CD: Mrs. Greenbird - Postcards

„Postcards“ heißt die neue, zweite Studio-CD des Duos Mrs. Greenbird aus Köln-Nippes. Die Gewinner der dritten Staffel der TV-Casting-Show „X-Factor“ aus dem Jahr 2012 hatten nach ihrem Gewinn, einer Schnellschuss-Debüt-CD mit guten Verkäufen jenseits der 100.000er Grenze und einer erfolgreichen Tour 2013, die als beste Clubtournee des Jahres ausgezeichnet worden ist, jetzt einfach die Lust, neue Geschichten zu erzählen. Herausgekommen sind insgesamt 12 dieser musikalischen „Postkarten“, die Sarah Nücken und Steffen Brückner aus Nashville, Tennessee, mitgebracht haben.
Die Geschichte mit Nashville ist wie vieles in der Karriere von Mrs. Greenbird ein Zufall, doch andererseits auch konsequent und selbstbewusst umgesetztes Musikerleben.
Während ihrer Clubtournee 2012 lief über die Saalanlage immer das 2008er Album des Songwriters William Fitzsimmons, das von Marshall Altmann, damals noch in Los Angeles, produziert wurde. Sarah und Steffen liebten die Musik von Fitzsimmons und fragten kurzerhand, ob der Amerikaner einen Song mit ihnen machen würde. Das lehnte dieser zwar ab, aber durch die Anfrage kamen Mrs. Greenbird mit Produzent Altman zusammen, der mittlerweile in Nashville eine neue Heimat gefunden hatte. Via Skype fingen die drei (Sarah, Steffen und Altman) an, zusammen Songs zu komponieren, und als die beiden Musiker aus Köln dann fragten, ob Marshall Altman sich auch vorstellen könne, ein ganzes Album mit ihnen zu produzieren, erwiderte dieser, er hätte sich schon gefragt, wie lange die beiden noch mit dieser Frage warten wollten.

