DVDs: Die Rudi Carrell Show, Gesamtedition

Einen unglaublich spaßigen Rückblick auf eine längst vergangene Ära der (west-) deutschen Fernsehunterhaltung bieten diese insgesamt 27 Folgen der „Rudi Carrell Show“ auf zehn DVDs. Es handelte sich um die Vorläuferin von „Am laufenden Band“. Diese Sendungen mit dem beliebten niederländischen Showmaster stellten in jener Zeit, also ab 1965, etwas völlig neues dar, bezogen auf Ablauf und Inhalt. Lustige Dialoge, originelle Typen, und auch viele Auftritte prominenter Künstler boten in jenen Jahren durchaus einen Kontrast zu den etablierten Sendungen wie „Einer wird gewinnen“ oder „Der goldene Schuß“. Man mag heute über manche Sketche vielleicht den Kopf schütteln, doch zur Zeit der Ausstrahlung galten sie als neu, witzig, und vor allem unterhaltsam. Zum Stamm der Mitwirkenden gehörten übrigens Darsteller wie Heinz Eckner oder die 3 Peheiros, doch das Augenmerk richtete sich seitens der Zuschauer natürlich auf die vielen eingeladenen Gaststars. Im Lauf der Jahre gab es unzählige Auftritte von damals solch gefeierten Persönlichkeiten wie Heidi Brühl, Conny Froboess, Barbara Valentin, Dietmar Schönherr, Heinz Erhardt, oder Lou van Burg. Für die Western-Freunde besitzen diese TV-Shows Kultstatus. Hier trat Henry Darrow auf, der Manolito aus „High Chaparral“, und stellte in einem Saloon seinen einzigen Versuch auf dem Gesangsparkett vor. Seine Version der „Little Green Apples“, welche seinerzeit mit der Rückseite „El Rancho Grande“ auf einer Vinylsingle erschien, blieb allerdings erfolglos. In einer anderen Folge spielte Doug McClure mit, der als Trampas „Die Leute von der Shiloh Ranch“ vervollständigte. Er sang zwar nicht, machte aber Werbung für den damals (1973) gerade gedrehten Western „Die blutigen Geier von Alaska“. Geradezu legendär war dann der Besuch von Bobbejaan, der nicht nur seinen Erfolgstitel „Ich steh an der Bar und habe kein Geld“ sang, sondern danach wie in seinem Vergnügungspark Bobbejaanland mit einem riesigen US-Cabrio davon rollte. Letztendlich ergab es sich auch, dass es in der „Rudi Carrell Show“ zum finalen gemeinsamen Auftritt der gefeierten Kinostars aus den Karl-May-Filmen kam. Lex Barker, Pierre Brice und Marie Versini traten hier noch einmal in ihren berühmten Filmkostümen auf; Barkers plötzlicher Tod im Mai 1973 machte alle weiteren Pläne zunichte. Als Bild sieht man ein 4:3-Format, bei den ersten Folgen noch in s/w, und der einzig auf Deutsch angebotene Ton erklingt in Dolby Digital 2.0, ohne Untertitel.

Ulrich K. Baues