Buch: Die Stasi swingt nicht – Ein Jazzfan im Kalten Krieg

Siegfried Schmidt-Joos, der spätere Redakteur des „Spiegels“, beschreibt unter der Feststellung „Die Stasi swingt nicht“ einen Teil seiner Jugend in der sogenannten DDR, die zu jener Zeit im westlichen Deutschland stets mit „Sowjetischer Besatzungszone“ und eben kurz mit „Zone“ betitelt wurde. Es geht zwar fast ausschließlich um Jazz, doch die Reaktionen der Staatsmacht beschränkten sich nicht nur auf diese amerikanische Musikrichtung, sondern richteten sich letztendlich gegen alles irgendwie „westliche“, womit dies schon fast einem Kulturkampf gleichkam. Interessanterweise bestanden in der DDR im Laufe der fünfziger Jahre unterschiedliche Ansichten zu der Frage, ob man Jazz verbieten sollte, oder eben nicht. Man unterstellte der Jazzmusik, eine Waffe des Klassenfeindes zu sein, wogegen es auch Forderungen nach einem legitimen Platz in der Kulturszene der DDR gab. Die große Weltpolitik, also der damals geführte „kalte Krieg“, bestimmte natürlich maßgeblich solche politisch motivierten Ansichten. Schmidt-Joos stellt dann die organisatorischen Schwierigkeiten beim Aufbau von sogenannten Jazz-Clubs dar, oder auch mit den letztendlich logistischen Problemen bei der Abhaltung von Treffen und Konzerten. Auftrittsverbote auf regionaler Ebene, dann wieder eher liberalere Tendenzen wie die Möglichkeit, Festivals zu veranstalten, all dies verwirrte und verunsicherte natürlich die interessierten Jugendlichen. Immerhin gab es ja damals nicht nur die Möglichkeit, nach West-Berlin zu fahren, sondern es existierten auch  die Interzonenpässe, mit denen noch vergleichsweise problemlos Fahrten nach Westdeutschland möglich waren. Daher bestanden auch gute Kontakte zu Veranstaltern von Jazz-Festivals wie in Düsseldorf. Man erfährt auch erstaunt, dass Bill Haleys „Rock Around the Clock“ bei angeblich allen Jazzern dieser Welt verfemt wurde, und der Autor berichtet zu diesem Thema, ihm wäre der Vorschlag zur „Gründung eine Rock’n’Roll-Clubs“ unterstellt worden. Schmidt-Joos verließ 1957 die DDR, und arbeitete seither bei verschiedenen Zeitschriften und Sendern. Seine hier vorgelegte Schilderung stellt – auch hinsichtlich der wenigen s/w-Abbildungen – ein einmaliges Zeitdokument dar.

Ulrich K. Baues