Buch: Art and Politics in Have Gun–Will Travel – The 1950s Television Westerns as Ethical Drama

Die Westernserie „Have Gun – Will Travel“ erhielt hierzulande nie die Chance einer Ausstrahlung in den damaligen Fernsehprogrammen von ARD und ZDF. Auch die später etablierten Sender wie SAT.1 und RTL ignorierten sie völlig. Zu Unrecht, denn die Serie bot einen ungewöhnlichen Hintergrund, und der Hauptdarsteller erlebte spannende Abenteuer. Mehrere Jahre lang stand diese noch in s/w gedrehte Serie in den jährlichen Nielsen-Ratings (gemessene Zuschaueranteile in den USA) daher in der Gunst der Fernsehzuschauer unter den ersten Zehn. Richard Boone spielte die Hauptrolle des Paladin, der nach dem Ende des Bürgerkrieges im Carlton Hotel von San Francisco residierte, und dort Aufträge als Revolverheld der edlen Art entgegen nahm. Sein Werbespruch „Have Gun–Will Travel“ stand auf seiner Visitenkarte, zusammen mit der Schachfigur des Springers, im englischen „Knight“ genannt. Der Titelsong im Abspann „The Ballad of Paladin“ mit der darauf bezogenen Zeile „A Knight without Armor in a Savage Land“ erschien 1958 von Johnny Western auf Single (Columbia 4-41260), und findet sich auf der Zusammenstellung „My Rifle, My Pony and Me“ von Bear Family, BCD15625. Paladin zur Seite stand der chinesische Hotelangestellte namens Kim Chan (Kam Tong), Hey Boy gerufen. Sechs Spielzeiten lang, von 1957 bis 1963, übernahm Paladin Aufträge, und löste alle Fälle, unterstützt oder auch behindert von zahlreichen bekannten Gastdarstellern, wie es damals in der Zeit der Westernserien üblich war. Darunter Dan Blocker und Pernell Roberts, die kurz darauf für „Bonanza“ verpflichtet wurden, sowie DeForest Kelly, Denver Pyle oder Charles Bronson, um nur einige wenige zu nennen. Die Buchautorin beschränkt sich trotz Aussage der Titelzeile nicht ausschließlich auf diese TV-Serie, sondern zieht bei ihren Ausführungen noch weitere Western mit hinzu. Anhand jener Zeit der fünfziger Jahre analysiert sie das damalige Bild der Westernhelden in der Öffentlichkeit, also im Fernsehen, geht auf die Darstellung der Geschlechter und Minderheiten ein, und stellt den Aspekt „was die Zuschauer wollen“ in den Vordergrund. Aber es bleibt noch genügend Raum für die titelgebende Serie und den Titelhelden, auch wenn die Autorin sich bei der Episodenauflistung nur auf „empfohlene Folgen“ beschränkt. Bis auf ein einziges s/w-Foto von Richard Boone enthält das Buch leider keinerlei Illustrationen.

Ulrich K. Baues