CD: Various Artists – Destination Lust

Das Titelthema beschäftigt wohl insgeheim alle und jede/n, und es gibt heutzutage kaum noch moralische Beschränkungen hinsichtlich Schilderungen über wie und wo und mit wem. In den fünfziger und sechziger Jahren galt es hierfür – auch in gesanglicher Hinsicht – wesentlich höhere Hürden zu überwinden. Gute Gelegenheiten boten sich hierfür in den Kinofilmen. Elke Sommer wünschte sich beispielsweise in der britischen Komödie „Don’t Bother to Rock“ („Herein ohne anzuklopfen“, 1961) von wem auch immer „Be Not „Notty““. Und im leider nicht in Deutschland angelaufenen Western „Born Reckless“ von 1958 forderte die als Cowgirl agierende Hauptdarstellerin Mamie van Doren u. a. „Separate the Men from the Boys“. Jayne Mansfield erzielte zwar auch als Filmstar weltweite Bekanntheit, doch hier geht es ausschließlich um ihre Gesangsaufnahmen, einmal um ihren Antwortsong zu Big Boppers „Chantilly Lace“, genannt „That Makes It“, und um ihre Live-Version des Cole-Porter-Evergreens „Let’s Fall in Love“, hier unter der etwas zugkräftigeren Aufforderung „Let’s Do It“ aus dem Dunes Hotel in Las Vegas. Ihr nur einige Sekunden langer Schlusssatz auf dieser CD (Track 32) stammt übrigens aus dem Film „The Girl Can’t Help It“ („Schlagerpiraten“, 1956). Zwischen weniger bekannten Instrumentalaufnahmen und dem Erfolgstitel „Love Potion No. 9“ des Rhythm & Blues-Quintetts der Clovers, mischen sich weitere eindeutig zweideutige Songs. Beispielsweise bekennt Nino Tempos große Schwester und Duettpartnerin April Stevens „I Want a Lip“, und fordert „Teach Me Tiger“, oder es bietet Ann-Margret „Let Me Entertain You“ an. Mit dem Duo Rusty Draper & Lola Dee startete 1956 der letztendlich erfolglose Versuch, zwei Gesangsstars mit der gegenseitigen Aufforderung „Scratch My Back“ zu etablieren. Trotz Drapers „Gambler’s Guitar“ (das Original des „Lachenden Vagabunden“ von Fred Bertelmann) und Dees „Paper Roses“ sprang der Funke damals nicht auf die Fans über. Dieses Schicksal teilten sie mit Lizabeth Scott. Sie spielte zwar mit Elvis Presley in „Loving You“ („Gold aus heißer Kehle“, 1957), doch für ihr „Deep Dark Secret“ zeigte die Öffentlichkeit nur wenig Interesse. Einschließlich Jayne Mansfields bereits erwähntem Schlusssatz bietet die CD 32 Titel an. Das 28seitige, farbige Booklet stellt sämtliche für diese CD ausgewählten Songs und Künstler vollständig vor, reichlich illustriert durch teils sehr freizügige Fotos, dazu Filmplakate, Abbildungen von Schallplatten und Anzeigen.
Ulrich K. Baues