Buch: Heroes of the Borderlands

Die Ära der großartigen US-Western liegt leider unwiederbringlich hinter uns. In den vierziger und fünfziger Jahren überrollte diese Welle nicht nur die dortigen Lichtspielhäuser, sondern im Anschluss auch die großen TV-Sender. Weniger bekannt dürfte der Einfluss dieses Genres auf den südlichen US-Nachbarn Mexiko sein – umso erstaunlicher, weil ein nicht unerheblicher Anteil der US-Western thematisch im Spannungsfeld der gemeinsamen Grenze angesiedelt war, oder die Handlung zumindest teilweise dort spielte. Es gab für eigenständige mexikanische Produktionen aber ohnehin genug typische Themen und historische Geschehnisse. Hier setzt der Autor an, und nimmt den Leser auf eine spannende Reise in ein bislang noch nicht so richtig erforschtes Filmland mit. Interessant sind die Ausführungen über die dortige Aufnahme von US-Produktionen, da doch die amerikanische Sicht auf Mexiko eher mit negativen Begriffen verbunden wird. Filme wie „Die glorreichen Sieben“ zieht der Autor hier an, und man erkennt die schwierige Situation, inhaltlich beiden Seiten gerecht zu werden. Auf mexikanischer Seite verwerteten die Produzenten daher oftmals die eigene Geschichte, also die Revolutionen und die Präsidenten, und so sind die Handlungen historisch häufig im Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts angesiedelt. Cowboys heißen hier Vaqueros, Senoras und Senoritas spielen oft lediglich im Hintergrund, und ein nicht unwesentliches Element ist dort das Melodramatische. US-Western spielen dagegen häufig in der Zeit nach dem Bürgerkrieg oder handeln von Auseinandersetzungen mit den verschiedenen Indianerstämmen, und der Frauenanteil in den Besetzungslisten umfasst in der Regel mehrere Darstellerinnen. Die in den sechziger Jahren einsetzende Welle der Spaghetti-Western verschonte Mexiko nicht. In deren Folge entwickelten dort die Regisseure und Produzenten aus ähnlichen Zutaten das später „Chili-Western“ genannte Genre, also unrasierte Bandidos, gewalttätige Exzesse, schweigsame Antihelden, etc. Die weiteren Kapitel des Buches stellen u. a. die in Mexiko damals offensichtlich sehr gefragten Western-Comics und den seltsamen Santa Muerte-Kult vor, erläutern den unterschwellig vorhandenen Antiamerikanismus, und befassen sich zu einem ganz geringen Teil auch mit Musik. An Illustrationen gibt es im Text zahlreiche s/w-Fotos, sowie im Hochglanzteil farbige Abbildungen von Filmplakaten, Aushangbildern und Comic-Buchhüllen.
Ulrich K. Baues