CD: Taylor Swift – Folklore

Vom Zeitpunkt her zwar völlig überraschend, doch von einem kurzen aber heftigen Werbefeldzug begleitet, plazierte Taylor Swift ihr achtes Studioalbum „Folklore“ jetzt erfolgreich auf dem umkämpften Musikmarkt der USA, sowie rund um den Globus. Bei der CD-Ausgabe ging Taylor mit acht verschiedenen s/w-Covern ins Rennen. Jede Version davon beschrieb sie separat mit einem quasi-poetischen Textschnipsel aus dem aktuellen Songangebot, wie „Stolen Lullabies“ oder „Running Like Water“, oder mit der konspirativen Aufforderung zu einem „Clandestine Meeting“, oder zum Besuch von „Betty’s Garden“, und jede enthält mit „The Lakes“ denselben Bonus Track. Sieben der acht Varianten verpasste man das „Limited“-Zeichen, und sie galten schon kurz vor Veröffentlichung als ausverkauft. Lediglich die „In the Trees“ betitelte Version kann weiterhin erworben werden, und ist auch hier in Europa erhältlich. Die US-Supermarktkette Target packte noch eine zusätzliche „Exclusive“-Ausgabe mit etwas Booklet-Beiwerk obenauf. Hier liest man zwar als Versionsname die verlockende Anmache „Meet Me Behind the Mall“, hört jedoch musikalisch keinerlei Unterschied zum Rest. Diese Target-Ausgabe trägt ebenfalls den „Limited“-Hinweis, ist derzeit aber noch in den Läden zu finden. Und Ende November geht es weiter – das Ganze wird deutlich übertroffen, wenn dann alle besagten acht Covermotive als Doppel-LPs in farbigem Vinyl unter die zahlungswillige Anhängerschaft gebracht werden. Schenkt man den gängigen Websites Vertrauen, sind bereits jetzt schon alle Exemplare aufgrund von Vorbestellungen vergriffen. Für die ganz harten Taylor-Fans brechen also weitere teure Wochen an, denn wer als Sammler stets alle Tonträgerversionen sein Eigen nennen will, muss schnell reagieren und mehrere hundert Dollar hinblättern. Einige zusätzliche flankierende Aktionen, wie kurzzeitige Angebote spezieller Vinyl- und CD-Singles auf Taylor Swifts Website, oder die massenhafte Abgabe von Alben mit Autogramm der Künstlerin, taten bereits ein Übriges: alle siebzehn CD-Titel plazierten sich in derselben Woche in den „Hot 100“ von Billboard, wobei die Single „Cardigan“ direkt auf dem ersten Platz einstieg. Das „Folklore“-Album selbst erklomm bei den „Billboard 200“ natürlich ebenfalls auf Anhieb die Spitzenposition.
Allerdings, um die Country Charts zogen sowohl das Album als auch die Einzeltitel einen großen Bogen. Lediglich die später nachgeschobene Single „Betty“ vermochte sich in den Playlists der entsprechenden Radiostationen festzusetzen, und taucht deshalb jetzt in den Country Charts auf. Besagte „Betty“ hebt sich im Sound allerdings nur wenig aus der Masse der anderen Titel heraus. Kein Wunder, denn Taylor Swift steht bei sämtlichen siebzehn Titeln auch noch als Co-Autorin genannt. Der erstrebten Gewinnmaximierung wird hierdurch sicherlich genüge getan, aber beim Gesamtwerk bleibt zweifellos die künstlerische Bandbreite auf der Strecke. Einzelne Songs bieten gleichwohl teils gute textliche Passagen, wie „Cardigan“ oder „Epiphany“. Einige wenige ragen auch instrumental ein bisschen positiv, sprich abwechslungsreich, hervor. Als Beispiel sei die Zusammenarbeit mit der Folk-Band Bon Iver in „Exile“ genannt, wo deren Leadsänger Justin Vernon den Gesangspart einleitet, und dann Taylor im weiteren Verlauf unterstützt. Aber auch wenn man im Vergleich zum Vorgängeralbum „Lover“ insgesamt eine Abkehr vom allzu kommerziellen Sound festzustellen meint, bleibt nach dem Anhören die Gewissheit, dass keine „Folklore“, sondern ein lupenreines Pop-Album im CD-Player liegt. Das in s/w illustrierte Booklet listet nach einem mit „Prologue“ überschriebenen Vorwort von Taylor Swift sämtliche Songtexte und Aufnahmedaten auf.
Ulrich K. Baues