various Artists – The Hits of the Year 1960

Kaum noch vorstellbar sind die politischen und sportlichen Gegebenheiten des Jahres 1960. Damals entließen die Kolonialmächte Frankreich und Großbritannien die Hälfte der afrikanischen Staaten in ihre Unabhängigkeit, erfolgten seitens der Sowjetzone (also der „DDR“) weitere einseitige Beschränkungen der Reisefreiheit, trat trotzdem bei den Olympischen Spielen in Rom eine gesamtdeutsche Mannschaft an, gewann John F. Kennedy den Wahlkampf um die US-Präsidentschaft gegen Richard Nixon, errang der Hamburger SV die Deutsche Fußballmeisterschaft und holte Borussia Mönchengladbach den DFB-Pokal. Und auch der musikalische Blick um sechzig Jahre zurück fördert teils längst vergessene Künstler zutage. Wer kennt noch den Engländer Ron Goodwin mit seinem „Venus Waltz“? Oder den Trompeter Eddie Calvert mit seiner wenig erfolgreichen Fassung von „Morgen“? Unter den heute noch bekannten Interpreten finden sich dagegen manche Country Music Stars. Marty Robbins beispielsweise stellte sein „El Paso“ vor, Brenda Lee versicherte u. a. „I’m Sorry“, Wanda Jackson forderte zu „Let’s Have a Party“ auf, Eddie Cochran schritt „Three Steps to Heaven“, Johnny Tillotson schwärmte über „Poetry in Motion“, und Roy Orbison kannte „Only the Lonely“. Weitere Beiträge stammen hier von Elvis Presley, der hier gleich vier Songs ins Rennen schickt, darunter mit „It’s Now or Never“ seinen größten Hit überhaupt; der „King“ stand 1960 nach seiner Rückkehr vom Militärdienst auf der Höhe seines Erfolges. Auch Connie Francis steuert hier  vier ihrer Songs bei, mit „Everybody’s Somebody’s Fool“ übrigens das Original zu ihrem deutschen Erfolgstitel „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“. Mit Cliff Richard, Billy Vaughn, Paul Anka und Bryan Hyland finden sich weitere Interpreten, die mit ihren Aufnahmen auch hierzulande Treffer landeten. Insgesamt fünfzig Songs packte man auf diese beiden CDs, womit Nostalgie pur geliefert wird. Im schmalen Booklet gibt es diskografische Angaben zu allen hier vorgestellten Titeln.
Ulrich K. Baues