CD: Various Artists – The Elvis Presley Connection, Vol. 3

Die tollen Songs des „King“ fanden nicht nur Nachahmer, sondern verfügten auch häufig über Vorläufer. Bear Family präsentiert hier 35 Aufnahmen beider Sorten, eine eindrucksvolle Sammlung. Hier treffen völlig unbekannte Interpreten auf Weltstars, wenig erfolgreiche Titel auf Riesenhits. „Kiss Me Quick“ läutet diese Begegnungen ein, vom britischen Sänger Rikki Henderson aufgenommen, und völlig erfolglos geblieben. Anders lief es bei Terry Stafford, der blitzschnell Elvis‘ „Suspicion“ einspielte, auf einer Single veröffentlichte, und damit weit oben in den US-Popcharts landete. Elvis hatte hier eindeutig das Nachsehen. „(You’re the) Devil in Disguise“ fand sich als ursprünglicher Elvis-Hit auf einer Single vom fast gänzlich unbekannten Wayne Harris auf einem Billiglabel. Diese Strategie, aktuelle Hits von unbedeutenden Interpreten neu einzuspielen und dann merklich günstiger als die Originale zu verkaufen, zogen in den fünfziger und sechziger Jahren auch hierzulande Firmen wie „Tempo“ mit gewissem Erfolg durch. Don Robertson konnte dagegen mit „The Happy Whistler“ auf einen eigenen Charterfolg von 1956 verweisen, verlegte sich dann aufs Komponieren, und nahm für Elvis Demos auf. Mit „I Met Her Today“, „What Now, What Next, Where To” und “Love Me Tonight” ermöglicht die CD gleich dreimal Vergleiche zwischen ihm und dem „King“. Den „Killer“ Jerry Lee Lewis hier vorzustellen, ist sicherlich unnötig, und er bietet Elvis mit seinem „What’d I Say“ durchaus die Stirn. Auf überdurchschnittliches Interesse dürfte auch die weibliche Konkurrenz stoßen, wie Ketty Lester mit ihren „Love Letters“ und Patti Page mit der Erkenntnis „You Don’t Know Me“. Ral Donner landete mit dem „Girl of My Best Friend“ in den USA einen veritablen Hit; Elvis‘ Single gleichen Titels erschien 1960 einzig in Europa, verkaufte sich blendend, und Ral nutzte blitzschnell seine Chance auf dem US-Markt. Hier auf der CD findet sich jetzt sein „Poison Ivy League“, doch es ist ein völlig anderer Song, als der gleichnamige Soundtrack-Titel aus dem 1964er Elvis-Film „König der heißen Rhythmen“. Unter den weiteren Aufnahmen gibt es zwei interessante Demos, wie „Viva Las Vegas“ von Mort Shuman, oder „One Broken Heart for Sale“ von Otis Blackwell, beide auch Mitautoren des jeweiligen Songs. Die Drifters steuern hier noch die „Fools Fall in Love“ bei, Marty Robbins beantwortet bei „Where Could I Go But to the Lord“ seine Frage direkt selbst, und Johnny Holiday empfiehlt „Follow That Dream“. Letzteres stammt aus dem 1962er Elvis-Film „Ein Sommer in Florida“. Holiday arbeitete später unter seinem richtigen Namen Bobby Russell als Komponist, und schrieb Welthits wie „Honey“ oder „Little Green Apples“. Als ebenso einzigartig, wie diese musikalische Kollektion an Versionen, wird man sicherlich auch das Booklet betrachten. Über genau 34 Seiten erfährt man teils völlig unbekannte Dinge hinsichtlich Songauswahl, Aufnahmen, Chart-Plazierungen und biografischen Details zu allen hier vorgestellten Interpreten. Illustriert wird dies mittels fast ausschließlich in Farbe abgedruckter Schallplattenhüllen, Labels, Fotos der Interpreten, und vielen Bildern von Elvis und seinen Schallplatten.
Ulrich K. Baues