51. CMA Award Verleihung in Music City USA

Nashville im November

Alles wie gehabt? Nicht ganz, denn diesmal zeigte sich Tennessee statt von der erhofften spätsommerlichen Seite lediglich mit Temperaturen um 15 Grad Celsius. Zwischendurch erzeugten kurze Nieselregenphasen gar eine eher herbstlich angehauchte Stimmung. 

Die Innenstadt um den sogenannten SoBro, also den südlichen Broadway, droht unter den sie umzingelnden Hotelneubauten nahezu erdrückt zu werden. Selbst die Country Music Hall of Fame wirkt inzwischen unscheinbar neben diesen städtebaulich völlig überdimensionierten Klötzen. SoBro bietet zwischen First und Fifth Avenue aber trotzdem viel Leben. Gefühlt jeder zweite Laden wirbt hier mit "Boots"-Verkäufen, und der Rest besteht aus Kneipen wie u. a. der vergleichsweise schon langlebigen "Robert`s Western World", der derzeit wegen Umbau geschlossenen "Second Fiddle" und natürlich auch dem Urgestein "Tootsie`s". Im Dezember bekommen sie Gesellschaft in Gestalt von Dierks Bentleys "Whiskey Row", wogegen Jimmy Buffett mit seiner Aussenstelle des "Margaritaville" bereits länger vor Ort vertreten ist. Konkurrenz gibt es von der anderen Strassenseite u. a. durch Alan Jacksons "AJ`s", worin einschliesslich der Dachterrasse auf vier Ebenen abgehangen werden kann. Das "AJ`s." liegt günstig, denn nach dem Einkauf im legendären "Ernest Tubb Record Shop" braucht man nur zwei Häuser weiter zu schlendern, um dort ein Bierchen geniessen zu können. Eine weitere langjährige Institution in Sachen Tonträgern war der ebenfalls nahegelegene "Lawrence Record Shop" der gleichnamigen Brüder, seinerzeit sogar Konkurrenten von Ernest Tubb. Dieser schloss ja bereits vor vielen Jahren seine Tore, und beherbergt nun "Nudie`s Honky Tonk", welches selbstverständlich auch mit seiner "Rooftop Bar", also Dachterrasse, wirbt. Überall gibt es Live-Musik, überall strömen besonders abends die Touristen hinein und hinaus. Leider ist inzwischen auch eine Art kleine Punkerszene in Nashville angelangt, die dort wie auch anderswo optisch und im Verhalten völlig fehl am Platz wirkt, öffentliche Sitzgelegenheiten in Beschlag nimmt, und sich nach den stets höflichen Aufforderungen seitens der mit Fahrrädern patroullierenden Metro Police Officers lediglich um eine Strassenecke weiter fortbewegt. Letzteres bleibt hoffentlich nur eine kurze Episode in der jahrzehntelangen Geschichte der Music City.

Und gerade diese Geschichte der "Music City" schrieben denn auch die CMA-Awards fort, die in diesem Jahr zum 51. Male verliehen wurden. Die berühmte Show selbst begann wegen der gleichzeitig im TV-Programm von ABC anlaufenden Live-Übertragung wie gewohnt superpünktlich um 19 Uhr Ortszeit. Voraus gingen wie üblich mehrere Countdown-Durchsagen, und die dringenden Bitten, die Plätze einzunehmen. Durch die Einlasskontrollen gab es ja zahlreiche späte Platzsuchende. Eric Church eröffnete würdevoll mit einem ohne Orchesterbegleitung vorgetragenen "Amazing Grace" diese merklich auf das Andenken an das tragische Geschehen in Las Vegas und die Trauer um die Verstorbenen ausgerichtete Veranstaltung. Und richtig, zu deren Gedenken erklang der Titel "Hold My Hand", wozu Ex-Hootie & Blowfish-Mitglied Darius Rucker eine ganze Reihe prominenter Kolleginnen und Kollegen um sich scharte, darunter Reba McEntire, Lady Antebellum, Luke Bryan, Thomas Rhett, und sogar Brooks & Dunn. Eddie Montgomery zollte danach seinem vor zwei Monaten tödlich verunglückten Gesangspartner Troy Gentry Tribut, indem er sich zu den Klängen von "My Town" dem gemeinsamen Auftritt von Keith Urban und Rascal Flatts anschloss. Das neue Gesangsduo des Jahres, also die Brothers Osborne, erinnerten mit "Wichita Lineman" an den im August von seinem Alzheimer-Leiden erlösten Glen Campbell. Und Little Big Town huldigte als neue Gesangsgruppe des Jahres dem im September verstorbenen Don Williams mit "Tulsa Time" auf bewegende Art und Weise. 

