Buch: Among My Souvenirs – The Real Story Vol. 1

Man vermag es kaum zu glauben: laut den meisten offiziellen Biografien feiert Connie Francis im Dezember ihren 80. Geburtstag! Und trotz ihrer bereits jahrzehntelangen Karriere steckt sie immer noch voller Energie, und schmiedet Pläne für die Zukunft. Diese Biografie gehört dazu, denn sie arbeitet derzeit – wie der Titel ja schon suggeriert – bereits am zweiten Teil. Viele Fans werden sich erinnern, dass es bereits vor über dreißig Jahren eine mit „Who’s Sorry Now“ betitelte Vorgängerin in Sachen Lebensgeschichte gab. Bei der jetzigen handelt es sich jedoch nicht um eine Fortsetzung, sondern hier läuft fast alles von Beginn an. Fast, wie gesagt, denn neben Vorworten und einleitenden Anmerkungen startet Connie mit einem erschütternden Bericht über ihre Vergewaltigung in einem Hotel im Jahre 1974. Man merkt, wie es sie erleichtert, sich dieses schreckliche Geschehen sozusagen von der Seele schreiben zu können. Aber danach wechselt sie zu ihrer Kindheit, und der weitere Ablauf gestaltet sich dann halbwegs chronologisch, indem Connie ihre Jugendjahre und Schulzeit beschreibt, und dann natürlich zu ihren ersten musikalischen Erfahrungen überleitet. Connies Aufzeichnungen sind stets präzise, es gibt Daten und Fakten, denn ganz offensichtlich führte sie wirklich sehr akribisch Tagebuch über ihr Leben und ihre Karriere. Und keineswegs ergießt sich nun ein riesiger Redeschwall über den Leser bzw. die Leserin. Nein, denn Connie schafft es, einen Großteil der Textpassagen durch das Stilmittel der wörtlichen Rede aufzulockern, oder eben passend zu zitieren. Dies gilt sowohl für private Momente, wenn sie beispielsweise ihre letztendlich unglückliche Beziehung zu Bobby Darin beschreibt, als auch für berufliche Situationen, wie ihr Besuch in London. Das Zusammensein mit Familienmitgliedern steht bei ihr hoch im Kurs, denn davon zeugen Connies häufige textliche Hinwendungen zu ihrer Mutter und zu Tante Mary, um nur Beispiele zu nennen. Eine Fotogalerie ihrer prominenten Verehrer, mit denen sie Freundschaften pflegte, also „Dates“ verabredete, lässt keineswegs auf ein langweiliges Leben schließen. Und gerade über Peter Kraus findet sie sehr nette Worte, denn zumindest in Deutschland galten sie eine kurze Zeitspanne lang als Paar. Überhaupt Deutschland: ihrer Ankunft hierzulande, ihren deutschsprachigen Aufnahmen, und eben auch gegenüber Peter Kraus widmet Connie hier nur positive Worte, und steuert dazu viele Fotos bei. Weiterhin gibt es neben Anmerkungen zum Tourneeleben und zu den Radio- und TV-Auftritten dann auch Connies Ansichten über ihren ersten Kinoerfolg „Where the Boys Are“ (dt. Titel „Dazu gehören zwei“) von 1960. Man muss in der Tat unbedingt auch die in den Text eingebundenen s/w-Fotos hervorheben. Viele davon sieht man in diesem Buch zum ersten Mal.
Die Familienfotos werden ohnehin nur wenige Personen vorher zu Gesicht bekommen haben, aber auch die Schnappschüsse von Empfängen oder Veranstaltungen sind sicherlich zuvor als Raritäten gehandelt worden. Weitere Abbildungen zeigen Verträge, Plakate, Zeitungsausschnitte, Plattenlabel, Schallplattenhüllen, Titelbilder, Anzeigen, etc. Alles ist reichlich vorhanden, und fast alle Bilder sind qualitativ in Ordnung. Beim vergangenen Besuch des „Country-Mag“ bei Connie Francis daheim in Parkland verwies die Gastgeberin mit einem bedeutsamen Lächeln auf die noch vorhandenen Unterlagen für den zweiten Band zu „Among My Souvenirs“. Dieser wird sicherlich eine ähnlich gelungene Biografie abgeben, wie jetzt „Vol. 1“. Man darf sich schon darauf freuen!

Text: U. K. Baues, Fotos: R. Gehring