Cash Box Top 100 Charts – The Sixties

Die beiden US-Fachmagazine Billboard und Cash Box standen über viele Jahre hinweg in Konkurrenz zueinander. Daher bemühte sich jede Seite, besser oder eben anders zu sein, als der Wettbewerber. Das zeigte sich in ganz unterschiedlichen Punkten, wie an der Menge der jeweils in Charts ermittelten Schallplatten, in den Bewertungen der Neuveröffentlichungen, beim Kampf um Anzeigen, uvm. Doch bei beiden Magazinen stellten die wöchentlich ermittelten, in den USA meistverkauften Pop-Singles das jeweilige Flaggschiff dar. Bei Billboard bündelte man sie zu den immer noch existierenden „Hot 100“, und bei Cash Box gab man sich etwas seriöser, und bezeichnete diese Liste treffender mit „Top 100“. Hier präsentiert uns Joel Whitburn nun die sechziger Jahre, wie sie sich musikalisch in den genannten Charts von Cash Box wiederspiegelten. Dies gestaltete sich redaktionell offensichtlich nicht ganz einfach, denn Whitburn verweist einleitend auf einige nicht in der gewohnten Druckqualität vorhandenen Abbildungen; manche Exemplare dieser im November 1996 eingestellten Zeitschrift lagen ihm leider nicht in besseren Versionen vor. Mehr als 520 Abbildungen von jeder (!) „Top 100“-Ausgabe vom 2. Januar 1960 bis zum 27. Dezember 1969 bietet dieses Buch. Wer in den sechziger Jahren aufwuchs, wird sich bestimmt gut an viele der damals gefeierten Interpreten und Bands erinnern. Der rasante Aufstieg der Beatles, gefolgt von der British Invasion, Elvis‘ Riesenhits und später sein Comeback, Beach Movies, Flower Power, all dies prägte die sechziger Jahre. Anhand dieses Buches lässt sich problemlos verfolgen, wie rasch oder zäh der Weg nach oben von statten ging, wer denn in der jeweiligen Woche der ärgste Konkurrent war, an dem der persönliche Favorit nicht vorbeikam, oder an dem er triumphierend vorüberzog – all dies lässt sich hier Woche für Woche über ein ganzes Jahrzehnt hinweg nachvollziehen. Country Hits, die damals als Spitzenreiter auftrumpfen konnten, hießen u. a. „El Paso“, „These Boots Are Made for Walking“, „Honey“, oder „Harper Valley P. T. A.“. Dies alles bot die Konkurrenz auch. Cash Box verfügte jedoch über das interessante Merkmal, von einem plazierten Song alle auf dem Markt erhältlichen Versionen zusammen aufzuführen. So erreichte „Wooden Heart“ im September 1961 Platz 3 der „Top 100“, doch diesen Platz teilten sich Joe Dowell, Gus Backus, Dave Kennedy und Li’l Wally. Für Diskografen allerdings ein Geschenk des Himmels, da auch seltene Aufnahmen endlich einmal gelistet werden. Das Sternchen vor Joe Dowells Namen kennzeichnete im besagten Fall dann seine Version als die erfolgreichste. Um die Suche nach einem bestimmten Musiktitel zu vereinfachen, bietet das Buch ein umfassendes Verzeichnis aller hier plazierten Singles. Fotos und weitere Auswertungen sind allerdings nicht enthalten.   
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Ulrich K. Baues