CD: James Brothers – Cowboy Billy

Dem Vernehmen nach hoffte man mit der Gründung dieses Duos eine lukrative deutsch(sprachig)e Antwort auf den Erfolg der amerikanischen Everly Brothers zu finden. Bei den James Brothers handelte es sich jedoch nicht um Brüder, sondern um die hierzulande populären Gesangstars Peter Kraus und Jörg Maria Berg. Mehr als ein Dutzend Singles veröffentlichten die beiden während ihrer gemeinsamen Zeit von 1958-1962, dazu noch ein paar der damals beliebten EPs, i. e. Extended Plays, also Singles mit vier oder gar mehr Aufnahmen. Sieben ihrer Singles landeten tatsächlich in der deutschen Hitparade, teils sogar unter den ersten Zehn. Auf Langspielplatten des Duos wartete man damals jedoch vergeblich, und erst 1981 brachte Bear Family unter der Überschrift „Wenn“ eine LP mit 16 ihrer Aufnahmen heraus (BFX 15066). Auf CDs von Peter Kraus gab es dann in den neunziger Jahren erstmals digital bearbeitete Songs der beiden. Auf der jetzt vorliegenden CD gibt es exakt 26 Titel, womit hier sämtliche Singles sowohl mit Vorder- als auch Rückseite zu finden sind. Nur die letzte unter dem Namen James Brothers erschienene Scheibe fehlt, aber bei dieser stellte sich eine in Peter Kraus und Sängerin Gina Dobra geänderte Besetzung vor, wenn auch erfolglos; Jörg Maria Berg war da schon ausgestiegen. Wie hier zu hören, boten die James Brothers u. a. mit „Wenn“ (Original „When“, Kalin Twins) oder „Die jungen Jahre“ (Original „Endless Sleep“, Jody Reynolds) deutsche Versionen bekannter US-Titel, fuhren aber auch mit heimischen Produktionen wie „Cowboy Billy“ große Erfolge ein. Aus heutiger Sicht dürfte der instrumentale Sound und der Gesangsstil – vor allem bei den vermeintlichen Western-Titeln – geradezu kurios klingen. Der damalige Erfolg bestätigte aber den guten Riecher der Produzenten, die ganz offensichtlich den Geschmack des Publikums trafen. Das dünne Booklet nennt die diskografischen Angaben zu den vorgestellten Titeln, gibt eine kurze Karrierebeschreibung, und zeigt ein Farbfoto der James Brothers von ihrer 1959er EP.

Ulrich K. Baues