CD: George Strait - Cold Beer Conversation

Ich kann mich noch gut erinnern. Anfang der 80er Jahre war ich in Kalifornien unterwegs. Das Autoradio natürlich immer auf einen Country Sender eingestellt. Und plötzlich ertönte eine junge, neue, unverbrauchte Stimme aus dem Lautsprecher und sang von einem Jachthafen namens Marina Del Rey und von Amarillo am Morgen. Was für schöne Lieder, was für eine Stimme! Die Platte musste ich haben. Leider bemühten sich die damaligen Radiomoderatoren nicht, mir den Namen dieses Sängers zu nennen. Dann hatte doch einer Mitleid mit mir und offenbarte, wer da so gut sang. Der nächste Tower Recordshop war meiner und ich hatte die erste Langspielplatte von George Strait in den Händen. Seitdem ist viel Wasser den Cumberland River herunter geflossen. Die Welt ist vernetzt und digitalisiert. Und auch die Country Music hat sich verändert. Nur einige wenige Sänger sind ihrer Linie treu geblieben und haben sich nicht dem Zeitgeist angepasst. Auch George Strait gehört zu ihnen, und das mit riesigen Erfolgen. Immer traditionell mit Steel und Fiddle. Bei seiner neuen CD-Veröffentlichung "Cold Beer Conversation" ist es nicht anders. Oder doch? Sie ist schon irgendwie anders als seine früheren CDs. Steel und Fiddle sind immer noch vorhanden. Nur die Arrangements haben sich mehr dem heutigen Massengeschmack angepasst. Mit wenigen Ausnahmen. "It Takes All Kinds" ist eine dieser Ausnahmen. Ein Western Swing in bester Bob Wills Tradition und somit mein Favorit auf dieser CD. Das musikalische Empfinden ist ja bei jedem Hörer anders. Es hat wohl etwas mit Lebensalter und Lebenserfahrung zu tun. Und somit kann und wird diese CD-Besprechung nicht objektiv sein. Die jüngere Generation wird sicher "It Was Love" bevorzugen. Ein recht rockiges, poppiges Stück gleich am Anfang der CD zu hören. Abgelöst vom Titelsong "Cold Beer Conversation", das sehr schön ruhig daherkommt. "Let it Go" ist wieder im modernen Sound, aber trotzdem mit in der Country Music alt eingesessenen Instrumenten versehen, wie Dobro und Steel Guitar. Bei nahezu allen Stücken sind die traditionellen Instrumente der Country Music zum Einsatz gekommen. So ganz will George Strait seine musikalischen Wurzeln nicht verleugnen. Hat er doch in den Musikclubs in  Texas mit seiner Ace In The Hole Band angefangen, bevor er zum Country Music Superstar aufstieg. "Going Going Gone" beinhaltet rockige Gitarren in bester Hank jr. Manier. So wechseln sich rockige Stücke mit ruhigen Songs ab. "Something Going Down" ist wieder einer dieser eher ruhigen Songs. Eine akustische Gitarre ist dominant. "Take Me To Texas“, zeitgemäß arrangiert, ist ebenfalls den leisen Tönen zuzurechnen. Bei "Stop And Drink" kommt ein Akkordeon zum Tragen. Aber auch die Steel fehlt hier nicht. Heftig wird es bei Lied Nummer 10 auf der CD: "Rock Paper Scissors". Der Dampfhammer schlechthin. Bei Nummer 11 geht es wieder gemäßigter zu. "Wish You Well" mit einer sehr schönen Steel Guitar ist Labsal für die Gehörgänge. Ruhig endet die CD mit "Even When I Can´t Feel It". Die Texte sind im  Booklet abgedruckt und somit beim Anhören schön mitzulesen. Die Songs handeln von den Höhen und Tiefen des Lebens, von Liebe und Leid. Mit 13 Titeln bestückt bekommt man viel Musik für sein Geld. George Straits Gesang ist über jeden Zweifel erhaben. Soll man sich diese CD zulegen? Ich würde sagen: Wer George Strait Fan ist, sowieso. Wer einmal einen etwas anderen George Strait hören möchte, auch. Wer modernen Country-Sound mag, kann hier ohne Bedenken zugreifen. Wer eher die ruhigen Stücke mag, auch. Also, die CD hat für jeden Geschmack etwas parat, ist abwechslungsreich und dynamisch produziert. Langeweile kommt beim Hören nicht auf. Und vielleicht erweckt George Strait Interesse bei der jungen Generation von Country Music Fans für die alten Traditionen der schönsten Musik der Welt. Zu wünschen wäre es.

Jürgen Jakszentis