Buch: Die Teldec Story – Wie eine Plattenfirma unser Leben veränderte

Sie begann spannend, diese Geschichte der Telefunken. 1932 gegründet, erlebte sie die dreißiger und vierziger Jahre als „deutsche Weltmarke“. Doch wie so vieles, lag 1945 auch Telefunken am Boden. Der Wiederaufbau ging schleppend voran, bis sich dann mit Unterstützung der US-amerikanischen Plattenfirma Capitol Records der erste richtige Schritt nach vorne ergab. Diese faszinierende Geschichte aus der unmittelbaren Nachkriegszeit, und natürlich auch alle weiteren, teils turbulenten Geschehnisse der anschließenden Jahrzehnte, bis hin zum mit „Unwürdiges Ende“ benannten Kapitel, bietet der Autor in diesem sorgfältig recherchierten Buch. Der Blick ins Inhaltsverzeichnis erschlägt förmlich. Aber glücklicherweise versteht es der Autor souverän, die Menge an Themen in passenden, unterhaltsamen, und dennoch informativen Abschnitten unterzubringen. Am Leser vorbei ziehen hier die späten vierziger Jahre, die gesamten fünfziger, sechziger und siebziger Jahre, sowie die restlichen Jahre bis zum 1997 von „oben“, also seitens Warner Music, verordneten Schluss. Die Themen drehen sich natürlich vorrangig um die Firma, mitsamt ihren Geschäftsführern, Hauptsitzen, Presswerken, Kooperationen, Innovationen, usw. Doch dazwischen tummeln sich immer wieder die damals unter Vertrag stehenden Künstler. Und all dies vermittelt auch ein faszinierendes Stück Zeitgeschichte. Wie kam es dazu, dass Rock & Roll auch in Deutschland auf Schallplatten erhältlich war? Welche britischen und US-Labels arbeiteten mit der Teldec, wie die Firma sich seit dem Zusammenschluss von Telefunken und Decca nannte, zusammen? Dies beeinflusste nämlich ganz erheblich die Möglichkeiten zur Veröffentlichung von Tonträgern hierzulande, beispielsweise hinsichtlich Country & Western. Einige fast vergessene Episoden aus dem Show-Geschäft tauchen ebenfalls wieder auf, wie z. B. der Einstieg von RCA bei Teldec mit Elvis Presley, oder Bill Haleys legendäre Deutschlandtournee, oder Caterina Valentes Wechsel von Polydor zur Teldec, oder das Anrollen der Rolling Stones, oder die deutschen Aufnahmen der Nashville-Stars und ihre einmalige Tournee, usw. Auf technische Errungenschaften verweist der Autor ebenfalls, Schellack, Vinyl, Singles, Langspielplatten, Musikboxen, Mono und Stereo, all dies wird sachkundig in die zutreffenden Ausführungen eingefügt. Teldec verfügte über oder vertrieb ein immens breites Spektrum an musikalischen Stilen wie Klassik oder Jazz, und so unterschiedliche Künstler wie Gitta Lind, Mantovani, Gene Vincent, Willi Glahé, Jerry Lee Lewis, Billy Vaughn, Everly Brothers, Moody Blues, Rick Nelson, später auch Jürgen Marcus, Ted Herold, Karat und Udo Lindenberg veröffentlichten dort ihre Produktionen. Rüdiger Bloemekes Buch nimmt den Leser mit auf eine wirklich einzigartige Reise durch ein halbes Jahrhundert der (west)deutschen Unterhaltungsbranche. Und: alles hier Dargelegte wird mittels teils historischer Fotos, hunderten Abbildungen von Schallplattenhüllen und -labels, Wiedergaben von Firmenprospekten, Zeitungsartikeln, Geschäftsbriefen, usw. überwiegend farbig illustriert.

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Ulrich K. Baues