Buch: Cash Box Regional Hits 1957

Wie bereits im Vorläufer über das Jahr 1956 geschildert (s. Country-Mag vom 4. März 2019), existierten während der fünfziger Jahre in den USA und Kanada jede Menge lokaler Hitparaden. Die bedeutenden Schallplattenläden der großen Städte führten Listen der am besten verkauften Vinyl-Scheiben, die Radiostationen führten in der Regel akribisch Buch über die meistgespielten Titel, und die Betreiber der Musikautomaten ermittelten die in den Juke Boxes am häufigsten aufgerufenen Singles. Solch eine Beliebtheit schlug sich nicht zwangsläufig in den landesweit ermittelten Charts wie den „Hot 100“ oder „Top 100“ nieder, sondern blieb oft auf eine Stadt oder einen Landkreis beschränkt. Somit erklärt sich durchaus die kaum fassbare Zahl von 1700 Singles, die es 1957 ausschließlich zu regionaler Bedeutung brachten. Das US-Musikmagazin Cash Box veröffentlichte damals wöchentlich eine Auswahl dieser jeweils zehn Positionen umfassenden lokalen Hitparaden, basierend also auf Verkaufszahlen, auf Radioeinsätze, und auf Beliebtheit in den Musikboxen. Die Auswertung betrieb Joel Whitburn jetzt natürlich wie gewohnt: er nennt in alphabetischer Folge die Interpreten, stellt manche mittels ganz kurzer Infos vor, und listet darunter jeweils in chronologischer Reihung die in mindestens einer der drei Chart-Kategorien plazierten Singles, samt Katalog-Nummern. Jedem Eintrag lässt der Autor die Angaben über erstmalige Erfassung und höchste Plazierung anschließen. Es folgen Hinweise, in welcher Stadt dies ermittelt wurde, sowie ob Verkauf, Juke Box, oder überwiegend Radio hierfür ausschlaggebend waren. Fremdsprachige und rein instrumentale Titel lassen sich dabei durch entsprechende Kennbuchstaben leicht identifizieren, ebenso die nur auf EP (extended play, Single mit vier, manchmal gar sechs Titeln) erhältlichen Songs. Plazierungen mittels EP häuften sich bei gerade erfolgreichen Stars, wie z. B. Pat Boone, und vor allem bei Elvis Presley, von dem besonders die Radio-DJs zu jener Zeit alles Verfügbare auflegten. Man entdeckt neben Namen wie Chet Atkins, Doris Day, the Jordanaires, uvm. auch Singles wie Ed Ames‘ „The Bean Song“, Don Gibsons „Too Soon to Know“, Frankie Laines „Gunfight at the O. K. Corral“, Dean Martins „Man Who Plays the Mandolino“, oder Robert Mitchums „Mama Looka Boo Boo“; somit wird ernüchternd klar, dass ihnen damals der Sprung in die großen Charts nicht gelang. Gerade für Ersteller von Diskografien schließen sich hier sicherlich manche Lücken. Erfreulicherweise bildet Whitburn hier – wie beim Vorläufer – pro Seite jeweils vier der dort genannten Singles in Farbe ab, teils auch deren seltene US-Bildhüllen.
 ( www.recordresearch.com )
Ulrich K. Baues