Buch: Colonel Tom Parker

Man wundert sich anfangs etwas – das US-Original dieses biografischen Werkes über den umstrittenen Manager von Elvis Presley erschien bereits vor mehr als zwanzig Jahren (s. Western Mail vom August 2001). Für das aktuelle Erscheinen der von Waltraud Eckersberger ins Deutsche übertragenen Ausgabe gibt es jedoch einen einfachen Grund: im Sommer läuft in den Kinos unter dem Titel „Elvis“ eine Filmbiografie über den verstorbenen Künstler an. Unter der Regie des Australiers Baz Luhrmann spielt Austin Butler die Titelrolle, und Tom Hanks übernahm den Part des besagten Colonel Tom Parkers. Somit erhält diese Veröffentlichung eine bemerkenswerte Aktualität. Das jetzige Buch entspricht inhaltlich dem Original, und schildert somit gleichzeitig vieles aus der Karriere von Elvis. Angaben zur Herkunft des Colonels liegen ja nur spärlich vor. Wahrscheinlich kam er 1909 als Andreas Cornelis van Kuijk im brabantischen Breda zur Welt. Wie schon das Original, nennt die jetzige Übersetzung gesicherte Fakten erst ab 1944, mit Parkers Musterung zur Armee. Die bekannten Dinge schließen sich an, wie die Übernahme des Managements von Eddy Arnold, später von Hank Snow. Beide äußerten sich rückblickend nicht begeistert über Parkers Geschäftsgebaren. Auch hinsichtlich der geschäftlichen Manöver im Zusammenhang mit Elvis kann man manchmal nur den Kopf schütteln. Parker war eben ein ganz ausgebuffter Geschäftsmann, der zwar Elvis‘ Karriere befeuerte – manche werden hierzu andere Thesen vertreten – doch sich dabei stets auch die eigene Tasche füllte. Offensichtlich gelang hier ein stets lukrativer Synergie-Effekt. Auch nach dem tragischen Tod des „King“ im August 1977 blieb Parker ganz der Alte – durch umgehende vertragliche Aktionen nutzte er diese Situation eiskalt aus. Autor Dickersons Fazit „Elvis war seit weniger als vierundzwanzig Stunden tot, und der Colonel hatte bereits 775000 Dollar verdient“ fasst alles, was man wissen muss, zusammen. Der 1997 in Las Vegas gestorbene Parker zog sich dann langsam aus allen Geschäften zurück, mied die Öffentlichkeit, und gab kaum noch Interviews. Die in der Originalausgabe als Hochglanzteil zusammengefassten s/w-Fotos finden sich hier im Text eingestreut.
Ulrich K. Baues