CD: Harry Glück – Blue Moon

Mit Beginn der sechziger Jahre versuchten zahlreiche Neulinge in der deutschen Musikszene an die Erfolge von Interpreten wie Ted Herold und Peter Kraus anzuknüpfen. Für alle galt die Maßgabe: Rock & Roll in deutscher Sprache, sowie zu einem gewissen Grad eine Anlehnung an Elvis Presley. Im Gegensatz zu vielen kaum noch geläufigen Künstlernamen brachten es Musiker wie Werner Overheidt, Paul Würges, und auch Harry Glück, immerhin zu einem gewissen Bekanntheitsgrad. Vor beinahe vierzig Jahren gab es bei Bear Family sogar eine LP-Veröffentlichung von Harry („Hey Baby“, BFX-15067), mit fast identischem Inhalt wie die nun vorliegende CD. Der jetzige Silberling aus der „Schlager-Raritäten“-Reihe folgt einem einfachen Konzept: man spielte sämtliche neun von Harry Glück bei Polydor erschienenen Vinyl-Singles der Jahre 1960-1962 hier auf, in chronologischer Reihung, und jeweils sowohl A- als auch B-Seite. Schon der erste Song bietet Tempo, denn Bobby Darins Riesenhit „Let’s Think About Living“ wandelt Harry Glück bei seiner ersten Single als „Die Leute von heute“ in eine schmissige deutsche Fassung um. Auch zu Gene Pitneys allererstem US-Hit „(I Wanna) Love My Life Away“ gelang ihm mit „Bye-Bye Josefin“ gleichfalls eine annehmbare deutsche Version. Seine Ankündigung „Ich will dich immer wieder küssen“ entstammt dagegen Adriano Celentanos „24 mila baci“, schnitt jedoch hierzulande in Konkurrenz zu weiteren Einspielungen des Titels nicht erfolgreich ab. Nur einzig mit „Blue Moon“ gelang Harry 1961 der Eintritt in die deutsche Hitparade, im Original u. a. vom Doo-Wop-Quintett Marcels und von Elvis Presley gesungen. Mit „Es ist wahr“, der A-Seite der folgenden Single, trat der Sänger sogar im Kinofilm „Schlagerrevue 1962“ auf, und bei der Erkenntnis auf der B-Seite „Ich find‘ kein Bett“ stand wiederum ein Elvis-Hit Pate, nämlich „I Feel So Bad“; leider blieb der erhoffte Erfolg aus. Selbst der Wechsel von „King Elvis“ hin zu „Cinderella“ aus dem Repertoire von Paul Anka wendete das Blatt nicht. Harrys spätere Scheiben unter anderen Namen bleiben bei dieser CD außen vor. Das dünne Booklet listet Copyright-Angaben zu allen Songs, und schildert in Kurzform die Biografie des Künstlers.
Ulrich K. Baues