CD: Taylor Swift – Red (Taylors Version)

Volltreffer – noch in der Erscheinungswoche klettert Taylor Swift mit ihrem neu aufgenommenen Album „Red (Taylor’s Version)“ auf den Spitzenplatz der Top Country Albums des Fachmagazins Billboard, und führt auch auf Anhieb dessen wöchentliche Aufstellung über die genreübergreifend 200 in den USA meistverkauften Alben an. Nicht unerwähnt bleiben sollte auch der Hinweis, dass man die Originalausgabe von „Red“ trotz ihrer inzwischen sieben Platinauszeichnungen innerhalb von neun Jahren weiterhin unter den umsatzstärksten Tonträgern findet. Denn wie schon vor rund einem halben Jahr bei „Fearless“ handelt es sich auch bei „Red“ um ein ursprünglich bei der Schallplattenfirma Big Machine eingespieltes Album. Da es Streitigkeiten um die Eigentumsrechte gab, plante Taylor sämtliche sechs bei Big Machine erschienenen CDs nun bei ihrem jetzigen Label Republic Records neu aufzunehmen, und herauszubringen. „Red“ ist also Taylors zweiter, erfolgreicher Streich. Und noch turbulenter geht es derzeit bei den Singletiteln zu, wobei Taylor die Hot Country Songs mit gleichzeitig mehr als zwanzig Titeln förmlich überflutet. Beinahe die Hälfte der Singles dieser wöchentlich fünfzig Positionen umfassenden Aufstellung stammt demnach von Taylor. Ähnliches lässt sich auch für die legendären „Hot 100“ registrieren, denn hier entspringt derzeit mehr als ein Viertel aller plazierten Titel dem neu aufgenommenen Album des Superstars aus Pennsylvania. Dieses bietet dreißig Songs, und somit mehr als zwei Stunden Musik von Taylor – auch bei hartgesottenen Fans des ehemaligen Country Music Sternchens muss man ein wenig Opferbereitschaft unterstellen. CD-1 enthält sechzehn Titel, somit in gleicher Anzahl und Reihenfolge wie bei der 2012er-Version von „Red“. CD-2 bietet bei den ersten vier Titeln die Bonus Tracks der damaligen „Red“-Deluxe Edition, dann wechselt sie zur Benefizsingle „Ronan“, und alle weiteren der insgesamt vierzehn Titel tragen den Zusatz „from the vault“. Wie man nach dem Anhören von CD-1 feststellt, gelang es Taylor bei den Neueinspielungen durchaus, so nah wie möglich am Original zu bleiben. Einiges wirkt rhythmisch etwas stärker geladen, und zwar in Richtung Popmusik, anderes nervt, weil der teils durchgehende Baß in manchen Songs des vermeintlich Guten eindeutig zu viel ist. Aber davon abgesehen kann man das Wiederhören mit ihren früheren Country-Hits wie „Begin Again“ oder „I Almost Do“ oder „We Are Never Ever Getting Back Together“ hier durchaus genießen. Richtig interessant wird es aber mit CD-2. Alle neun als Archivaufnahmen („from the vault“) deklarierten Titel bieten neues oder besser unbekanntes Material. Mit hinein packte man auch drei Duette, von denen für die Country Szene wohl hauptsächlich Taylors Wette mit Chris Stapleton „I Bet You Think About Me“ Begeisterung wecken dürfte; die beiden weiteren Gesangspartner heißen – wieder mal – Ed Sheeran, sowie Phoebe Bridgers, letztere hierzulande bislang noch wenig bekannt. Den Abschluss bildet eine zehn-Minuten-Fassung von „All to Well“, womit Taylor derzeit die Spitzenplätze sowohl bei den Hot Country Songs, als auch der „Hot 100“ einnimmt. Der Titel stand bereits 2012 unter den Top 20 der Country Charts, und feiert hier quasi eine triumphale Wiederauferstehung. Das rund 30seitige Booklet bietet jede Menge Fotos von Taylor, und enthält zu allen Songs die üblichen Aufnahmedaten. Bei sämtlichen „from the vault“-Beiträgen stehen mit Ausnahme von „All to Well“ auch die Songtexte abgedruckt. Im Vergleich zu manchen früheren Veröffentlichungen aus dem Hause Taylor Swift lassen sich diesmal nur wenige Album-Versionen erwerben. Neben der hier vorgestellten Ausgabe als Doppel-CD bieten Republic Records lediglich eine Vinylausgabe mit vier LPs an (Republic 3863325), und der Supermarktriese Target bewirbt eine ebenfalls vier LPs umfassende Ausgabe in rotem Vinyl (Republic 3863326).
Ulrich K. Baues