CD: Tim McGraw – Here on Earth

Die vergangenen vier Jahre ließen den Fans von Tim McGraw keine andere Wahl, als viel Geduld aufzubringen. Nach dem erfolgreichen 2015er Album „Damn Country Music“ wechselte der Superstar aus Louisiana nämlich seinen Brötchengeber. Zuerst gesellte er sich mit Gattin Faith Hill zu Arista Nashville (Sony). Dort veröffentlichten die beiden 2017 mit „The Rest of Our Life“ ein mäßig erfolgreiches Duettalbum, und daraus zwei halbwegs gelungene Singles. Ohne Gattin wanderte Tim danach weiter zur gleichfalls unter dem Dach von Sony angesiedelten Columbia Nashville, und sowohl 2018 als auch 2019 versuchte er dort mit je einer Single an alte Erfolge anzuknüpfen. Die Resultate enttäuschten Tim, seine Fans und auch die Plattenfirma offensichtlich gleichermaßen, worauf die Geschäftsbeziehung zu Jahresbeginn endete. Big Machine nahm den früheren Geldbringer natürlich mit offenen Armen wieder auf – eine erstklassige Entscheidung, wie sich derzeit herausstellt. Seit im Mai dieses Jahres der direkte Einstieg seiner neuen Single „I Called Mama“ in die Top Twenty der Airplay-Charts der Country Music gelang, harrten sowohl Fans als auch Kritiker mit Spannung auf Tims lang ersehntes fünfzehntes Studioalbum als Solokünstler. Dieses lässt sich seit einigen Tagen erwerben, und startete gleich verheißungsvoll. Direkt in der Erscheinungswoche besetzte Tim damit wie in alten Zeiten und ohne Wenn und Aber den Spitzenplatz unter den meistverkauften Alben der Country Music. Tims Blick auf dem CD-Cover geht zwar in Richtung Sternenhimmel, doch der Albumtitel verweist demgegenüber auf „Here on Earth“. Und da steht auch Tim, auf dem Boden der Country Music. Mit einer nur verhaltenen Sympathieerklärung ans kalifornische „L. A.“ eröffnet er den Reigen von insgesamt sechzehn Titeln. Die markante, jedoch nie aufdringliche Stimmlage des Interpreten passt hervorragend zu den Songs im mittleren Tempo, die dieses Album dominieren. Neben der bereits genannten Single „I Called Mama“ wäre zumindest noch „If I Was a Cowboy“ als erster Anspieltipp zu empfehlen. Im Titelsong, also „Here on Earth“, offenbart Tim seine Erkenntnis, warum er überhaupt auf der Erde ist. Sehr sympathisch kommt dazu auch seine Aussage rüber, er stamme „Not from California“, eine Absage an Hollywood, und in dieselbe Kerbe haut er auch mit seiner Hymne auf sein „Hallelujahville“. Etwas mehr Tempo bietet Tim bei seiner eigenen Einschätzung über seinen „Good Taste in Women“ an, womit ebenfalls ein Anwärter auf reichlich Airplay antritt. In den USA kommen auch die Vinyl-Sammler nicht zu kurz, denn dieses Album wird dort mit gleicher Lauflänge auch als Doppel-LP angepriesen. Davon gibt es einmal standardmäßig die Version in schwarz (Big Machine 8439-3005364), und – falls man einen satten Aufpreis zu zahlen bereit ist – es wird auch eine limitierte Variante mit je einer purpur- und orangefarbenen Scheibe (Big Machine 8439-3005570) gehandelt. Wer ohnehin Kontakte in die USA pflegt, kann bei der dortigen Supermarktkette Target sogar noch eine „Exklusive“-Ausgabe der CD mit zwei weiteren Titeln erwerben (Big Machine 8439-3005569). Das Booklet lässt sich auseinanderfalten, womit man das Coverbild als 35x35 cm großes Poster erhält, und auf der Rückseitige die Studioangaben zu allen Songs findet.
Ulrich K. Baues