CD: Barry Gibb & Friends – Greenfields Vol. 1

Eine gewisse Neigung zur Country Music konnte man zumindest bei den frühen Aufnahmen des australischen Pop-Trios Bee Gees nicht leugnen. Nashvilles Szene griff daher bei einigen ihrer Welthits gerne zu. Duane Dee fragte schon 1971 in den Country Charts „How Can You Mend a Broken Heart“, und Skeeter Davis ermahnte 1973 wen auch immer dringend „Don’t Forget to Remember”. Narvel Felts bestimmte 1977 „To Love Somebody”, und ebenso zwei Jahre später Hank Williams Jr. An „Massachusetts“ versuchte sich schon 1968 Ed Ames, doch erst 1979 vermochte sich Tommy Roe damit in den Country Charts zu plazieren. Mit den „Words“ landete Susie Allanson 1979 einen kleinen Hit, nachdem schon u. a. Glen Campbell, Elvis Presley, Roy Orbison und Rita Coolidge diesen Song in ihre jeweiligen Repertoires aufnahmen. Und zur Jahreswende 1978/79 standen sogar die Bee Gees selbst mit „Rest Your Love on Me“ zwölf Wochen lang unter den „Hot Country Singles“. Alles in allem also gute Voraussetzungen für den inzwischen 74jährigen Barry Gibb, sich selbst den Wunsch nach einem in Nashville produzierten Country-Album zu erfüllen. Barry ist der letzte noch Lebende von insgesamt vier Brüdern. Mit Maurice und Robin bildete er seit den sechziger Jahren die erfolgreichen Bee Gees, und der damals noch kleine Bruder Andy avancierte später solo ebenfalls zum Star. Hier bei den „Greenfields“ betrat Barry Neuland. Für die zwölf Aufnahmen buchte er das legendäre RCA-Studio in der Music City, und lud eine Auswahl verfügbarer Stars der Country Szene ein. Durchaus gelungen, muss man zugestehen. Zusammen mit Keith Urban kündigt er beim Opener „I’ve Gotta Get a Message to You“ an, und warnt mit Alison Krauss eindringlich vor „Too Much Heaven“. Als überzeugender Anspieltipp können auch die „Words“ dienen, gleichzeitig auch die aktuelle Single aus diesem Album, unter Mitwirkung der gerade stolze 75 Jahre alt gewordenen Dolly Parton. Durchaus mehr in Richtung Disco-Sound tendiert dagegen die mit Miranda Lambert und Jay Buchanan aufgenommene Aufforderung zum „Jive Talkin‘“; Buchanan begleitet Barry auch auf „To Love Somebody“. Gleichfalls gelungene Duette bietet Barry mit Olivia Newton-John bei der Aufforderung „Rest Your Love on Me“, und mit Little Big Town während der „Lonely Nights“. Bei weiteren Aufnahmen holte sich Barry Unterstützung durch Jason Isbell, Sheryl Crow, und anderen Musikern. Der Erfolg gibt Barry jedenfalls recht, denn seine „Greenfields“ landeten noch während der Erscheinungswoche bei den Top Country Albums ganz weit vorne, und besetzten in den allgemeinen Album-Charts der USA einen Platz unter den Top Twenty, ebenso in Deutschland und der Schweiz; in Australien und Großbritannien erreichte Barry sogar die Spitzenposition. Das dünne Booklet nennt die Aufnahmedaten zu allen Songs, und zeigt mehr als ein Dutzend kleiner s/w-Fotos von den Sessions. Wie inzwischen üblich, gibt es natürlich neben der hier vorgestellten CD noch weitere Versionen der „Greenfields“: einmal eine fast schon obligatorische Doppel-LP (Capitol 602435138848) in schwarzem Vinyl, und dazu von der Buchhandelskette Barnes & Noble eine spezielle Ausgabe in silbermetallic (602435430331). Die US-Discounter von Target packten noch zwei zusätzliche Titel von Barry obendrauf, und bieten ihre Varianten ebenfalls auf CD (602435138879) und dazu auf seegrünem Vinyl (602435344393) an.
Ulrich K. Baues