CD: Bobby Vee – The Drugstore’s Rockin‘ – Suzie Baby

Viele der meist jugendlichen Rock’n’Roller, welche Ende der fünfziger Jahre ihre ersten Erfolge feierten, wandelten ganz offensichtlich auf den Spuren von Elvis. Es gab jedoch Ausnahmen. Bobby Vee beispielsweise liebäugelte eindeutig mit dem Sound des im Februar 1959 tödlich verunglückten Buddy Holly. Kein Wunder, startete er doch seine Karriere quasi als Ersatz für Holly, und wurde dabei entdeckt. Eine Serie von über fünfzig mehr oder weniger erfolgreichen Singles folgte. Die stattlichsten Resultate erzielte er in seiner US-Heimat, doch auch die britischen Fans kauften seine Scheiben. Warum er hierzulande weniger Bekanntheit genießt, als beispielsweise seine Sangeskollegen Frankie Avalon oder Ricky Nelson, mag auch an den mangelnden Mitwirkungen in Filmproduktionen liegen. In lediglich vier Kinostreifen wirkte er mit, doch keiner davon schaffte es in die (west-)deutschen oder österreichischen Lichtspielhäuser. Bear Family packte jetzt insgesamt 33 Songs von ihm auf diese Scheibe, alle aus den Jahren 1959-62. Es gibt noch zwei weitere Titel auf der CD, doch bei „Flyin‘ High“ handelt es sich genau genommen um eine Instrumentalaufnahme, und im verbliebenen Track hört man einen Werbespot fürs Radio. Natürlich bietet die CD viele von Bobbys großen Erfolgen, wie seinen Erstling „Suzie Baby“, oder seine frühen Top Ten-Hits „Devil or Angel“ und „Rubber Ball“ von 1960, und selbstverständlich seinen einzigen Nummer-1-Hit „Take Good Care of My Baby“ aus dem folgenden Jahr. Es gibt dazu viele weitere Aufnahmen, darunter sogar Songs, die durch seine Mitbewerber populär wurden. Bobby singt beispielsweise Paul Ankas „Diana“ wie einen Buddy Holly-Titel, bringt Elvis‘ „I Gotta Know“ rüber wie der King, und sein „Girl of My Best Friend“ klingt hier wesentlich dynamischer als Elvis‘ Version. Auch an Chuck Berrys „School Day“ und „Little Queenie“ wagte er sich erfolgreich heran. Das DigiPak enthält dazu ein mehr als dreißig Seiten starkes Booklet, wovon Bobbys Biografie und Karriere alleine schon zwei Drittel beanspruchen, illustriert durch zahlreiche, teils farbige Fotos und Abbildungen. Den weiteren Raum nehmen die diskografischen Angaben ein. Bobby erlag im Oktober 2016 im Alter von 73 Jahren den Folgen seines Alzheimer-Leidens.

Ulrich K. Baues