CD: Rainer Bertram – Itsy Bitsy Teenie Weenie

Für die jüngeren Leser/inn/en des „Country-Mag“ wird der Name Rainer Bertram kaum Erinnerungen wecken. Der 2004 verstorbene Schlagersänger und TV-Regisseur (u. a. „Musik aus Studio B“) stand ab Ende der fünfziger Jahre mehrmals kurz vor dem großen Karrieresprung, aber irgendwie langte es nie dazu. Beim 1959 von Radio Luxemburg in der Wiesbadener Rhein-Main-Halle veranstalteten Deutschen Schlager-Festival belegte Bertram unvermutet die Plätze 2 und 3. Seine Singles erschienen bis dahin beim Billiglabel „Tempo“, und das verwendete Material konzentrierte sich auf neu eingespielte Aufnahmen aktueller Hits bekannter Stars. Die neue Popularität verschaffte Bertram jetzt Verträge mit den vergleichsweise großen Firmen Metronome und Polydor. Er nahm auch einige Angebote zu Auftritten in Schlagerfilmen wahr. Jetzt gab es von Bertram Singles wie „Itsy BitsyTeenie Weenie“ oder „Brigitte Bardot“, doch die Versionen von Caterina Valente & Silvio Francesco bzw. Hawe Schneider & seinen Spree-City-Stompers behielten letztendlich die Nase vorn. Erst 1963 plazierte sich Bertram zum ersten und gleichzeitig allerdings auch einzigen Mal in den deutschen Hitparaden: bei seiner Forderung „Gib mein Herz mir wieder“ handelte es sich um die deutsche Fassung von Paul Ankas „Give Me Back My Heart“. Im gleichen Jahr nahm er im Duett mit der Schwedin Ann-Louise Hanson an den Deutschen Schlager-Festspielen im Kurhaus von Baden-Baden teil; die beiden erreichten mit dem Zugeständnis „Es braucht ja nicht Hawaii zu sein“ gegen starke Konkurrenz immerhin Platz 9. Doch die zwei anschließenden Singles mit Hanson blieben leider erfolglos. Hinsichtlich weiterer Scheiben griff Bertram dann verstärkt auf Material aus der Country Music zurück; so stand bei seiner 1963er Aufforderung „Lass die andern alle wandern“ Leroy van Dykes „Be a Good Girl“ Pate, und zu seinem 1964er „In Valencia“ steuerte Marty Robbins sein „Not So Long Ago“ bei. Mit dem Aufkommen der Beat-Musik beendete Bertram seine Schlagerkarriere, und widmete sich beim Fernsehen erfolgreich der Regiearbeit. Auf diesen CDs finden sich 48 Aufnahmen von Rainer Bertram, mit wenigen Ausnahmen alle seine Singles auf Tempo, Polydor und Metronome. Leider nicht vertreten sind die Duette mit Ann-Louise Hanson. Dafür packten die Produzenten seine beiden Soundtrack-Raritäten aus der 1960er Verfilmung der „Pension Schöller“ hinzu, also „Jup, Jup, Jumbo“ und „Sie hat grüne Augen, rote Haare“. Ein dünnes Booklet fasst in Kürze Bertrams biografische Daten zusammen, und nennt die diskografischen Einzelheiten zu allen ausgewählten Titeln.
Ulrich K. Baues