Buch: Hollywood Surf and Beach Movies – The First Wave, 1959-1969

Die Idee, bekannte Gesangsinterpreten in Spielfilmen auftreten zu lassen, ist ja nicht so neu. Bereits Frank Sinatra, Bing Crosby oder Perry Como konnten in den USA schon während der dreißiger und vierziger Jahre mehr oder minder erfolgreich auf solche Auftritte verweisen, von den „Singing Cowboys“ wie Gene Autry oder Roy Rogers einmal ganz abgesehen. In den fünfziger und sechziger Jahren probierte man dieses Rezept teils erfolgreich auch mit Rock & Roll-Stars aus. Nicht nur, indem man einen bekannten Interpreten vor, während oder zum Ausklang der Handlung einen seiner erfolgreichen Titel singen lässt, wie z. B. Jerry Lee Lewis in „Mit 17 am Abgrund“. Manche Künstler zeigten nämlich auch darstellerische Fähigkeiten, und vermochten somit echte Rollen in den jeweiligen Streifen zu übernehmen. Das hierfür bekannteste Beispiel dürfte wohl Elvis Presley abgeben, aber auch Pat Boone schaffte sich zumindest kurzzeitig ein zweites Standbein in Hollywood. Im vorliegenden Buch wird eine spätere Epoche dokumentiert, als ein bestimmter Leitgedanke sich zu einer Art Serienproduktion entfaltete. Den roten Faden bildeten die Themen Strandleben und Surfen, und in den US-Filmtiteln tummelten sich Begriffe wie Beach, Bikini, oder Party. Die Auswahl der Darsteller blieb bei mehreren Produktionen irgendwie begrenzt, man hatte teils zu recht das Gefühl, immer mit den gleichen Gesichtern und zumindest ähnlichen Handlungen konfrontiert zu werden. Ein Grund hierfür mag der häufige Auftritt von AIP (American International Pictures) als Produktionsfirma gewesen sein. Das erfolgreichste Schauspielergespann bildeten hierbei zweifellos Frankie Avalon und Annette Funicello, die gleich mehrere Kinohits vorweisen konnten. Der Rock’n’Roll-Sänger Avalon trat zuvor bereits in Western wie „Er kam, sah und siegte“ und „Alamo“ auf, und bei Annette Funicello handelte es sich um eine der Mousketeers aus den Walt-Disney-Produktionen. Unter ihren gemeinsamen Hollywood-Arbeiten zu diesem Thema gab es Kassenknüller wie die „Beach Party“, und danach „Muscle Beach Party“, „Bikini Party“, „Surf Beach Party“, später auch Pajama Party“ (ohne Avalon), usw. Weitere regelmäßig auftretende Darsteller hießen Tommy Kirk, Sandra Dee, Deborah Walley, Shelley Fabares, oder Jody McCrea. Elvis Presleys Zutaten zu dieser Welle lauteten „Blaues Hawaii“ und „Kurven-Lily“, Connie Francis steuerte „Dazu gehören zwei“ bei, und James Darren stellte die beiden ersten „Gidget“-Verfilmungen vor, also „April entdeckt die Männer“ und „April entdeckt Hawaii“. Insgesamt 32 dieser durchaus kultigen Streifen präsentiert der Autor hier chronologisch, jeweils mit kompletten Besetzungslisten, allen Songtiteln, ausführlichen Berichten über die Hintergründe zu den jeweiligen Produktionen, sowie s/w-Abbildungen in Form von Filmplakaten und mindestens je einem Szenenfoto. Und auch die Riege der wichtigsten Hauptdarsteller wird in Form von 23 insgesamt Porträts gewürdigt. Das Buch vermittelt einen faszinierenden Blick auf ein hierzulande nur wenig bekanntes Filmgenre in der Spätphase des Rock’n’Roll.

Ulrich K. Baues