GOING WEST - Der Wilde Westen im Blick des Comics

Im ‚Wilhelm Busch Deutsches MUSEUM für KARIKATUR & ZEICHENKUNST‘ in Hannover läuft seit drei Monaten diese Ausstellung

Jetzt, nachdem ich an diesem milden Mittwoch-Nachmittag, dem letzten im Januar des gerade angebrochenen Jahres 2016, die Führung durch diese Ausstellung miterlebt habe, muss ich sagen ‘Schade eigentlich, dass ich darauf nicht schon früher aufmerksam geworden bin‘.
Gleich am Eingang empfängt den Besucher ein Riesenplakat von ‚Hal‘ Foster, Detail, 1947 © King Features Syndicate, und heißt jeden Besucher herzlich willkommen.
Seit der Eröffnung nämlich am 18. Oktober des Vorjahres mit all seinen Aktivitäten wie Vorträgen, Workshops, einem Poetry- Slam ‚High Noon‘ sowie einem Comic-Workshop, einem Weihnachtsbasar, verschiedenen Kinderaktionen und gleich zum Auftakt einem grandiosen Museumsfest draußen im Palais-Garten mit großem Tipi, Goldwaschen, Hufeisen- und Lassowerfen, einer Cowboy-Küche und vielen weiteren Aktionen, waren bereits viele Besucher in das Museum im weitläufigen, gegenüber der Universität Hannover gelegenen Georgen-Garten, gekommen. Aber halt: es gibt da noch eine echte Chance im gerade beginnenden neuen Monat. Diese interessante Ausstellung läuft noch bis zum 21. Februar, und es wird bis zum letzten Tag auch noch weitere Führungen geben, jeweils am Mittwoch, Samstag und/oder Sonntag. Nähere Infos dazu unter www.karikatur-museum.de oder Telefon 05 11 – 169999-11, doch leicht zu merken, oder?
GOING WEST zeigt Meister des internationalen Comics. Die Ausstellung zeichnet die Geschichte und Entwicklung des US-amerikanischen und europäischen Western-Comics von den Anfängen im 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart nach!
Wenn ich so an meine Kindheit und frühe Jugend zurück denke, dann fallen mir Westernromane wie Billy Jenkins oder Tom Prox ein, aber auch Comics. Eine Comic-Serie, die mich damals schon faszinierte, war auch dabei: die regelmäßig wöchentlich erscheinenden Heftchen mit dem Namen Horrido nämlich, in denen ein liebenswerter, lustiger, kleiner Cowboy die Hauptrolle spielte. Diese Hefte (anfangs noch in schwarz-weiß) habe ich mehrere Jahre lang gesammelt und sogar eine Sammelmappe dafür selbst gemacht und bemalt (Malen und An-Malen ist ja seit kurzem wieder ganz in – aha). Da ging es mir so ähnlich wie der Direktorin des Museums, Frau Dr. Gisela Vetter-Liebenow, die nämlich im hübsch aufgemachten, informativen Ausstellungsprospekt versichert, dass auch sie so ‚im Alter von etwa zwölf Jahren der Wilde Westen gepackt hat‘. Toll. Und so wird es sicherlich manchem Papa oder eben auch mancher Mama in frühester Jugendzeit ebenfalls gegangen sein. Comics wie Krazy Kat, Lucky Luke oder auch Comanche lassen grüßen. Und nun kommt der Clou: einige davon sind komplett oder auch in ganzen Seiten, alles im Original versteht sich, zu bewundern! So wie auch rund weitere 120 Originalzeichnungen! Beim Rundgang, noch besser natürlich bei einer Führung mit vielen zusätzlichen Informationen und lebendigen Geschichten, wie ich sie heute erleben durfte, ist daher gut nachzuvollziehen, wie sich das Bild vom amerikanischen Westen in den Comics der 1920er Jahre veränderte; die ersten Westernfilme zeigten Wirkung. Den ersten reinen Westerncomic veröffentlichte ab 1928 bereits Harry O’Neill mit ‚Young Buffalo Bill‘ – und auch Mickey Mouse erlebte ihre frühen Abenteuer im, ja, genau, im ‚Wilden Westen‘ natürlich.
In der Schau präsentiert werden auch die Vertreter des europäischen Comics, die zu Beginn der 1930er Jahre den amerikanischen Westen entdeckten, allen voran der Zeichner Hergé, der seine bekannteste Figur ‚Tintin‘, begleitet von dem Terrier ‚Milou‘ (dt. ‚TIM & STRUPPI‘) 1934 nach Amerika schickt. 1946 tritt erstmals ‚Lucky Luke‘ auf, erfunden von dem belgischen Comiczeichner Morris; Foto THE LUCKY BAND © Lucky Production. So geht es weiter bis in die 1960er Jahre – mit ständig wachsendem Erfolg!
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dann verliert der klassische Western im Comic allmählich wieder an Bedeutung. Ab Mitte der 1970er Jahre bleibt eine mehr und mehr sensibilisierte Sicht auf das Schicksal der amerikanischen Ur-Einwohner nicht ohne Einfluss auf den Comic.
Jedoch: es gibt auch Ausnahmen, wie z. B. die Gesamtausgabe 27 Lucky Luke, 2013-2015 von Achdé, die fast genau auf den Tag genau, nämlich am 4. Februar 2016, erscheinen soll!
Die Ausstellung ‚GOING WEST‘ widmet sich somit über 100 Jahren Comic-Geschichte, die es sich kennenzulernen lohnt – nicht nur für Country- & Western Fans!
Der Indianistik-Experte Jens Kalle, aufgewachsen im Landkreis Bad Segeberg, wohl daher auch schon früh seine Nähe zum Leben und der Kultur der Indianer (man denke an nunmehr schon mehr als 60 Jahre der Karl-May-Spiele dort am berühmt-berüchtigten Kalkberg), hatte Exponate wie Indianer-Stirnbänder, Kleidung, Messer oder auch Schmuck von Indianern aber auch Soldaten beigesteuert; sie rundeten die ausgestellten Zeichnungen und Comic Hefte ab und bereicherten die Gedanken um Mythen und Legenden über das Leben im Wilden Westen der vergangenen Jahrhunderte.
GOING WEST ist weiterhin dienstags bis sonntags, jeweils 11 bis 18 Uhr geöffnet, der Eintritt kostet 6, ermäßigt 4 Euro, der Zugang zu allen Ausstellungsebenen ist barrierefrei. Das Museum ist mit den Stadtbahnlinien 4 und 5 bis Haltestelle Schneiderberg/Wilhelm-Busch-Museum und einem entspannenden Fußweg quer durch den Georgengarten gut zu erreichen.

Wolfgang J. S. Weiher