Buch: Record World Singles Charts 1964-1972, Volume 1

Die musikalischen Fachmagazine der USA werden mit ihren jeweiligen Hitparaden gerne bei Nennung von Erfolgen prominenter Gesangskünstler zitiert. Allen voran steht die legendäre „Billboard“, und manchesmal auch die 1996 eingestellte Konkurrenz namens „Cash Box“. In den besten Zeiten der Branche existierte noch ein drittes Wochenmagazin, welches inhaltlich und qualitativ durchaus mitzuhalten vermochte: der „Music Vendor“, dessen Umfirmierung in „Record World“ am 18. April 1964 vollzogen wurde. Auch hier gab es den Blick auf das aktuelle musikalische Geschehen, mit jeder Menge Informationen und Anzeigen, sowie natürlich den stets höchst interessiert erwarteten Charts. Die wöchentlichen Auswertungen im „Music Vendor“ bzw. der späteren „Record World“ wichen von den Hitparaden der Konkurrenten teils deutlich ab, wie die unterschiedlichen Plazierungen zahlreicher Singles belegen. Bekanntestes Beispiel boten die Popmusik-Charts, und hier das Datum vom 4. April 1964 – für dieses Wochenende führten sowohl „Billboard“ als auch „Cash Box“ in ihren Hot 100 bzw. Top 100 auf den ersten fünf Plätzen fünf Singles der Beatles – eine nie wieder eingetretene Situation. Im „Music Vendor“ standen die Beatles dagegen mit maximal „nur“ vier Singles gleichzeitig an der Spitze. Andere signifikante Unterschiede ließen sich auch in Bezug auf Höchstplazierungen erkennen: so besetzten Creedence Clearwater Revival in der „Record World“ mit drei Singles die Spitzenposition, wogegen „Billboard“ ihnen nur zweite Plätze zubilligte. Auch die Beatles konnten sich hier mit „Nowhere Man“ und „Something“ über zwei weitere Nummer-1-Hits gegenüber den beiden anderen Magazinen freuen. Das Blättern durch die nun vorliegenden wöchentlichen Pop-Hitparaden der „Record World“ reizt daher ungemein. Die damaligen Magazinseiten finden sich hier in Gänze abgedruckt. Auf jeder Seite lässt sich jetzt mit Spannung feststellen, wer denn wem womöglich den ersten Platz abgejagt hat, oder wer wie hoch neu in die „100“ eingestiegen ist. Diese wöchentlichen Kopf-an-Kopf-Rennen lassen sich sonst nirgends so hautnah verfolgen. Der Name der Charts lautete bis November 1970 „100 Top Pops“, und wechselte dann zu „The Singles Chart“. Über ein alphabetisches Songverzeichnis lässt sich dazu der jeweils gesuchte Titel schnell dem Interpreten zuordnen, und das Datum des erstmaligen Charteintritts ermitteln.

Ulrich K. Baues

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