Buch: Sam Phillips – The Man Who Invented Rock’n’Roll

Die Frage, ob Sam Phillips tatsächlich den Rock & Roll erfunden hat, kann sicherlich als Thema für unzählige Diskussionen herangezogen werden. Es ist jedoch unstrittig, dass es sich bei ihm um eine der wichtigsten Persönlichkeiten in der Geschichte der US-Musik in den fünfziger Jahren handelte. Zur Orientierung: Sam Phillips war selbst kein Musiker, sondern der Inhaber und Betreiber des Memphis Recording Service und von Sun Records. Bei und von ihm wurde Elvis Presley entdeckt, und im Gefolge kamen Jerry Lee Lewis, Johnny Cash, Carl Perkins, später Charlie Rich, Roy Orbison, und viele andere. Phillips‘ Biografie entspricht also in Teilen gleichzeitig der Geschichte dieser legendären Schallplattenfirma in Memphis, Tennessee. Bei Peter Guralnick lag die Aufgabe, diese Biografie zu schreiben, in den besten Händen. Seine beiden bekannten Werke über Elvis Presley („Last Train to Memphis“ und „Careless Love“) gehören ohnehin zu den sachkundigsten Büchern über den King. Guralnick beschreibt Sams Werdegang akribisch und mit zahlreichen, unbekannten Detailinformationen gespickt. Der Leser kann sich so ein geradezu plastisches Bild jener nicht einfachen Ära machen, in der sein Werdegang erfolgte. Phillips stammte aus Alabama, und Guralnick folgt seinem Lebensweg auf jedem Schritt. Seine langjährige Bekanntschaft mit ihm verewigte er in diesem weit mehr als 700 Seiten (!) umfassenden Buch. Alle Stationen werden beschrieben, Familie, erste Jobs als DJ in den vierziger Jahren, die Eröffnung des Memphis Recording Service zu Beginn des Jahres 1950, seine Radiostation WHER, die Geschichte wie er Sun Records aufbaute, die großen Erfolge, der Abstieg, usw. Guralnick lässt auch die weitere Geschichte von Sun Records nicht außen vor, also die Übernahme durch Shelby Singleton. Nach seiner Zeit mit Sun Records blieb Sam natürlich nicht untätig, und auch dies lässt der Autor hier einfließen. Man bedenke, dass alleine mehr als fünfzig Seiten nötig sind, um alle Quellenangaben zu nennen. In den Text eingestreut finden sich zahlreiche Fotos, leider alle nur in s/w. Manche davon bieten nicht die ansonsten erhoffte Qualität, sondern entsprechen dem Standard der damaligen Zeit. Wer sich für die einzigartige Historie von Sun Records interessiert, kommt an dieser Biografie nicht vorbei.

Ulrich K. Baues