Buch: Das offizielle Bärbel Wachholz Buch – Erinnerung an die Musiklegende

Mit Bärbel Wachholz gab es zu Beginn der sechziger Jahre eine Interpretin, deren Aufnahmen sowohl in der damaligen DDR (auf Amiga), als auch in Westdeutschland (auf Fontana) erschienen. Dies klingt heutzutage nicht unbedingt sensationell, doch angesichts der politischen Anfeindungen jener Zeit handelte es sich bei solchen Dingen tatsächlich um absolute Ausnahmeerscheinungen. Die 1984 verstorbene Bärbel Wachholz stand in den frühen sechziger Jahren im Zenit ihrer Karriere, trat im In- und Ausland auf, und nahm erfolgreich an zahlreichen internationalen Festivals teil. Zur damaligen Zeit galt sie in der DDR als eine der gefragtesten Interpretinnen. Ihr häufig als „Absturz“ beschriebenes Ausscheiden aus der öffentlichen Wahrnehmung gegen Mitte der sechziger Jahre führte zu wilden Gerüchten. Unstrittig bleibt die von der staatlich gelenkten Presse eröffnete Kampagne gegen sie, über deren Motive man weiterhin spekulieren muss. Mögliche Hintergründe finden sich hier im Buch genannt. Ob es an unterstellten oder tatsächlich versuchten „Republikfluchten“ lag, an ihrer künstlerisch erstrebten Unabhängigkeit, oder gar an den gesundheitlichen Problemen, bleibt jedoch ungeklärt. Ein echtes Comeback gelang ihr nicht mehr. Der Autor beschreibt diese Phase, wie auch ihr gesamtes Leben und ihre Karriere, sehr detailliert und anhand einer aus unzähligen Informationen zusammengetragenen Faktenlage. Das damals allgemein zugängliche Repertoire der Sängerin beschränkte sich auf rund vierzig Singles und lediglich zwei Langspielplatten; es muss natürlich erklärend hinzugefügt werden, dass zu jener Zeit LPs keineswegs so häufig produziert wurden, wie heutzutage CDs. Insgesamt jedoch verfügte Bärbel Wachholz über ein sehr beachtliches Repertoire an Gesangstiteln, überwiegend der Stilrichtung Schlager zuzuordnen. Im vorliegenden Buch stehen sie alle säuberlich aufgelistet, sowohl ihre Einspielungen für die DDR-Plattenfirma Amiga einschließlich deren Katalognummern, als auch ihre zahlreichen Rundfunkaufnahmen. Es sind sogar einige unerwartete Schätzchen darunter, wie „Am Schießeisen beißt keiner an“ aus dem Western-Musical „Annie Get Your Gun“, oder „Blue Moon“, sowie natürlich die deutsche Fassung des „Tennessee Waltz“, womit Bärbel Wachholtz selbst US-Amerikanerinnen wie Alma Cogan den Rang ablief. Alle zwanzig Kapitel über die Interpretin tragen Titel ihrer Lieder als Überschriften. Es gibt dazu noch die bereits erwähnte Aufstellung ihrer Gesangsaufnahmen. Eine Reihe Zeitzeugen, darunter so bekannte Persönlichkeiten wie der DDR-Showmaster Heinz Quermann und mehrere Angehörige sowie viele ihrer Fans, werden ebenfalls vorgestellt. Einen beeindruckenden Teil des Buches nehmen dann natürlich die Abbildungen ein, darunter im Sinne des Wortes unzählige s/w-Fotos aus den vielen Jahren der Karriere, bei Auftritten, mit anderen Prominenten, aber auch private Bildmotive. Hinzu kommen Ausschnitte aus Presseartikeln, Zeitungsanzeigen, Hüllen von Singleplatten (Fontana und Amiga), Notenblättern, Programmvorschauen, uvm. Auf einigen Fotos sieht man Bärbel Wachholz sogar als Cowgirl in einer Western-Kapelle – ein für DDR-Künstler eher ungewohntes Bühnenoutfit.
www.baerbelwachholz.de

Ulrich K. Baues