Bluray: Alamo

Für die meisten Leser/innen des Country-Mag dürfte die Geschichte des Kampfs um die Mission El Alamo nichts Unbekanntes enthalten. Fast zwei Wochen lang trotzen 1836 rund 200 Anhänger texanischer Unabhängigkeit – hauptsächlich aus Texas und Tennessee – den mexikanischen Einheiten. Es geht darum, feindliches Militär zu binden, damit Sam Houston (Boone) weitere Truppenkontingente zusammenstellen kann. Man hofft auch auf rechtzeitigen Entsatz, und ein Bote berichtet von „1000 Mann“, die zu Hilfe kommen sollen – es kommt jedoch niemand. Nachdem sich General Santa Anna mit rund 7000 Mann dem nahen San Antonio nähert, wird es ernst. Kommandant des Alamo ist der eher unsympathisch wirkende Colonel Travis (Harvey). Ihm zur Seite stehen, teils nach heftigen Diskussionen, Jim Bowie (Widmark), sowie auch Davy Crockett (Wayne) mit seinen Freiwilligen aus Tennessee. Den Anwesenden wird ein Verbleib in der von mexikanischen Truppen inzwischen fast völlig umstellten Mission freigestellt. Zwar wird die Belagerung durch einige erfolgreiche Ausfälle der Eingeschlossenen gestört, und mehrere Attacken können zurückgeschlagen werden. Jedoch gelingt den Mexikanern letztendlich der entscheidende Sturmangriff, und damit die Eroberung des Alamo. Historisch nicht ganz gesichert dürfte der im Film entstandene Eindruck von der Tötung sämtlicher männlicher Verteidiger sein. Auf jeden Fall gestattete Santa Anna den wenigen überlebenden Frauen und Kindern freien Abzug.



In den USA startete der Film im Oktober 1960, lief zwar halbwegs erfolgreich in den dortigen Kinos an, konnte jedoch seine hohen Produktionskosten anfangs nicht einspielen. John Waynes große Investitionen in dieses Projekt zahlten sich also nicht aus. Erst der Verkauf an United Artists änderte die Bilanz. Den Streifen zeigte man zuerst in einer rund 200 Minuten langen Fassung, die jedoch bald auf die weltweit bekannte Version mit knapp 160 Minuten Laufzeit gestutzt wurde. Über Jahre hinweg galt die lange Version als verloren oder verschollen. Die dank Koch Films nun in einem sogenannten Mediabook zugänglichen Scheiben bieten auf zwei Blurays und einer DVD endlich alles, was das Herz bezüglich „Alamo“ begehrt. Die DVD selbst zeigt dabei eigentlich nichts Neues, sondern die bisher verbreitete „kurze“ Fassung. Diese allerdings lässt sich hier weltweit erstmalig auf der BD-1 auch in einer Bluray-Version aufrufen. Und auf der BD-2 folgt das Glanzstück dieses Mediabooks, denn hier gibt es den langersehnten Director’s Cut mit seinen über 200 Minuten Laufzeit. Man wird sich darin wahrscheinlich über manche unnötigen Längen in Form der minutenlangen Overtüre, der Pause, und der Abspannmusik, wundern oder ärgern. Nichtsdestotrotz gibt es hier in der „langen“ Version sämtliche geschnittenen Segmente nach vielen Jahren wieder zu sehen, darunter ergänzende Dialoge und auch ein kompletter Ausfall einer Gruppe Belagerter aus dem Alamo. Besagte Szenen gibt es nur in englischer Sprache. Das Bonusmaterial beeindruckt zusätzlich. Geboten werden der englische und deutsche Kinotrailer, mehrere Dokumentationen zu „The Alamo“ und eine weitere über John Wayne, und dazu die bei Koch stets vorhandenen Galerien mit Fotos, Filmplakaten, usw. Das Bild erscheint im Format 2,35:1, und verursacht daher die bei den gängigen 16:9-Monitoren auftauchenden schwarzen Streifen am oberen und unteren Bildrand. Beim Ton gibt es einmal Deutsch in DTS-HD MA 2.0, und dazu Englisch in DTS-HD MA 5.1. Untertitelungen sind ebenfalls in beiden Sprachen möglich.
Passend zum Filmstart erschien im Oktober 1960 auch die von Dimitri Tiomkin maßgeblich beaufsichtigte Soundtrack-LP (Columbia CL-1558 & CS-8358), und landete zum Jahreswechsel 1960/61 sogar kurzzeitig unter den Top Ten der meistverkauften LPs von Billboard. Beide Single-Auskopplungen daraus kletterten in die berühmten Hot 100, einmal Marty Robbins mit der „Ballad of the Alamo“ (Columbia 4-41809), sowie das Folk-Quartett Brothers Four mit den „Green Leaves of Summer“ (Columbia 4-41808). Weniger erfolgreich entwickelten sich dagegen die Gesangsbeiträge von Frankie Avalon, der im Film die Rolle von Crocketts Begleiter Smitty übernahm, dem jüngsten Verteidiger des Alamo. Obwohl er noch im Vorjahr 1959 mit „Why“ einen Nummer-1-Hit landete, gab es jetzt in den USA keinerlei Veröffentlichungen seiner Einspielungen aus dem Film – seine nur in Großbritannien erschienene Single „Green Leaves Of Summer“ / „Here's To The Ladies“ hinterließ keine Spuren in den Charts. Dort, sowie in Italien, Spanien und Frankreich, erschienen stattdessen EPs mit allen vier von Frankie Avalon aufgenommenen „Alamo“-Songs.
Ulrich K. Baues