CD: Lisa-Marie Fischer - Holding On

Wenn ein junges Mädchen, anstatt mit den Freundinnen Smartphone bearbeitend durch die Shopping-Tempel der Region zu ziehen, mit den Eltern auf eine Kreuzfahrt mit dem Thema Songschreiben geht, dann muss dahinter schon mehr als nur Interesse stecken. Die Leidenschaft zum Songschreiben führte die junge Lisa-Marie Fischer und ihre Eltern vor einigen Jahren auf besagte Musik-Kreuzfahrt, auf der Lisa-Marie das Songschreiben noch näher gebracht wurde und sie so ganz nebenher mit Songschmieden der Country Music wie Emmylou Harris, Lyle Lovett oder John Hiatt in Kontakt kommt.
Künstler wie Holly Williams oder auch Ryan Bingham werden für die junge Marburgerin zu Vorbildern und Kollegen/innen.
Mit „Holding On“ erscheint nun bereits das dritte Album der mittlerweile zur jungen Frau gereiften Sängerin und Songschreiberin aus Hessen. Aufgenommen und produziert wurde zum Teil in Nashville, wo auch das vorhergehende Album entstanden ist, aber auch bei Jörn Heilbut in Hamburg. Heilbut, der für sein Mitwirken an Ina-Müller-Produktionen schon mehrfach ausgezeichnet wurde, ist als Produzent und Studiomusiker bei den Songs „Your Girl“ und der ersten Singleauskopplung des Albums namens „On My Own“ federführend gewesen. Diese beiden Songs sind dann auch schon ein großes Stück poppiger geraten, als die restlichen 11 Titel des Albums, die in Nashville entstanden.
Bis auf zwei Coverversionen („Drinkin“ von Holly Williams und „Your Girl“ von Daphne Willis) hat Lisa-Marie Fischer als Songschreiberin an allen anderen Songs mindestens mitkomponiert. Das Album wird musikalisch eröffnet von der melodisch rockigen Nummer „Wanna Make It Last“, die der aktuellen Nashville Country Rock Music in nichts nachsteht.
Schon bei der nächsten Nummer kommen dann auch die akustischen Momente zum Tragen. Akustische Gitarre, Mandoline und eine schöne Steel Gitarre lassen „Just Go“ zum ersten Highlight der Produktion werden.
Danach gleich eine weitere musikalische Facette von Lisa-Marie Fischer. Das soulig daherkommende „Long Goodbye“ überzeugt mit Orgel, Soul-Chor und feiner E-Gitarren-Arbeit. Lisa-Marie passt mit ihrer noch recht jugendlichen Stimme nicht so ganz in das Songgebilde. Dann lieber mehr Country als Soul.
Das folgende Daphne-Willis-Cover „Your Girl“ ist etwas poppiger mit Mandoline und Steel Gitarre.
Anschließend der Titelsong „Holding On“, eine schöne Countryballade, kristallklar produziert mit einem wunderbaren Zusammenspiel zwischen akustischer Gitarre und Steelguitar.
Mit dem Holly-Williams-Cover „Drinkin`“ folgt ein Song, der 100% Country ist, mit Banjo, Steelguitar und Fiddle. Ein Groove, dem man sich nur unschwer entziehen kann. Schon von Holly Williams ein Kracher!
Das Stück „Stuck In My Head“ erinnert stilistisch ein wenig an die frühe Taylor Swift. Ein bisschen Liebeslied mit Countryelementen, und doch modern produziert. Sicher eine Richtung, die Lisa-Marie Fischer sehr gerne einschlagen würde.
Die erste Single des Albums heißt „On My Own“ und ist gleich in zwei Versionen auf dem Album vertreten. Zum einen in der Nashville Edition, die auch direkt in Music City aufgenommen wurde, sowie in der aufgepoppten Version, die von Jörn Heilbut in Hamburg für den einheimischen Mainstream-Markt produziert wurde.
Mein Favorit ist die flotte moderne Nummer „Tennessee“, die Lisa-Marie im Duett mit einem in den Begleittexten leider nicht genannten Partner singt.
Update (29.9.) Das Management der Künstlerin teilt uns mit, dass der Duettpartner Justin Wilson heißt und ein Studiosänger aus Nashville ist.
Lisa-Marie wurde bei vorhergehenden Produktionen stimmlich bereits mit Größen wie Stevie Nicks oder Alison Krauss verglichen. Das ist völlig absurd, denn Lisa-Marie Fischer hat ihre ganz eigene Stimme und der werden diese Vergleiche nicht gerecht.
Ich selbst würde Lisa-Marie Fischer ein wenig von der Mentalität mit Taylor Swift vergleichen wollen. Auch Taylor wusste schon in jungen Jahren, wohin sie mit ihrer künstlerischen Kreativität wollte. Diese Charaktereigenschaft traue ich auch Lisa-Marie Fischer zu, doch hoffe ich natürlich, dass Lisa-Marie auch nach den beiden poppigeren Songs mit Jörn Heilbut der Country Music treu bleibt und nicht Richtung Pop abwandert. Ich ziehe die Nashville Edition immer der Hamburg Edition vor, auch bei „On My Own“ auf dem vorliegenden Album.

Persönlich habe ich aber noch einen besonderen Wunsch an Lisa-Marie Fischer. Da mir in den letzten Jahren oftmals Fotos, CD-Cover oder Presseveröffentlichungen von Lisa-Marie untergekommen sind, würde ich mir ein Foto wünschen, auf dem sie lacht, oder wenigstens lächelt - schließlich gibt es bei solch tollen Produktionen wie jetzt „Holding On“ doch allen Grund dazu.
Gerne auch als Selfie an die Redaktion!

Kai Ulatowski

 

Hier geht es zum Video zur aktuellen Single „On My Own“:

https://www.youtube.com/watch?v=JqV46PeG7Dk