So fehlte lediglich noch das OK der deutschen Plattenfirma, ehe sich Sarah und Steffen letztendlich im April auf den Weg nach Nashville begaben.
In den legendären RCA Studios wurden die Songs mit erstklassigen Musikern aus Nashville eingespielt, darunter Jason Mowery (Mandoline, Fiddle, Dobro, Gitarren), der schon bei Keith Urban und John Fogerty im Studio und auf Tour zum Team gehörte. Des Weiteren der herausragende Shannon Forrest, der allein in diesem Jahr auf den Nummer-1-Produktionen von Chace Rice, Tim McGraw und Lady Antebellum für Drums und Percussion zuständig war. Dazu kamen Tim Lauer (Piano, Akkordeon) und Tony Lucido am Bass. Natürlich steuerte auch Steffen Brückner zu nahezu allen Songs neben seiner Stimme auch Gitarrenparts hinzu.
Die Musiker und Mrs. Greenbird hatten schnell einen besonderen Draht zueinander gefunden, was sich auf den Aufnahmen eindrucksvoll nachvollziehen lässt, denn anders wären diese wunderschönen Umsetzungen der Melodien und Geschichten von Mrs. Greenbird kaum in dieser einzigartigen Form zustande gekommen.
Das Ergebnis ist ein herrliches Album, das alles hat, was moderne akustische „Singersongwritercountryfolkpop“ - Musik so braucht, eine Musik, deren Namen Mrs. Greenbird erfunden und mit Leben ausgefüllt haben.
Doch auf „Postcards“ überwiegen für mich ganz klar die „Country“- bzw. „Folk“-Anteile im Vergleich zu den „Pop“-Passagen. Gut so!
Vorweg genommen sei vor der näheren Betrachtung einiger Tracks, dass es tatsächlich keinen einzigen Schwachpunkt bzw. Füller auf dem Album gibt.
Die Songs fließen von Anfang bis Ende eingängig in die Gehörgänge und sind wundervoll unaufgeregt und perfekt arrangiert.
Den Auftakt zu „Postcards“ macht „Dark Horses“, eher so gar kein erwarteter Album-Opener, wie man sonst gewohnt ist. Anstatt schneller Rhythmen beginnen ruhige Gitarrenklänge und eine Mandoline, die eine schöne Melodielinie bilden. Darauf satteln dann die wunderschönen Harmonien von Sarah Nücken und Steffen Brückner. Kein üblicher Beginner, aber gleich alles, was die Faszination Mrs. Greenbird ausmacht.
Es folgt mit „Everyone`s The Same“ die flotte erste Single des Albums. Der Titel kommt leicht poppiger daher, sicher radiofreundlicher, aber mit einer eindeutigen Aussage. „Jede/r ist anders, also sind wir alle doch irgendwie gleich“. Den Song und das zugehörige Video gibt es hier zum selbst abchecken (http://youtu.be/-NqzRgswEbI).
Gleich anschließend geht es weiter mit dem positiven „Shine Shine Shine“, das mit feinen Mandolinenklängen beginnt. Für die aus Köln kommenden Mrs. Greenbird gehört die „Flitsch“ auf diesem Album sicherlich zu den hervorstechendsten Instrumenten.
Doch alle Instrumente, so hervorragend auch in Szene gesetzt bei dieser Produktion, sind natürlich nur Verstärker der Magie, die Sarah und Steffen mit ihren Stimmen und ihrer nahezu perfekten Harmonie versprühen.
Mrs. Greenbird setzen bei „Postcards“ vor allen Dingen auf positive Ausblicke. Songs wie „The Lucky One“, „Hole In Your Heart“ oder auch „Take My Head“ sind hier beste Beispiele. Dazu kommt eine Ode an den Aufmunterer namens Kaffee in „Insomniac“.
Im herrlich groovenden, etwas ruhigeren Titelsong der CD „Postcards“ übernimmt dann auch mal Steffen Brückner den Hauptpart im Gesang, begleitet von einem akustischen Teppich aus Mandoline, Akkordeon und unaufgeregtem Schlagzeug. Der Text beinhaltet goldene Wale und ein Einhorn, überhaupt nicht abwegig bei einem Duo, dass sich nach einem grünen Vogel benannt hat.
Folkpop allerfeinster Güte präsentiert die Nummer „Planets“, die Sarah und Steffen gemeinsam mit Alexander Zuckowski und David Jürgens komponiert haben. Zuckowski, Sohn des bekannten Musikers Rolf Zuckowski und selbst schon erfolgreich u. a. als Mitkomponist des Eurovision Hits von Conchita Wurst, war zudem bei diesem Song auch am Text beteiligt. Ein potentieller Hit allemal.
Richtiggehend Country Music kommt dann in der Geschichte um das Eichhörnchen Ricky, das laut des Textes bei Mrs. Greenbird im Garten in einem Baum lebt. So fühlt man sich immer zuhause, wenn man Ricky im Garten sieht. Er gehört dazu zum Heimatgefühl… bis dann der Baum gefällt wird, in dem Ricky lebte. Doch obwohl Ricky seine Heimat scheinbar verloren hat, ist er noch da, denn schließlich gehören die beiden Sänger mittlerweile auch zu seinem Leben, seinem Heimatgefühl. Eine tolle Geschichte, ganz im Stil traditioneller Country-Storyteller-Songs produziert. Dabei darf natürlich auch mal eine Fiddle, gespielt von Jason Mowery, ihren Teil beitragen zum Gesamtsound.
An den Schluss des Musikreigens haben Mrs. Greenbird die Ballade „Taky My Hand“ gesetzt, einen Song, der noch einmal akustisch mit feinen Dobroparts und einem wunderschönen Akkordeon eine herausragende Produktion beschließt.

Doch nach einem Durchlauf kann man nicht genug bekommen haben von diesem Dutzend feinster Musikperlen, also gleich wieder auf Anfang und die Reise von Köln-Nippes über Nashville, Tennessee, in die eigenen Gehörgänge noch einmal angetreten. Ein großes Lob für eine Spitzenproduktion an Sarah Nücken und Steffen Brückner und Marshall Altman. bitte mehr davon - jederzeit!

Kai Ulatowski

www.mrsgreenbird.com