CD: Various Artists – Here Comes Santa Claus

Es weihnachtet gerade sehr – doch aktuell beschäftigen sich die meisten von uns mehr mit den Auswirkungen der Pandemie, denn mit besinnlichen Themen. Ein musikalischer Rückblick auf die vermeintlich rückständige „gute alte Zeit“ sorgt jedoch für etwas Entspannung. Bear Family packte hier – wie auch im Untertitel mit „29 Swinging Chestnuts“ kundgetan – fast dreißig swingende US-Weihnachtssongs auf diese Scheibe. Und „swingen“ bedeutet natürlich stets etwas Tempo, von getragenen Titeln wie „Stille Nacht, heilige Nacht“ findet sich hier keine Spur. Es handelt sich stattdessen um teils weniger vertraute Aufnahmen, wenn auch überwiegend von seinerzeit sehr beliebten Interpreten. Also dann hinein in die dreißiger bis sechziger Jahre – den Startschuss feuern Bing Crosby und die Andrews Sisters mit der Ankündigung „Here Comes Santa Claus“ aus dem Jahre 1949 ab. Crosby gönnt uns noch einen weiteren Ohrenschmaus, denn zusammen mit Frank Sinatra stellt er „Mistletoe and Holly“ aus einem 1957er TV-Auftritt vor. Sinatra wiederum darf sich ebenfalls ein zweites Mal profilieren, diesmal mit den „Jingle Bells“. Auch Les Brown bekommt mit seiner Band of Renown zweimal die Gelegenheit zur Darbietung von Instrumentaltiteln, einmal „Let It Snow“ und dazu die „Nutcracker Suite“, beide aus den fünfziger Jahren. Bereits aus den dreißiger Jahren stammt Rex Griffins Zusicherung „I’m Ready to Reform“, eine wirklich frühe Aufnahme aus der Country Music. Aber auch die Damenwelt hält tapfer mit, denn die drei Fontane Sisters stellen 1955 bedauernd fest, es gibt „Nuttin‘ for Christmas“, wogegen die vier Lennon Sisters 1960 vom „Winter Wonderland“ schwärmen. Gleich zweimal widmet man sich dem kleinen Sohn von Santa Claus, denn den „Willy Claus“ besangen sowohl 1952 die Country-Sängerin Molly Bee, als auch 1959 die Dispoto Sisters. Ebenfalls zweimal hört man das weniger zu Weihnachten, sondern eher zum Jahreswechsel gerne gesungene „Auld Lang Syne“; Bobby Darin passte es 1960 als „Christmas Auld Lang Syne“ der Jahreszeit an, und das hierzulande wohl nur bei wenigen Musikexperten bekannte Roy Kral-Jackie Cain Sextet schließt diese CD damit ab. Den in den US-Charts erfolgreichsten Hit unter allen hier ausgewählten Aufnahmen landeten Bobby Rydell & Chubby Checker, denn ihre Version des „Jingle Bell Rock“ kletterte 1960 bis auf Platz 21 der legendären „Hot 100“ des Fachmagazins Billboard. Weitere Songs stammen von Peggy Lee, Judy Garland, Nat King Cole, etc. Ein zwanzigseitiges Booklet liefert in bewährter Bear Family-Manier Informationen und seltene Fotos bzw. Abbildungen zu allen hier vertretenen Interpreten und Titeln. Es gibt übrigens auch eine Ausgabe in rotem Vinyl, mit zwölf Aufnahmen aus dieser CD, und zwei weiteren Songs, die es nicht auf die Silberscheibe schafften (BAF 18072).
Ulrich K. Baues