Buch: Die Wächter (Roman)

Mit Alabama, Georgia und vor allem Florida wählte der US-Erfolgsautor John Grisham auch diesmal wieder Bundesstaaten im Süden der USA als Schauplätze seines aktuellen Romans. Es geht diesmal um unschuldig verurteilte Insassen von Gefängnissen, deren Fälle von den Guardian Ministries neu aufgerollt werden. Die wenigen Mitglieder dieser kleinen Organisation mit bescheidenem Etat handeln aus uneigennützigen Motiven. Grisham lässt deren Anwalt Cullen Post in der Ich-Form darüber berichten, und schildert dabei einige der teils dramatischen Fälle. Überwiegend widmet sich Post dem Gefangenen Quincy. Wie sich herausstellt, sitzt er tatsächlich seit 22 Jahren zu Unrecht ein, weil man ihn ohne eine objektiv eindeutige Beweislage zum Tode verurteilte. Nun wird es ganz spannend, denn Quincy schob man die Tat in die Schuhe, um den Verdacht vom wahren Mörder abzulenken. Es stellt sich die Mittäterschaft des früheren Sheriffs heraus, und damit sticht Post geradezu in ein Wespennest. Er findet Zeugen, die zugeben, damals vor Gericht gelogen zu haben, und entlarvt unfähige Sachverständige, die reine Gefälligkeitsgutachten abgaben. Auch Quincys früheren Anwalt bekommt er zu sprechen. Dieser zog zwar im Prozess sämtliche Register für seinen Mandanten, hatte jedoch angesichts falscher Aussagen keine Chance. Post erfährt nun den wahren Grund für die Niederlegung des Mandats nach Prozessende. Es ging also um den florierenden Handel mit Rauschgift, worin die Kartelle das Sagen haben, und derjenige profitiert, der mitspielt. Mit seinen Recherchen kommt Post auch nach so vielen Jahren manchen Personen in die Quere, und der brutale Gegenschlag lässt nicht lange auf sich warten. Quincy wird im Gefängnis von zwei Mithäftlingen schwer verletzt; der zuständige Wärter guckt weg. Doch der Gefangene überlebt, und dafür nimmt das FBI jetzt einige Hintermänner hoch. So weit, so spannend. Allerdings ermüdet beim Lesen das inzwischen Grisham-typische ständige Einprügeln auf das amerikanische Justiz-System, womit fast jeder Abschnitt gespickt wird. Und die gehässigen Anspielungen auf Trump liest man mit dem Gefühl, Grisham möchte hier nur vorsichtshalber mit der vermeintlichen Mehrheitsmeinung mitschwimmen. Auf solch plumpe Zutaten kann ein Star-Autor bestimmt verzichten, um stattdessen mehr in die Handlung zu investieren. Aber hier entschied die treue Fan-Gemeinde eindeutig für Grisham, denn der Autor landete mit den „Wächtern“ wieder einen Bestseller.
Ulrich K. Baues