Buch: Cowboys & Indies – Eine abenteuerliche Reise ins Herz der Musikindustrie

Das flüchtige Überfliegen des Titels verleitet schnell zu der Meinung, ein Buch über Cowboys und Indianer in den Händen zu halten. Dies ist es keineswegs. Hier beschreibt stattdessen ein Kenner der Szene die Entwicklung der Musikindustrie, nur eben nicht aus der Sicht des Konsumenten, sondern aus dem Blickwinkel der Chefetagen. Und damit sind z. B. jene Plattenbosse gemeint, die vieles erkannten, förderten, oder eben häufig auch nicht. Und dann gab es noch die Pioniere, solche Leute wie Sam Phillips von Sun Records beispielsweise, die sich eben doch der Kreativität etwas mehr verpflichtet fühlten, als dem Kommerz. Der Autor führt uns mit ungeheuer viel Detailwissen an die jeweiligen Themen heran, beschreibt u. a. die Gründungsphasen von Atlantic oder Sun Records, schildert die Kommerzialisierung des US-Folk zu Beginn der sechziger Jahre, erläutert anhand geschäftlicher Überlegungen die in den USA als British Invasion empfundene Welle der Beat Ära, und landet letztendlich bei Johnny Cash. Hochinteressant wird es für den geneigten Leser, hier auf einmal Zusammenhänge und Verflechtungen dargelegt zu finden, die man als Musikliebhaber sonst nie erläutert bekommt. Zarte Gemüter werden sich bei den Schilderungen der manchmal knochenharten, da aus rein finanziellen Überlegungen erfolgten Entscheidungen  sicherlich zuerst etwas angewidert fühlen. Man wird aber nach Lektüre des Buches als Quintessenz feststellen, dass es auch in der Musikindustrie in Wirklichkeit einzig und allein nur ums Geld geht – um das Geld der Konsumenten nämlich. Und nur dabei, und einzig deswegen, ziehen sowohl Künstler als auch die Vertreter der Musikindustrie stets an einem und denselben Strang.

Ulrich K. Baues