Auf Weisung der CMA hin ergab sich diesmal glücklicherweise nur im geringen Masse Politisches. Die zum 10. Male in Folge zu Gastgebern berufenen Stars Carrie Underwood & Brad Paisley beschränkten sich daher auf Andeutungen, und gaben einen schon fast als Oldie geltenden Underwood-Hit in der Version "Before He Tweets" zum Besten. Somit kam Präsident Trump hier relativ ungeschoren davon, und die Show blieb eine reine Musikveranstaltung.

Den musikalischen und emotionalen Höhepunkt im Zeichen der Trauer um die 58 Opfer von Las Vegas und in Erinnerung an die in diesem Jahr verstorbenen Musiker setzte Carrie Underwood, ganz in weiss gekleidet, auf einer winzigen runden Bühne inmitten des Publikums. Zu ihrem Gospelsong "Softly and Tenderly" flimmerten im Hintergrund Bilder u. a. von Tom Petty und Gregg Allman. Da jeder Besucher eine batteriebetriebene Kerze an seinem Sitz vorfand, und nun auf Lautsprecherdurchsage hin aufleuchten liess, bot dies einen absolut erhebenden Anblick in der abgedunkelten Bridgestone-Arena.

Geradezu frenetisch gefeiert fand sich dann auch Garth Brooks, der auf einer der Hauptbühne gegenüberliegenden Plattform unter seinem riesigen angestrahlten G-Logo seine Aufforderung "Ask Me How I Know" an die Zuschauer richtete. Ob er dabei schon ahnte, dass er kurz darauf erneut zum Entertainer des Jahres erhoben wurde? Seine Freude darüber zeigte er dann aber ganz offensichtlich. Ebenfalls einen ungemein gefeierten Auftritt erlebte Alan Jackson, frischgebackenes Mitglied der Country Music Hall of Fame, mit seinem "Chasin` That Neon Rainbow". Davor boten Tim McGraw und Gattin Faith Hill mit ihrer aktuellen Single "The Rest of My Life" einen Vorgeschmack auf die anstehende, gleichnamige CD-Veröffentlichung.

Unter den Zuschauern fand sich übrigens auch Pink, deren Name von Brad Paisley als "Pänk" verballhornt wurde, was er aber auch humorvoll erläuterte. Es gab auch wiederum viele Pausen, da die Werbezeiten der TV-Ausstrahlung selbstverständlich Vorrang hatten. Trotzdem blieb genügend Zeit fuer Auftritte, und natürlich für die Verleihungen der Awards. So wie fuer den an Miranda Lambert, die zum siebten Male den Preis als Sängerin des Jahres einheimste. Sie prägte in ihrer Danksagung denn auch den Begriff des Abends, als sie angesichts der Opfer von Las Vegas alle Anwesenden als "grosse Familie" bezeichnete.

Nur ganz am Rande der Veranstaltung erhob sich ein kleiner Missklang. Kentuckys Country-Sänger und Songwriter Sturgill Simpson trat während der drinnen laufenden Show vor dem Eingang der Bridgestone Arena "live" auf. Vor wenigen Anhängern monierte er dieserart, dass ihm trotz der diesjährigen Grammy-Auszeichnung für seine CD "A Sailor`s Guide to Earth" keinerlei Berücksichtigung durch die CMA widerfuhr.  

Die Awards im Einzelnen:

Entertainer: Garth Brooks,

Sängerin: Miranda Lambert,

Sänger: Chris Stapleton,

Gesangsgruppe: Little Big Town,

Gesangsduo: Brothers Osborne,

Neuer Künstler: Jon Pardi,

Song: Better Man (Taylor Swift),

Single: Blue Ain"t Your Color - Keith Urban,

Album: From a Room, Vol. 1 - Chris Stapleton

Text: U. K. Baues, Fotos: CMA (2)R. Gehring (1)