CD: Hermann Lammers Meyer - What Comes Next

In Zeiten, in denen die computerunterstütze Country Music in Nashville  aus den Brieftaschen der Plattenbosse heraus zumeist direkt für den musikalischen Mülleimer produziert wird, wo Streaming-Listen wichtiger als Plattenkäufe echter Fans sind, freuen echte Country Music Liebhaber sich über so schöne Highlights wie die aktuelle Produktion von George Strait oder die Alben von Acts wie Aaron Lewis oder Midland, denen man ihre Liebe zur wahren Country Music bei jedem Ton abnimmt.
Doch kurz vor Weihnachten kommt noch jemand ganz berechtigt auf die Liste der Anwärter auf die Country Music Perle des Jahres.
Der aus Aschendorf im Emsland stammende Hermann Lammers Meyer hat es endlich mal wieder getan. Er hat viele seiner Freunde und musikalischen Wegbegleiter um sich versammelt und liefert mit dem von ihm selbst und seinem Freund Jürgen Koop (beide zusammen im Foto ganz unten) produzierten Album „What Comes Next“ eine musikalische Wohltat der ganz besonderen Art ab.
Aufgenommen in den Bill Green Studios in San Antonio, Texas, liefern schon die ersten Töne des Openers und Titelsongs „What Comes Next“ die Inhaltsangabe für alle 14 Songs - schöne Steelguitar-Licks, rollende Banjo-Rhythmen und vor allem echte Country Music, die von ganzem Herzen kommt und der man es in jeder Sekunde anhört.
Die ausführenden Musiker stehen für das, was Hermann Lammers Meyer nun seit nahezu 50 Jahren im Country Music Business ausmacht. Kein Computer, wo es auch ein echtes und handgespieltes Instrument direkt auf den Punkt bringen kann. So hören wir Redd Volkaert (Gitarren), Floyd Domino (Piano), Großmeister Jay Dee Maness an der Steelguitar, Ron Knuth (Fiddle) und den aus Deutschland vor vielen Jahren nach Texas ausgewanderten Rolf Sieker am Banjo.
Hinzu kommen langjährige Freunde wie „Pretty Miss“ Norma Jean und Texas Dance Hall King Johnny Bush als Duettpartner.
Die Hälfte der 14 auf dem Album aufgenommenen Songs stammen aus der Feder von Hermann Lammers Meyer persönlich.
So auch der zweite Song der Produktion „Whoo M’am Thanks Again“, den Redd Volkaert mit seinen typischen E-Guitar Licks im typischen Truckersound eröffnet. Hier gibt es auch ein schönes Banjo- und Steelguitar-Solo zu hören. Wie man insgesamt konstatieren muss, dass die versammelten Musiker eine herrlich eingespielte Einheit bilden und dieser Produktion etwas von einem Wunschprojekt aller Beteiligten als Stempel aufdrücken.
Ruhiger wird es mit Titel 3, erneut ein Truckersong, allerdings als Country-Walzer mit schöner Steelguitar - „Austin Forever (Hand Me A Beer)“ zeigt die vielseitige Kompositionsfähigkeit unseres „Hermann the German“, den viele texanische Country Music Fans nicht minder gerne haben, wie ihre deutschen und europäischen Gleichgesinnten.
Es folgen zwei Duette mit musikalischen Freunden, die Hermann Lammers Meyer in den letzten dreißig Jahren immer wieder begleitet haben. Zunächst singen Hermann und Johnny Bush über ihre Liebe zu „Country Music“ in einem wahren Honky-Tonk-Meisterwerk aus der Feder von Hermann Lammers Meyer.
Gemeinsam mit Norma Jean folgt „Your Angel Steps Out Of Heaven Each Night“. Erneut ein Walzer, der auch durch ein sehr schönes Fiddle- und Steelguitar-Solo direkt ins Herz geht. Herrlich, solche Musikperlen auch heute noch neu aufgenommen zu bekommen.
Ein Beatles Cover folgt mit „Don`t Pass Me By“, ein Titel, den Ringo Starr für das weiße Album der Beatles geschrieben hat.
Ein wenig in Richtung Tex Ritter und Country Music Sprechgesang geht „Will You Please Ask God“, ein nachdenklicher Titel, den Hermann Lammers Meyer auch selbst geschrieben hat und bei dem ihn Jennifer Felan im Background gesanglich unterstützt.
„Pretty Thing“, von Country Music Hitkomponist Max D. Barnes verfasst, folgt und zieht das Tempo der Produktion wieder etwas an.
Eine weitere Komposition aus den goldenen 60ern folgt mit dem von Alex Zanetis geschriebenen „Tear Talk“ und gleich anschließend eine Country Ballade aus der Feder von Maurice Gibb (Bee Gees) mit „Hold Her In Your Hand“. Der Song wurde 1981 geschrieben, aber erst einige Jahre später 1984 als Single von Maurice Gibb solo und für den Soundtrack des Films „A Breed Apart“ (dt. Morgan, der einsame Killer, u.a. mit Rutger Hauer und Kathleen Turner) veröffentlicht. Seine Tochter Samantha Gibb veröffentlichte ein Cover im Jahr 2013.
Das nächste wiederum flottere Country Duett mit Randy Floyd folgt mit „We Live Country“, ein Titel, der Hermann Lammers Meyers’ Lebensmotto sein könnte und allen echten Country Music Liebhabern aus der Seele spricht.
Das Album schließt nach knapp 45 Minuten mit dem Klassiker „Don`t We All Have The Right“, einem Titel, den Roger Miller 1970 aufgenommen und veröffentlicht hat, der aber 1988 zu großem Ruhm kam, als Ricky Van Shelton damit seinen dritten Nummer 1 Hit in den Country Charts feiern durfte.
Bei mir war die Freude über dieses so unzeitgemäße wie aber unbeschreiblich schöne Album so groß, dass die Wiederholungstaste des CD Players noch mehrere Male zum Einsatz kam und dieses Album viele Stunden meines Lebens verschönerte. So wird es allen wahren Country Music Fans ergehen, denen ich diese musikalische Wohltat nur wärmstens empfehlen kann.
www.hermannlammersmeyer.de
Kai Ulatowski