CD: Clay Walker - Texas to Tennessee

Clay Walkers Aufstieg und seine musikalisch bislang erfolgreichste Phase spielten sich bereits während der neunziger Jahre ab. Auch sein bislang letzter Top Ten-Erfolg "She Won't Be Lonely Long" liegt inzwischen bereits ein Dutzend Jahre zurück. Das vor zwei Jahren einzig als Download angebotene Album „Long Live the Cowboy“ fand sogar bei den Fans kaum noch Anklang. Obendrein hielt das vergangene Vierteljahrhundert hinsichtlich Privatleben gleichfalls einige Höhen und Tiefen für Clay bereit. Erste Ehe, zwei Töchter, Scheidung, zweite Ehe, fünf weitere Kinder – von Ruhe kann man dabei nur träumen. Hinzu gesellte sich schon 1996 die schlimme Diagnose auf Multiple Sklerose. Aber als waschechter Texaner gibt Clay Walker nicht auf, und bleibt natürlich am Ball. Seine gesundheitlichen Probleme beherrscht er, indem die Karriere ab und zu zurückstehen muss, und musikalisch findet man ihn wieder am Puls des Geschehens. Noch im Vorjahr gab er allen durch die Pandemie vom Kneipenleben Ausgeschlossenen eine Stimme: mit seiner Single „Need a Bar Sometimes“ brachte er quasi deren Herzenswunsch zum Ausdruck. Dieser Stoßseufzer steckt auch auf dem soeben erschienenen Album „Texas to Tennessee“. Mit nur zehn neuen Titeln wirkt es etwas knappgehalten, und die halbe Stunde des erstmaligen Reinhörens vergeht auch wie im Flug. Nimmt man sich die einzelnen Aufnahmen intensiver vor, spürt man das Engagement Clays förmlich heraus. Kein Wunder, an sämtlichen Songs arbeitete er als Songschreiber mit. Clay präsentiert ihn hier auch weiterhin: den Stil der Country Music aus den neunziger Jahren, textlich fein abgewogen, musikalisch griffig und gefällig verpackt. Im melodischen „Cowboy Loves a Woman“ steckt dabei jede Menge Potential fürs Radio, ebenso im Titelsong „Texas to Tennessee“. Als überzeugender Anspieltipp dürfte der Schlusstitel „One More“ dienen, der durchaus die Chance verdient, als nächste Single vermarktet zu werden. Dies trifft ebenso auch für Clays Kompliment „You Look Good“ zu. Im DigiSleeve steckt neben der CD auch ein längliches, gefaltetes Beiblatt mit allen Songtexten und einigen farbigen Fotos des Künstlers. Entgegen dem allgemeinen Trend hin zu Vinyl-LPs gibt es von diesem Album außer der CD sowie der Möglichkeit des Herunterladens derzeit keine weiteren Ausgaben.

Ulrich K. Baues