Buch: I Don’t Like Mondays – Die 66 größten Songmissverständnisse

Dieses Thema ist sicherlich reizvoll für Leute, die den Texten populärer Songs gerne eine tiefere Bedeutung zugestehen wollen. Hier hilft der Autor, indem er eine Anzahl von mehr oder weniger bekannten Hits auf solche tiefsinnigen Inhalte überprüft, bzw. bereits häufig kolportierte Thesen – wie beim titelgebenden Song der Boomtown Rats – teils sehr ausführlich erläutert. Nun kennt auch die Country Szene solche Beispiele, wie den „Okie from Muskogee“, dessen Aussage einerseits als Verulkung der ländlichen USA und pro Marihuana verstanden, andererseits als Hymne des anständigen Amerikas und contra Marihuana aufgefasst wurde; Merle Haggard tanzte hierbei ungeniert auf zwei Hochzeiten, und je nach Publikum betonte er entweder augenzwinkernd den ersteren, oder wohlerzogen z. B. gegenüber US-Präsident Nixon den letzteren Standpunkt. Genau dieser Titel fehlt hier leider, dafür wird Johnny Cash mit „Ring of Fire“ bewertet, oder das „Hotel California“ der Eagles. Sogar Creedence Clearwater Revival, James Taylor und Alison Krauss & Robert Plant fanden Eingang, und natürlich unzählige weitere Rock und Pop-Songs, auch aus einigen deutschen Produktionen, wie „Bruttosozialprodukt“. Es ergeben sich übrigens mehr als die im Buchtitel erwähnten „66“ Songs, weil manche Kapitel zusätzliche Aufnahmen mit einbeziehen. Interessant sind die Ausführungen in jedem einzelnen Falle, egal, ob es sich um missverstandene oder bewusst missverständlich gehaltene Songtexte handelt.  Verständlich, wenn sich beim Leser früher oder später die Meinung bildet, dass Songschreiber heutzutage wohl ganz bewusst diffuse Slogans in ihren Werken unterbringen. Und zwar, um die Diskussion später entsprechend lenken zu können – je mehr über einen Song spekuliert wird, desto länger bleibt der Autor bzw. der Interpret damit im Gespräch. Ein Schelm, wer dabei an Böses, also an höhere Verkaufszahlen bzw. mehr Downloads, denkt.

Ulrich K. Baues