Buch: Karl May auf der Bühne, Band 1

Literatur über die Verfilmungen der Karl-May-Romane gibt es offensichtlich en masse. Deutlich bescheidener sieht es dagegen mit den Inszenierungen in Theatern und auf den Freilichtbühnen aus, auch wenn sich in der Vergangenheit einige Buchausgaben zumindest mit Themen wie „Karl May am Kalkberg“ o. ä. auseinandersetzten. Diese auf insgesamt drei Bände angelegte Reihe verheißt Abhilfe. Der jetzt frisch erschienene Band 1 konzentriert sich dabei auf Aufführungen im Gebiet der heutigen Bundesrepublik. Es geht los mit den Theatervorstellungen in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Nach umfassender Einleitung zum Thema fällt der Startschuss 1908 in Kötschenbroda, und endet im Jahr 1942 in so unterschiedlichen Spielorten wie Hohenstein-Ernstthal, Mönchengladbach und Heilbronn. Ergänzt wird dieses Kapitel durch einige kleinere Meldungen über geplante Bühnenprojekte, die wohl nicht umgesetzt wurden. Im dann folgenden Abschnitt richtet sich der Blick auf die Freilichtbühnen., ebenfalls soweit es sich um das heutige Bundesgebiet handelt. Demnach fand 1930 im früheren Oybiner Waldtheater erstmalig eine solche Reihe mit Aufführungen statt. Dies setzte sich fort, denn bis Kriegsende gab es dann Spielorte u. a. in Wernigerode, Werder/Havel oder Pennrich, und ab 1949 in München, Neuwied, Dinslaken, uvm. Auch hier schließt sich eine Abhandlung über ausweislich geplante, doch aus unterschiedlichen Gründen dann nie gestartete Vorstellungsreihen an, 1931 im Berliner Naturtheater Friedrichshagen beginnend, und 1962 in Neumarkt in der Oberpfalz endend.
Die folgenden, gleichfalls seitenstarken Kapitel widmen sich den berühmt gewordenen Festspielorten, wie der Felsenbühne Rathen, dem Blauen See in Ratingen, und natürlich dem Kalkberg in Bad Segeberg. Was sich hier wie eine nüchterne Auflistung darstellt, wird im Buch freilich durch ausführliche und sachkundige Texte begleitet. Teils sehr seltene Abbildungen von Zeitungsanzeigen, Plakaten, Postkarten, Korrespondenzen und Ankündigungen illustrieren die Ausführungen. Unzählige Fotos – teils in Farbe – von Personen und Darstellern während der jeweiligen Aufführungen geben einen Nachweis über die unterschiedlichen Kostüme und Bühnendekorationen. Namen wie Will Quadflieg, Paul Klinger, Pierre Brice, Goijko Mitic (Foto links mit Country Mag Redakteur Ulrich K. Baues) oder Claus Wilcke, zeugen von der professionellen Aktionsweise, auf die überall Wert gelegt wurde. Diese Menge an Informationen samt Illustrationen gab es mit solcher Bandbreite und Sachkenntnis bislang sonst nirgends zu erwerben. Die Bände 2 und 3 folgen zum Jahresende, bzw. im kommenden Jahr.
Ulrich K. Baues
Foto: Renate Gehring