CD: Various Artists - Rockin with the Krauts – Vol. 1

Deutschsprachige Versionen britischer oder US-amerikanischer Hits gab es bereits in den fünfziger Jahren. Es handelte sich anfangs um Schlager, doch sofort mit dem Aufkommen des Rock & Roll, des Twist oder der Beat Music standen auch hierzulande bereits die Nachahmer in den Startlöchern. Genau 33 Beispiele für diese musikalischen Werke enthält diese unterhaltsame CD. Es gibt darunter Künstler, die schlichtweg einen Originalsong mit einem deutschen Text versahen. Die Rastätter Band The Rockin‘ Stars nahm beispielsweise Elvis‘ „A Big Hunk of Love“, und verwandelte ihn in „Hey Baby“. Ted Herold tat bei seinen Singles in der Regel nicht anderes, wie er hier mit „Little Linda“ demonstriert; bei Elvis handelte es sich um „Little Sister“. Bernd Spier, die Rollicks aus Berlin, und die Rattles aus Hamburg bevorzugten dagegen Chuck Berry, denn alle drei nahmen Titel von ihm ins jeweilige Programm auf. Dann gab es noch deutsche Kompositionen, die den vermeintlichen Vorbildern in nichts nachstanden. Hier ragt interessanterweise ausgerechnet Peter Kraus heraus, dessen „Doll-Doll-Dolly“ stimmlich und instrumental keinen Vergleich mit englischsprachigen Rock’n’Rollern zu scheuen braucht. Man merkt, auch hierzulande konnte man mithalten, wofür auch die Aufnahmen von Deutschlands Bill Haley, also Paul Würges, stehen: „Die Boys und ihre Babies“ und zwei weitere Songs steuerte der vor wenigen Jahren verstorbene Münchner bei. Bulgariens Nora Nova behauptete temporeich „Männer gibt’s wie Sand am Meer“, Benny Quick stellte fest „Denn du küsst so heiß“, und Billy Sanders sah endlich ein „Ich bin kein schöner Mann“. Es gibt noch einige weitere Schätzchen, wie Freddy Brocks Aufforderung „Schaut, schau, das ist meine Braut“, oder Suzanne Doucets mutige Anmache „Sei mein Baby“, bei dem Phil Spector musikalisch Pate stand. In bester Bear Family-Tradition wird die CD von einem mehr als 30seitigen Booklet begleitet. Die erste Hälfte skizziert grob die Situation der Nachkriegsjugend, und lässt die üblichen Kritiken gegenüber der damaligen westdeutschen Gesellschaft verlauten. Der zweite Teil widmet sich in teils launigen Kommentaren allen hier vertretenen Titeln und Interpret/inn/en, und nennt die damaligen Schallplattenfirmen samt Katalognummern. Mindestens ein s/w-Foto oder eine farbige Abbildung der jeweiligen Single-Hülle begleitet jeden Eintrag, häufig auch beides.

Ulrich K. Baues