Buch: Glanz und Gloria – Das Leben der Grande Dame des deutschen Films Ilse Kubaschewski 1907-2001

Ohne sie wäre der deutsche Nachkriegsfilm sicherlich weniger erfolgreich gestartet. Die Berlinerin Ilse Kubaschewski sammelte in den dreißiger und vierziger Jahren u. a. bei der Verleihfirma Siegel Monopolfilm ihre ersten geschäftlichen Erfahrungen. Nach Kriegsende gründete sie den „Gloria“-Filmverleih, dem in den fünfziger Jahren in der deutschen Kinolandschaft eine prägende Rolle zukam. Mit „Grün ist die Heide“ startete Ilse Kubaschewski ihre Reihe mit erfolgreichen Kinostreifen. Es blieb jedoch nicht bei den deutschen Produktionen. Ihr Vertrag mit den Republic Pictures aus Hollywood bescherte den geneigten Kinogängern eine ganze Reihe von Western, wie zum Beispiel die „Zorro“-Filme, oder frühe John-Wayne-Streifen. Ende der fünfziger Jahre nahm sie auch Filme mit Peter Kraus wie „Alle lieben Peter“ und „Melodie und Rhythmus“ in ihr Verleihprogramm auf, allerdings hielt sich deren Erfolg in Grenzen. Das hierdurch erhoffte jüngere Publikum ließ sich damit nicht zum Kinobesuch animieren. Ilse Kubaschewski kompensierte solche Mißerfolge mit Streifen wie „Das süsse Leben“. Zu guter Letzt profitierte sie sogar noch von der Welle der Karl-May-Verfilmungen, wenn auch aus rechtlichen Gründen nicht mit den klassischen Wildwest-Themen, aber dafür gab es mit „Der Schut“ einen Kassenknüller. Auch „Der Schatz der Azteken“ und „Die Pyramide des Sonnengottes“ brachten Geld ein, wenn auch die Erfolgszahlen der Konkurrenz bei den „Winnetou“-Vorstellungen nie erreicht wurden. Trotz Mitschwimmens auf der Sex-Welle und anderer Versuche erlag Ende der siebziger Jahre auch der „Gloria“-Filmverleih der Kinokrise. Da hatte sich Ilse Kubaschewski allerdings schon vom Geschäft zurückgezogen. Der Autor erzählt ihren unglaublich interessanten Werdegang in überwiegend chronologischer Folge. Dazwischen gibt er stets Überblendungen in ihre privaten Dinge, seien es familiäre Ereignisse, der Kauf von Immobilien, o. ä. Illustriert wird das Buch mittels vieler Filmplakate, Fotos von privaten und offiziellen Ereignissen, sowie Abbildungen von Gebäuden wie Lichtspielhäusern oder ihrer luxuriösen Domizile, teilweise sogar in Farbe. Es gibt in seiner Gesamtheit auch einen hervorragenden Einblick in die Mechanismen der damaligen deutschen Filmindustrie.

Ulrich K. Baues